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Drei Monate Haft mit Bewährung

Flecken am Finger: Pflegerin tappt in die "Diebesfalle''

Stadthagen (ly). Richter Friedrich von Oertzen nennt die Tat "ganz schön abge- feimt", Staatsanwalt Thomas Pfleiderer "eine Riesensau- erei" und schlicht "schäbig'': Eine frühere Pflegerin in einem Stadthäger Altenheim hat im Zimmer eines bettlägerigen Bewohners lange Finger gemacht. Die heute 49-Jährige konnte ja nicht wissen, dass sie in eine "Diebesfalle" der Polizei getappt und die Banknote präparier t war.

Ihren Job ist die Frau schon lange los. Obendrein hat das Bückeburger Landgericht sie jetzt zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe verurteilt, verbunden mit mehreren Auflagen. Dazu gehört eine Geldbuße von 500 Euro, zu zahlen an ein anderes Alten- und Pflegeheim, allerdings in Bückeburg. Mit ihrem Urteil hat die Berufungskammer einen Schuldspruch desAmtsgerichts Stadthagen aus erster Instanz bestätigt, auf die Freiheitsstrafe allerdings einen Monat Nachlass gewährt. Grund: Weil diverse Einträge im Vorstrafenregister der Angeklagten nach mehr als zehn Jahren zwischenzeitlich gelöscht sind, dürfen sich diese im Gegensatz zum ersten Prozess nicht mehr zum Nachteil der Arbeitslosen auswirken. Rückblick: Nach wiederholten Diebstählen hatte sich die Heimleitung im Dezember 2006 an die Polizei gewandt. Zu dem Zeitpunkt stand die 49-Jährige bereits unter Verdacht. Also bestäubten Beamte einen 20-Euro-Schein mit Silbernitrat, das nach Berührungen leichte Verätzungen auf der Haut erzeugt. Die Banknote kam in einen Umschlag und wurde ins offenbar unverschlossene Wertfach des ausgewählten Heimbewohners gestellt. An jenem Tag war die diebische Pflegerin in dem Wohnbereich mit einem Wäschewagen von Zimmer zu Zimmer unterwegs. Auf ihrer Tour steckte sie das Geld ein und legte den leeren Umschlag zurück ins Fach. Einen Tag später wurde die Verdächtige, die keinen Dienst hatte, unter einem Vorwand ins Heim bestellt. Und siehe da: An mehreren Fingern fanden sich Spuren in Form kleiner schwarzer Pünktchen. Nach ihrem Weggang hörten die Diebstähle auf. "Alles spricht gegen die Angeklagte, fasste der Vorsitzende Richter Friedrich von Oertzen in seiner Urteilsbegründung zusammen. So seien die Diebstähle stets während der Arbeitszeit der Pflegerin passiert und immer in deren Bereich. Überdies seien ihr derartige Taten nicht wesensfremd, wie von Oertzen mit Blick auf frühere Verurteilungen erklärte. "Die schwarzen Flecken an den Händen sprechen so eindeutig gegen die Angeklagte, dass kaum ein anderes Argument geeignet ist, dies in Zweifel zu ziehen." Die 49-Jährige bestritt die Vorwürfe bis zuletzt. Sie will lediglich den Umschlag ins Wertfach gestellt haben, nachdem dieser durch eine Unachtsamkeit ihrerseits herausgefallen sei. Die Verteidigung hatte versucht, die Diebstähle einer Praktikantin in die Schuhe zu schieben. "Das ist fast so schäbig, meinte der Leitende Oberstaatsanwalt, "wie alten Leuten das kärgliche Taschengeld zu klauen."




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