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Verunglückter Pilot startete in Wahlstedt zum Langstreckenflug

Flieger trauern um ihren Kameraden

Bad Münder. Die Erschütterung bei den Mitgliedern des Luftsportvereins Kreis Segeberg ist groß. Ein Pilot aus ihrer Mitte, der 67-jährige Ullrich S., war am Sonnabend auf dem Flugplatz in Wahlstedt zu einem Langstreckenflug aufgebrochen – am Nachmittag stürzte er über dem Süntel ab und konnte nur noch tot aus den Wrackteilen seines Segelflugzeugs geborgen werden.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Ullrich S. galt als erfahrener Pilot, seine Leidenschaft war der Langstreckenflug. Ein Mann, der sich bei mehreren 1000-Kilometer-Flügen bewährt hatte und sein Wissen und seine Begeisterung für diesen Bereich des Segelflugs gerne weitergab. Das Flugzeug vom Typ Nimbus – seine Privatmaschine – zählt zu den Hochleistungsflugzeugen, mit denen in der Vergangenheit schon Weltmeistertitel eingeflogen wurden. „Ein großer Verlust für unseren Verein, aber auch ein großer Verlust für unseren Sport, weil er bundesweit Bedeutung hatte. Er war ein sehr engagierter, herausragender Pilot, ein Vorbild“, erklärte gestern Karsten Wilkening, Sprecher des Luftsportvereins. S. war lange Jahre Vorsitzender, habe den Verein maßgeblich geprägt. Er habe dazu beigetragen, dass das Thema Sicherheit ganz oben auf der Agenda der fliegerischen Ausbildung des Vereins zu finden sei. Er war in die „Traditionsgemeinschaft Alte Adler“ aufgenommen worden – eine bundesweite Vereinigung von Persönlichkeiten, die sich durch besondere fliegerische Leistungen hervorgetan haben.

Als sich S. am Sonnabend von seinen Vereinskameraden verabschiedete, herrschten beste Bedingungen, „zahlreiche Piloten waren unterwegs“, sagt Wilkening.

Von guten Bedingungen am Sonnabend wissen auch heimische Flieger zu berichten. Klaus Preen, Vorsitzender des Luftsportvereins Kreis Springe, war mit anderen Mitgliedern am Vereinsflugplatz Celle-Arloh und weiß von einer ganzen Reihe von Langstreckenflügen. „Insofern ist der Langstreckenflug des verunglückten Piloten nicht ungewöhnlich“, erklärt er. Der Süntel sei kein ausgewiesenes Ziel bei Langstreckenflügen, zumeist legen Piloten bei ihrer Planung Wendepunkte in die Nähe von Segelflugplätzen, um bei nachlassender Thermik eine Landemöglichkeit zu haben. Im Weserbergland liegen die Plätze Bisperode, Rinteln, Bückeburg oder auch Bad Pyrmont in nicht zu großer Entfernung.

Beliebt ist der Höhenzug Süntel bei Segelfliegern, weil das große Waldgebiet und auch die große Steinbruchfläche bei Hamelspringe als Thermikauslöser gelten. Schnell kann der Pilot in einer Thermikblase wieder an Höhe gewinnen. Ein Pilot berichtete nach dem Absturz der Polizei, dass sich der 67-Jährige in rund 1000 Meter Höhe befunden habe, als es zu dem Unglück kam.

Spekulationen zur Absturzursache will sich Preen ebenso wenig anschließen wie Wilkening. „Im Normalfall zerreißt es ein Flugzeug nicht in der Luft“, sagt der Springer Vorsitzende. Mehr Informationen zur Unglücksursache erhofft sich Preen von der Auswertung der Daten eines „Logger“-Systems. Er geht davon aus, dass ein erfahrener Langstreckenpilot in einem Hochleistungsflugzeug ein solches System, das GPS-Daten aufzeichnet, an Bord hatte: „Das ist keineswegs mit einer Blackbox in einem Verkehrsflugzeug zu vergleichen, aber es kann Aufschluss über den Flugweg und eventuell auch über die Flughöhe geben.“

„Für uns bleibt die Untersuchung der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung abzuwarten. Aber bei seiner Erfahrung muss ihm ein Unglück zugestoßen sein“, erklärt Wilkening.

Bei der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig sind gestern die vom THW an der Absturzstelle sichergestellten Trümmerteile eingegangen, erklärte Sprecher Germout Freitag. Die erste Einschätzung der Experten vor einer umfassenden Untersuchung in den BFU-Hallen: Es handelt sich um einen so genannten „Luftzerleger“ – an einer Tragfläche sei eine Bruchstelle deutlich auszumachen. Unklar ist aber weiterhin, warum die Tragfläche brach. „Dazu werden wir auch die Ergebnisse der Obduktion sowie eines Wettergutachtens einbeziehen“, sagt Freitag. Nicht auszuschließen ist, dass ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall des Piloten das Flugzeug in eine Lage brachten, in der es zum Materialbruch kam. „Alles Weitere wird die Untersuchung zeigen“, sagt Freitag.



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