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Flüchtlingswelle als Chance verstehen

Bad Münder. Gestern marschierten sie wieder, die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Auch in Hannover hatte der örtliche Ableger Hagida („Hannoveraner gegen die Islamisierung des Abendlandes“) zu einer Demonstration aufgerufen. Für Gerhard Ruppel schien damit der richtige Zeitpunkt gekommen, sich öffentlich zu äußern, um nicht nur den Islamgegnern das Feld zu überlassen. Der Geschäftsführer des in Bakede ansässigen Betriebes „Ruppel Hydraulik“ kann nicht verstehen, was die Menschen auf die Straßen treibt, „und ich glaube, die meisten dort wissen es auch selbst nicht.“

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Ruppel möchte sich auch vor seine Angestellten stellen: „Wir haben viele Mitarbeiter mit einem Migrationshintergrund.“ Darunter auch Muslime, etwa eine Auszubildende mit türkischem Pass und den Maschinenbauingenieur Yahya Hosseini aus dem Iran. „Und alle sind ein großer Gewinn für unsere Firma“, so Ruppel. Tatsächlich sei er auf Ingenieure aus dem Ausland angewiesen, weil die Fachrichtung Hydraulik in Deutschland kaum Beachtung finde.

Die Flüchtlingswelle versteht Ruppel auch als eine Chance: „Die Regierung muss mehr tun, um die Asylanten auszubilden und ihnen eine Perspektive zu geben. Diese Menschen haben schließlich alles verloren.“ Auch Niedersachsens Wirtschafts- und Arbeitsminister Olaf Lies äußerte sich gestern ähnlich: „Für die Zukunft ist Zuwanderung nicht nur eine Chance, sondern pure Notwendigkeit.“ Er möchte die frühzeitige Berufsberatung für Flüchtlinge fördern.

Vor knapp drei Jahren ist Hosseini aus der Millionenstadt Täbris nach Bakede gekommen, mit einer Aufenthaltserlaubnis, nicht als Asylbewerber. Zu Anfang habe er sich wieder wie ein Kleinkind gefühlt, das alles von neu auf lernen muss. Vorurteile seien ihm in all der Zeit nie entgegengeschlagen. Wenn jemand mal unhöflich sei, nehme er das nicht persönlich. „Jeder hat mal einen schlechten Tag, das ist im Iran nicht anders“, so der 28-Jährige. Mit Pegida kann der Muslim nichts anfangen. Es seien schließlich Fundamentalisten, die solche Anschläge wie in Paris verübten. „Vor denen habe ich genauso Angst, wie alle anderen.“ Sein Chef stimmt ihm zu: „Extremisten sind immer gefährlich, egal welcher Religion sie sich angehörig fühlen.“

Deutlich macht auch Hartmut Büttner seine Haltung zu Ausländerfeindlichkeit und Islamgegnern: „Dem muss man geschlossen entgegentreten.“ Der Bürgermeister ist froh, dass sich solche negativen Strömungen, wie sie bei den Pegida-Demonstrationen zutage treten, in Bad Münder noch nicht gezeigt haben. In dieser Hinsicht mache er sich auch wenig Sorgen. „Wir haben mit dem runden Tisch gegen Ausländerfeindlichkeit und den Integrationslotsen Vorbildcharakter.“

Auch Ortsbürgermeister Rolf Wittich nutzte den Neujahrsempfang in Bakede, um die Bürger aufzurufen, Flüchtlinge willkommen zu heißen. „Wir sollten daran denken, dass viele jetzt einheimische Familien nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Flucht waren und hier in unserer Ortschaft auch sehr gut aufgenommen wurden.“col



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