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Wegen Orkan "Kyrill" von Donnerstag bis Freitag mehr als 600 Einsätze im Landkreis

Feuerwehren kämpfen "an allen Fronten"

Stadthagen/Landkreis (jl). Die Schäden sind noch nicht in Euro und Cent berechnet, klar ist aber, dass der Orkan "Kyrill" vor allem für die freiwilligen Feuerwehren im Kreis Schaumburg eine Riesenherausforderung gewesen ist. Stellenweise waren die Rettungskräfte noch gestern Nachmittag im Einsatz, um die gröbsten Schäden oder Hindernisse zu beseitigen. Auf mehr als 600 Einsätze kommt die vorläufige Bilanz der Rettungsleitstelle des Landkreises. Es gab nach Angaben von Landkreis-Sprecher Klaus Heimann zeitweise Einsätze "an allen Fronten".

Rund einen Hektar Nadelwald hat der Orkan an der Forststraße in

Allein das Einsatzpensum der Stadthäger Ortsfeuerwehr macht bereits deutlich, was "Kyrill" den Ehrenamtlichen abgefordert hat: Es hat am Donnerstag gegen 17 Uhr mit einem ungewöhnlichen und nach Andeutungen von Ortsbrandmeister Rainer Pflugradt wohl ziemlich nervigen Einsatz begonnen. Die Rettungskräfte mussten einer Katze mehr als eine Stunde lang zureden, einen Baum zu verlassen, auf dem Stubentiger bereits seit zwei Tagen gehockt hatte. Umfallende Bäumen en masse hielten allein bis zu 60 Feuerwehrleute in der Kernstadt bis in die frühen Morgenstunden auf Trab. Den wohl größten Schaden in der Kreisstadt hat nach Pflugradts Angaben eine stattliche Tanne von 20 Metern Höhe angerichtet. Der Nadelbaum ist auf einem Grundstück an der Westernstraße auf das Haus gekracht und hat den Dachstuhl beschädigt. Nicht nur das: Als "Kyrill" gegen 21 Uhr zu voller Wucht auflief, tat sich nicht nur für Pflugradt und Kameraden eine weitere Front auf. Der Rettungsleitstelle wurden von diesem Zeitpunkt an sozusagen am laufenden Meter Probleme mit voll- und überlaufenden Bächen und zum Teil auch Straßen und Keller gemeldet. Der einzige Bach, der das Ufer überschritten hat, ist nach Heimanns Angaben die Bornau in Probsthagen gewesen. Dramatisch war die Lage auch auf der Exterinsel in Exten. Dort war das THW beim Kampf gegen die Fluten im Einsatz. Der Bereich um die Probsthäger Kirche war Schauplatz einer der Wassereinsätze der Feuerwehrleute aus Stadthagen. In der Kernstadt schwappten die nassen Begleiter von "Kyrill" zeitweilig im Bereich der Oberntorstraße/St. Annen, der Rodenberger Straße sowie am Georgschacht. Die Spätfolgen hielten Einsatzkräfte und Hausbesitzer noch gestern auf Trab. Während Pflugradt telefonisch eine vorläufige Bilanz von bis dato 40 Einsatzen zog, war die Tagschicht der Freiwilligen just dabei, einen Keller im Stadthäger Villenviertel auszupumpen. Noch einmal Rückblende auf den turbulenten Donnerstagabend mit dem Fokus auf die Rettungsleitstelle: Dort haben an diesem Abend acht Mitarbeiter die Telefone bedient. Zeitweilig sind die Leitungen laut Heimann überlastet gewesen. Anrufer hätten viel Geduld aufbringen müssen. Als "Kyrill" seine volle Wucht zu entfalten begann, haben Leitstellenchef Rolf Hartmann und dessen Kollegen nicht mehr jeden Einsatzauftrag einzeln an die betreffende Feuerwehr weiter gegeben, sondern gleich "Pakete" gepackt, so dass die Ortswehren mehrere Aufträge nacheinander abzuarbeiten hatten. Eine Bilanz konnte gestern noch nicht gezogen werden, weil die Einsätze am Tag danach kein Ende nehmen wollten. Die Zahl 600 Einsätze dürfte laut Heimann deutlich überschritten worden sein.

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