weather-image
28°
Naturschutzgebiet oberhalb Luhdens beherbergt Zittergras und Enzian

FiligranesÄhrenspiel im Wind

Luhden (gp). Naturfreunde und Pflanzenliebhaber können in diesen Wochen - allerdings weit entfernt von menschlicher Zier- und Schmuckgartenkunst - nahe Luhden eine der eigenwilligsten und anmutigsten heimischen Pflanzenschöpfungen bewundern: Das "Briza media", zu deutsch "Zittergras".

Der Name kommt nicht von ungefähr: Die kleinen, an haarfeinen Stielen hängenden, herzförmigen Ährchen schwingen selbst bei kleinster Luftbewegung rast- und schwerelose hin und her. Das Ganze wirkt wie ein elegantes Spiel im und mit dem Wind. Kein Wunder, dass die zartgliedrige, bis zu 60 Zentimeter hohe Süßgras-Pflanze seit jeher das besondere Interesse der Menschen erregt hat. Kinder flochten daraus Kränze. Bei den Großmüttern waren die getrockneten Sträuße als Winterzier beliebt. Weniger angetan waren die Bauern. Ihnen zeigte die Pflanze karge, trockene und unfruchtbare Bodenverhältnisse an. In der Tat ist das Zittergras nur auf sonnigen, (kalk-) stein- und felshaltigen Untergründen ohne Baumbewuchs zu Hause. Von Fachleuten und Umweltschützern werden solche Biotopgegebenheiten heute "Mager- und/oder (Halb-) Trockenrasen" genannt. Früher, als es hierzulande noch zahllose Steinkuhlen, Abraumhalden und Hangabtragungen entlang der Autobahntrasse gab, war auch das Zitterkraut in großen Mengen und an vielen unterschiedlichen Stellen und Standorten zu finden. Doch das hat sich - mit der zunehmenden Humusbildung und "Verbuschung" und/oder landwirtschaftlichen Nutzung dieser Ecken - verändert. Heute ist das Zittergras im Schaumburger Land selten geworden. Einer der wenigen zusammenhängenden Bestände ist nur noch im "Bergkamp" oberhalb von Luhden anzutreffen. Dort ist vom Landkreis Schaumburg bereits vor rund 20 Jahren eine kleine, gerade mal zwei Hektar große Halbtrockenrasenfläche als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden. Die ursprüngliche Biotopsituation wird durch regelmäßiges "Ausräumen" der nachwachsenden Büsche und Bäume aufrechterhalten. "Nur so kann hier zum Beispiel der letzte Schaumburger Enzian-Bestandüberleben", erläutert Dr. Jochen Beug vom Kreisnaturschutzamt in Stadthagen. Als weitere gefährdete und hierzulande äußerst selten gewordene Pflanzenart seien im Bergkamp außerdem noch Knabenkraut-Orchideen zu Hause. In den vergangenen Wochen hat auf dem steinigen Gelände oberhalb von Luhden das Zittergras die Szene beherrscht - und das auf eindrucksvolle und ganz und gar unverwechselbare Art und Weise, wie das vor kurzem entstandene Foto beweist ...

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare