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Kämmerer aller Schaumburger Kommunen versichern, dass es keine Verluste gibt

Finanzmarktkrise: "Wir machen doch keine Kasino-Spekulation"

Landkreis (mld/gus/fox/ssr). Die Krise der Finanzmärkte hat bundesweit auch einige Kommunen ins Schlingern gebracht. Besonders in Nordrhein-Westfalen mussten einige Kämmerer einräumen, sich verlustreich verzockt zu haben - mit hochspekulativen Risikofonds etwa, mit Derivaten oder mit sogenannten "Cross border"-Leasing-Projekten. Hohe Verluste sind die Folge. Unsere Zeitung hat sich bei den Schaumburger Kommunen umgehört, ob auch hier Verluste zu verzeichnen sind und wie finanzielle Rücklagen, soweit vorhanden, angelegt werden. Übereinstimmende Auskunft aller Kämmerer: Es gibt keine Verluste.

Dass auch hiesige Kommunen durchaus in Versuchung geführt worden waren, Risikogeschäfte ins Auge zu fassen, berichtete Jörg Schröder, Erster Stadtrat der Stadt Rinteln. Etwa im Jahr 1999, erzählt er, wurden risikoreiche Anlagen mit hohen Gewinnen unter Kommunen populär. Kämmerer aus verschiedenen Landkreisen trafen sich und empfahlen einander Möglichkeiten, Geld möglichst gewinnbringend anzulegen. "Wir haben uns aber ganz klar gegen solche Geschäfte entschieden", so Schröder. Auch Schuldverschreibungen des mittlerweile bankrotten US-Immobilienfinanziers "Lehmann Brothers" seien hierzulande den Kommunen angepriesen worden, verriet einKämmerer aus dem Schaumburger Land hinter vorgehaltener Hand. Auch Bückeburg wollte damals und will jetzt nichts von risikoreichen Anlagen wissen: "Unser Geld liegt bei heimischen Instituten", wie Kämmerer Horst Tebbe sagte - bei der NordLB und der Zentralbank der Volksbanken. "Mit Aktien und Derivaten wollen wir nichts zu tun haben", so Tebbe. Die Stadt Stadthagen nutze ihre Rücklagen "ganz überwiegend zur Abwicklung laufender Kassengeschäfte", sagte Bürgermeister Bernd Hellmann. Nur wenn es die Situation mal erlaube, lege man Teile bis zur sechsstelligen Höhe kurzfristig als täglich abrufbares Tagesfestgeld an, und zwar ausschließlich bei Sparkasse und Volksbankvor Ort. "Wir handeln damit bewusst ganz konservativ, haben mit einer Zinsoptimierung nichts im Sinne", bekräftigte Kämmerer Manfred Lück. Bernd Reese, Nenndorfer Samtgemeindebürgermeister, kann sich nicht vorstellen, dass sein Kämmerer Frank Behrens in faule Fonds investiert hat. Genauer könne dies Behrens selber darstellen, der sich jedoch derzeit auf einem Lehrgang befinde. Uwe Heilmann, Verwaltungschef in Rodenberg, hat diese Probleme nicht. Er ist zugleich Kämmerer. "Um Gottes Willen, hier herrschen keine Verhältnisse wie in Nordrhein-Westfalen", meinte Heilmann. Verwaltung und Räte seien angewiesen, antizyklisch zu handeln und in Bauten zu investieren: "Das stärkt die heimische Wirtschaft." "Wir machen doch keine Kasino-Spekulation", ist Sachsenhagens Bürgermeister Arthur Adam sich sicher, dass die Samtgemeinde auf gar keinen Fall Verluste befürchten muss. Bis zu 1,5 Millionen Euro lege die Samtgemeinde an, ergänzte Kämmerer Jörg Wedemeier, und zwar vor Ort als Tagesgeld mit höchstens sechsmonatiger Bindungsfrist. "Wir haben keine Verluste durch die Finanzkrise erlitten", sagte auch Karl-Heinz Schulze, Kämmerer der Samtgemeinde Niedernwöhren. Die Kommune lege grundsätzlich nur bei heimischen Kreditinstituten an. "Leitbanken" seien die Sparkasse Schaumburg und die Volksbank Hameln-Stadthagen. Spekulationen verbieten sich laut Schulze schon gemäß eigener Satzung. Alle drei Monate werde der Zinssatz überprüft. Die Gesamthöhe inklusive der Anlagen aller Mitgliedsgemeinden beläuft sich auf 2,5 Millionen Euro. Ebenfalls bei Sparkasse und Volksbank legen die Samtgemeinden Nienstädt und Lindhorst nach Worten der Verwaltungs-Chefs Rolf Harmening und Gerd Busche an. Fonds- oder andere Risikogeschäfte würden nicht betrieben. Festgeld ist die gängige Methode. Auch diese beiden Kommunen spüren keine Auswirkungen der Finanzkrise. Auch die Stadt Obernkirchen setzt vor allem auf Sparkasse und Volksbank: "Unsere Finanzen sind solide angelegt", so Bürgermeister Oliver Schäfer. Bankverbindungen gebe es noch zur Postbank und der SEB-Bank in Hannover, bei denen die Stadt Geschäftskonten halte. "Wir haben die sicherste Anlageform gewählt", sagt auch Karl-Heinz Büthe, Kämmerer der Gemeinde Auetal: In gestaffelten Anlagen sind die Finanzen der Gemeinde bei Volksbank und Sparkasse untergebracht. Durch Schutzmaßnahmen der Banken wie Bürgschaften des Institutes sei das Geld sicher, ist Büthe überzeugt. "Schließlich handelt es sich um Steuergeld", fügte er hinzu. "Da muss man die Spielregeln einhalten und sichere Anlageformen wählen."




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