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Flüchtlinge trainieren bei Haworth für den Arbeitsmarkt

BAD MÜNDER. Sie haben ein Dach über dem Kopf und die ersten deutschen Wörter gelernt – die Flüchtlinge, die in den vergangenen Monaten in Bad Münder angekommen sind. Jetzt kann die Integration beginnen. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Berufstätigkeit.

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Autor:

Mira Colic

Der Büromöbelhersteller Haworth hat jetzt als erstes Unternehmen in der Region eine sogenannte Trainingsmaßnahme für Asylbewerber durchgeführt.

Bis Ende des Monats sind drei Syrer und zwei Eritreer aus Bad Münder und Hameln in der Stuhl- und Schrankfertigung sowie im Bereich der Pulverbeschichtung am Haworth-Standort Bad Münder eingesetzt. Das Ziel ist, ihnen Gelegenheit zu geben, die deutsche Arbeitswelt ganz praktisch durch Mitarbeit in der Produktion eines deutschen Unternehmens kennenzulernen. Bei allen fünf Männern im Alter zwischen 19 und 42 Jahren läuft das Asylanerkennungsverfahren. Da sie aus als unsicher eingestuften Herkunftsländern kommen, ist die Bleibewahrscheinlichkeit hoch.

An der Suche nach möglichen Teilnehmern waren neben der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter Hameln-Pyrmont auch mündersche Integrationslotsen beteiligt. „Das ist nur dem guten Netzwerk in Bad Münder zu verdanken“, sagt Integrationslotsin Asia Jobe. Sie habe über die Flüchtlingssozialarbeiterin Sina Bruns von der Trainingsmaßnahme erfahren und Susanne Lührs von der Arbeitsloseninitiative habe bei ihr angefragt, ob sie passende Kandidaten hätte. „Und die hatte ich natürlich“, sagt Jobe. Sabine Scharnewski von der diakonischen Beratungsstelle an der Angerstraße habe den Männern beim Ausfüllen der Formulare geholfen. „Und drei Tage später hatten wir die Zusage.“

Dieses erste positive Beispiel soll nicht das einzige bleiben, betont Sozialarbeiterin Bruns. Die Integration in den Arbeitsmarkt sei jetzt die nächste große Aufgabe, die sich die Gesellschaft stellen müsse. „Wir sind dabei, weitere Plätze in Unternehmen für die Flüchtlinge zu finden.“ Die Trainingsmaßnahme sei besonders gut geeignet, weil sie im Gegensatz zu Praktika keine Vorrangprüfung geben müsse, ob es geeignete deutsche Bewerber gebe. Außerdem ist keine Genehmigung der Ausländerbehörde und kein weiteres Zustimmungsverfahren bei der Arbeitsagentur erforderlich.

Ins Leben gerufen hatte Haworth das Projekt nach einem Gespräch, an dem neben dem Personalleiter Lars Lohmann der Teamleiter des gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Arbeitsagentur und Jobcenter, Vural Sevinc, sowie der für das Unternehmen verantwortliche Arbeitsvermittler Andreas Horch teilnahmen. Horch bezeichnet die Einbindung der Integrationslotsen bei der Suche nach Kandidaten als entscheidend, denn längst nicht alle Flüchtlinge, die sich im Landkreis aufhalten und deren Asylanerkennungsverfahren noch läuft, seien bei der Arbeitsagentur arbeitslos gemeldet. „Dabei können auch für diese Menschen bei einer frühzeitigen Meldung Eingliederungshilfen starten, und die Wartezeit auf die Entscheidung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge über den Asylantrag wird optimal genutzt“, so Horch.

Die fünf Männer wurden am ersten Tag von ihren Integrationslotsen oder Dolmetschern zum Unternehmen begleitet. Neben der Tätigkeit in der Produktion wird auch ein täglicher Sprachkurs angeboten. Hierfür nutzt das Unternehmen Lizenzen für Online-Deutsch-Sprachkurse. Zudem steht eine arabisch sprechende Mitarbeiterin kontinuierlich als Dolmetscherin zur Verfügung. Dies ist allerdings keine Voraussetzung für eine solche Maßnahme. Wichtiger sei ein betrieblicher Pate an der Seite des Praktikanten. „Haworth-Mitarbeiter in den jeweiligen Bereichen haben freiwillig eine Patenschaft übernommen und unterstützen die Teilnehmer bei Fragen und anderen Belangen“, erklärt Lohmann. Nach den ersten positiv verlaufenden Wochen zieht der Personalleiter eine positive Bilanz: „Im Rahmen des Projektes beabsichtigen wir weiterhin Praktikumsplätze für Flüchtlinge bereitzustellen.“



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