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Serie von Fehlalarmen reißt nicht ab / "Die Feuerwehr kann man nicht einfach wieder abbestellen"

Feuermelder mögen weder Staub noch Dampf

Rinteln (wm). Kaum ein Tag, an dem zurzeit nicht die Feuerwehr mit Sirenengeheul durch die Straßen fährt - meist ist es Fehlalarm. Begonnen hat die Serie am 14. Juli, die letzten beiden Fehlalarme sind am Mittwoch im Toom-Baumarkt und am Donnerstag im Berufsschulzentrum an der Burgfeldsweide ausgelöst worden.

Nicht nur Rintelns Bürger, die vom Sirenengeheul aufgeschreckt werden, sind entnervt, auch die Feuerwehrleute stressen die häufigen Fehlalarme: 19 hat es bisher insgesamt in diesem Jahr gegeben. In der Mehrzahl sind die Alarmmeldungen von automatischen Anlagen ausgelöst worden. Dann habe die Feuerwehr keine Wahl, schilderte Ortsbrandmeister Thomas Blaue gestern in einem Gespräch: "Sie muss ausrücken, selbst wenn man schon anhand der Adresse ahnt, das kann nur wieder ein Fehlalarm sein - aber sicher ist nichts, es könnte ja diesmal tatsächlich der Ernstfall sein." Wie im Marktkauf, wo im März eine Kassenanlage brannte - der Markt wäre jetzt geschlossen. Oder im Möbelmarkt "Avanti", wo an Silvester ein Verteilerkasten schmorte. Blaue: "Wären wir da nicht schnell ausgerückt, wäre das Möbelhaus gebrannt." Das Problem: Selbst wenn die Mitarbeiter vor Ort sich eigentlich sicher sind, das kann nur ein Fehlalarm sein, können sie nicht einfach die Feuerwehr "wieder abbestellen". Dass es tatsächlich ein Fehlalarm ist, darf nämlich nur die Feuerwehr selbst vor Ort feststellen. Mit gutem Grund, denn das System hat seine Tücken: In einem Zentrallager im Industriegebiet Süd ist vor Jahren von Handwerkern geschweißt worden, prompt hat der automatische Feuermelder Alarm ausgelöst - Fehlalarm so schien es. Blaue: "Als wir vor Ort waren, hat sich gezeigt, ausgelöst hatte ein Brandmelder in einem Kühlraum - weit weg von den Schweißarbeiten. Das hätte in die Hose gehen können." Brandmelder reagieren auf Hitze und alles, was den Melder vernebelt, also neben Rauch auch starke Staubentwicklung wie beispielsweise bei Schleifarbeiten oder Wasserdampf. So waren es im Berufsschulzentrum Reinigungsarbeiten, die Alarm ausgelöst haben, in der Lebenshilfe vermutlich eine heiße Dusche. Auch wer (verbotenerweise) in einem Krankenzimmer direkt unter dem Sensor raucht, darf sich nicht wundern, wenn plötzlich die Feuerwehr durch die Tür hereinstürmt. Schweißarbeiten lassen sich in Industriebetrieben nicht vermeiden - aber in der Zeit kann man ja Brandmelder in unmittelbarer Nähe ausschalten. Anders in Küchen, da ist das schlecht möglich, denn da ist immer Betrieb. Es würde also jedes Mal Alarm ausgelöst, wenn der Koch die Tür des heißen Pizzaofens aufmacht. Gelöst hat die Feuerwehr das Dilemma, indem in solchen Bereichen mindestens zwei Brandmelder, die ein paar Meter voneinander entfernt sind, aktiv reagieren müssen, ehe Alarm ausgelöst wird. Und dann gibt es noch unvorsichtige Gabelstaplerfahrer, die eine Sprinklerleitung abreißen. Die Meldeanlage registriert Unterdruck im Löschsystem und schon rollt die Feuerwehr an. Lässt sich, wie in manchen Fällen, beim besten Willen nicht orten, was oder wer den automatischen Alarm ausgelöst hat, wird ein Elektronotdienst per Handy gerufen, um die Störung ausfindig zu machen und zu beseitigen. Unternehmen, bei denen ein Fehlalarm ausgelöst hat, bekommen später eine Rechnung von der Stadt: 250 Euro sind pro Fehlalarm fällig. Davon sieht der einzelne Feuerwehrmann keinen Cent - im Gegenteil, den Sprit für die 15 Kilometer von der Nordstadt zur Feuerwehrzentrale am Seetor und zurück muss er aus eigener Tasche bezahlen. Geld vonder Stadt erhält nur der Arbeitgeber, die sogenannten Lohnersatzkosten, wenn der Feuerwehrmann während der Arbeitszeit zum Einsatz gerufen wird. Geht tagsüber ein Alarm ein, wird grundsätzlich die ganze Wehr alarmiert - es können sowieso nicht alle kommen, viele sind beruflich unterwegs, zu weit weg oder sonst unabkömmlich, aber so hat Blaue zumindest die Garantie, dass ein Löschzug besetzt werden kann. Weil jede Alarmfahrt, dieüber Kreuzungen und rote Ampel geht, nicht ungefährlich ist, wird den Feuerwehrleuten auf ihren Meldern mitgeteilt, was los ist. Gilt es nur eine Ölspur zu beseitigen, muss man keine zusätzlichen Risiken eingehen - anders als bei einem Alarm in einem Krankenhaus, wo jede Minute zählt. Und auchdie Tageszeit spielt eine Rolle: Tagsüber wird die Feuerwehr bei einem Alarm in einer Schule im Höchsttempo anrücken - am Abend, nach Schulschluss, wenn keine Menschen in Gefahr sind, muss es nicht Vollgas sein. Und dann gibt es Alarme, die ärgerlich sind: Wenn beispielsweise, wie jüngst, ein Papierkorb brennt, den man auch mit einem Eimer Wasser hätte löschen können. Selbstverständlich, betont Blaue ausdrücklich, sollte immer die Feuerwehr gerufen werden, wenn das Risiko besteht, dass die Flammen auf ein Haus, eine Garage übergreifen könnten - aber mit einer Portion gesundem Menschenverstand lasse sich die Lage schon abschätzen.




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