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Fliegenfänger im Ruhestand

Hohenrode (who). Dachböden sind meist unerschöpfliche Fundstück-Fundgruben. Nichts, was so unmittelbar nicht mehr gebraucht wird, das sich nicht „erstmal“ entweder im Keller oder auf dem Dachboden zwischenlagern ließe. Eben für den Fall, dass es sich irgendwann doch noch wieder irgendwie verwenden ließe. So war’s jedenfalls früher, als Neubausiedlungen noch nicht von eineinhalbgeschossigen Einfamilienhäusern mit minimalen Kriechböden unterm Krüppelwalmdach dominiert wurden und statt der Bodenplatte einen ordentlichen Keller unten drunter gehabt haben.

Also galt für Generationen: Rauf mit dem Gerümpel auf den Dachboden. Dass aber ausgerechnet ein längst ausgedienter Fliegenfänger des Aufbewahrens auf dem Dachboden zwischen allerlei weit nützlicheren Deponie-Objekten wert gewesen sein soll, ist so leicht nicht nachvollziehbar.

Für jüngere Leser, die die Fliegenfallen mit dem honigfarbenen Kleber nicht mehr kennen dürften: Die Dinger waren früher, nicht zuletzt in ländlicher Umgebung die Hauptwaffe gegen lästige Fliegen, die sich normalerweise gerne beim Vieh im Stall aufhalten und von dort aus auch gerne Exkursionen in die Wohnungen der Menschen unternehmen. Das zu verhindern oder zu vermindern, dazu waren die Fliegenfänger da. Als verlockend nach süßem Honig oder ähnlichem duftender Zwischenlandeplatz auf dem Weg zum Küchentisch waren die klebrigen Fallen der Untergang für die Fliegen. Was zwar eklig ausgesehen hat, aber auch eine nicht unerhebliche Genugtuung für den geplagten Fallensteller mit sich brachte. Vielleicht war’s also der reine Erinnerungswert, der diesen Fliegenfänger zum Fundstück werden ließ. Überliefert von einem Enkel des früheren Besitzers ist jedenfalls: ,,Soweit ich weiß, hängt der schon zwischen 25 und 30 Jahren da oben.“




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