weather-image

Feuerwehr listet Ausrüstung, Risiken und Personal auf

BAD MÜNDER. Daten, Daten, Daten. In der Kernstadt und den Ortsteilen wird derzeit gemessen, gezählt, zusammengestellt, was unter den Oberbegriff Feuerwehr fällt. Seit Wochen ist die Verwaltung mit Unterstützung der Feuerwehr damit befasst, das Material für die Erstellung eines Feuerwehrbedarfsplanes zusammenzustellen.

Gefahrenpotenziale wie die Bahnstrecke oder große Industrieanlagen, Feuerwehrgerätehäuser, Ausrüstungen und Fahrzeuge stehen wie das Personal im Mittelpunkt der Erhebungen. FOTOS: Rathmann
Jens

Autor

Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Diesem Plan wird große Bedeutung zugemessen, soll er doch die Grundlage für die Feuerwehrarbeit in den nächsten Jahren bilden. Ein Projekt, für das sich die Stadt Experten aus Hamburg mit ins Boot geholt hat: Nach einem Beschluss des Verwaltungsausschusses beauftragte die Stadt das Unternehmen BBS Gefahrenabwehrplanung mit der Erstellung des Bedarfsplanes. Seit Juli befassen sich die Ingenieure mit der Situation in Bad Münder, parallel dazu haben auch die Feuerwehren mit der Bestandserfassung begonnen. Und die hat es wirklich in sich, denn am Ende soll detailliert abzulesen sein, wo Bad Münder in Sache Feuerwehr tatsächlich steht.

Allein im Bereich Personal ist diese Aufgabe schon umfangreich: Alle rund 350 Freiwilligen der 16 Ortswehren im Stadtgebiet werden detailliert befragt: Welche Ausbildung haben sie, welche Qualifikation zum Umgang mit Geräten und Fahrzeugen. Auch Privates wird abgefragt: Wer arbeitet wann wo, wer steht der Wehr auch tagsüber während der Arbeitszeit zur Verfügung, wer wohnt wie weit entfernt vom Feuerwehrgerätehaus. All diese Faktoren fließen in Analysen ein, die letztlich das Bild der Einsatzfähigkeit einer Feuerwehr zu unterschiedlichen Zeiten spiegeln.

„Mit dieser Auswertung sind wir fast durch. Die Rückläufe der Kameraden sind zum großen Teil da – nicht selbstverständlich, schließlich geht es ja auch um sehr persönliche Daten“, erklärt Stadtbrandmeister Carsten Koch. Wenn er derzeit nicht nur häufiger mit den Ortsbrandmeistern und seinen Stellvertretern, sondern auch mit Verwaltungsvorstand Markus Westphal zusammensitzt, dann hängt das nicht zuletzt mit dem Feuerwehrbedarfsplan zusammen. In der Verwaltung koordiniert Westphal das Projekt. „Der Plan ist so etwas wie die Klammer um alles“, sagt Westphal. Allen Beteiligten sei dabei bewusst, dass sich aus dem Bedarfsplan weitreichende Konsequenzen ergeben können. Schließlich gehe es darum, das Risiko abzubilden – und sich entsprechend aufzustellen.

Zu diesem „Aufstellen“ gehört die genaue Kenntnis über die Gegebenheiten. Besondere Gefahrenpunkte wie Tankstellen und der Bahnhof, sensible Einrichtungen wie Krankenhäuser und Seniorenheime, Schulen und Kindergärten werden herausgearbeitet. Das Bild der Stadt soll so umfassend wie möglich gezeichnet werden, aus diesem Grund sind Feuerwehrkräfte jede Straße im Stadtgebiet abgefahren, haben aufgelistet, welche Gebäude mit welchen Besonderheiten wie Höhe oder Gefährdungspotenzial wo stehen. Eine Frage dabei: Ist zur Rettung von Personen noch eine vierteilige Steckleiter ausreichend oder muss die Drehleiter eingesetzt werden? „So ein Verzeichnis hat es bislang nicht gegeben, das ist komplett neu“, sagt Koch.

Auch die Gerätehäuser und die Ausrüstung werden genau unter die Lupe genommen, dazu verschaffen sich die Hamburger Experten auch eigene Eindrücke vor Ort. Mit der Wahl des Unternehmens sind Westphal und Koch sehr zufrieden. „Die wissen ganz genau, was sie tun und worauf es ankommt“, lobt Koch. Westphal gibt das Lob an die Feuerwehr weiter: Sehr engagiert und mit konstruktiven Beiträgen unterstütze die das Vorhaben.

Zu den besonders zeitintensiven Arbeiten zählt beispielsweise die Aufarbeitung der Einsätze im Stadtgebiet der vergangene fünf Jahre: Welche Fahrzeuge, welche Einsatzkräfte waren in welcher Zeit vor Ort, welche Ausrüstung wurde eingesetzt, welche Maßnahmen waren notwendig. „Das alles dauert viele Stunden und passiert parallel zum ganz normalen Feuerwehralltag“, so Koch.

Westphal setzt aber ganz bewusst auf Genauigkeit. „Natürlich ist das ein langer, mühsamer Prozess. Aber alles baut auf den grundsätzlichen Daten auf – wenn wir die nicht vernünftig abarbeiten, erhalten wir auch ungenaue Ergebnisse. Dabei ist jeder Schritt wichtig und bringt uns weiter.“

Ein Aspekt, der im Bedarfsplan ebenfalls eine große Rolle spielen wird, ist der der Fahrzeugverteilung. Koch geht es dabei auch darum, ob vorhandene Fahrzeuge wie die verbreiteten Tanklöschfahrzeuge TLF 8/18 heute noch zeitgemäß seien. Investitionen in den Fahrzeugpark der Feuerwehr werden künftig auch von den Vorgaben im Feuerwehrbedarfsplan abhängen.

Bis Ende November soll die Datenerhebung dafür abgeschlossen sein, im Sommer kommenden Jahres der Plan dann vorliegen. Die Beschlüsse dazu sollen dann in der Politik so gefällt werden können, dass die Ergebnisse des Bedarfsplanes in die Haushaltsberatung für das Jahr 2018 einfließen können.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt