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Jubiläum der Denkmalsenthüllung / Geballte Informationen über Johann Gottfried Herder

Festakt für Bückeburgs berühmten "Gastarbeiter"

Bückeburg (bus). Mit einer zweieinhalbstündigen Veranstaltung, die von den Gästen gleichermaßen als bemerkenswert kurzweilig wie hochinformativ gelobt wurde, hat die Kirchengemeinde Bückeburg am Sonnabend an die Errichtung des Herder-Denkmals erinnert. Das vom Berliner Bildhauer Professor Arthur Schulz geschaffene Standbild war im Mai 1908 unter allerhand pompösen Umständen im Schatten der Stadtkirche enthüllt worden. Ganz so viel Pomp wie seinerzeit hatte das Jubiläum nicht zu bieten. Dessen ungeachtet wies die Feier eine durchaus hochkarätig besetzte Rednerliste auf.

Um Kurzweil und Information kümmerten sich (in der Reihe ihrer Auftritte) Landesbischof Jürgen Johannesdotter, Professorin Edith Schönbeck, Ex-Landtagspräsident Jürgen Gansäuer, Pastor i. R. Hans-Peter Fiebig und Dr. Wolfgang Vonscheidt in seiner Funktion als Vorsitzender des Schaumburg-Lippischen Heimatvereins. Die musikalische Umrahmung übernahmen Kantor Siebelt Meier und der Chor der Schaumburger Märchensänger. Johannesdotter, sozusagen der Amtsnachfolger des von 1771 bis 1776 in Bückeburg engagierten Theologen, Philosophen und Schriftstellers Johann Gottfried Herder, legte sein Hauptaugenmerk auf das theologische Wirken der Geistesgröße. Der Landesbischof verdeutlichte Herders Intentionen an einer im Original erhaltenen Predigt über die acht Seligpreisungen ("... selig sind, die da geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr"), in der der damalige Oberprediger seiner Gemeinde Jesus ("... bedient sich einfältigster Ausdrucksweise") als Mann des Volkes nahebringt. Den Stadtkirchenteil der Veranstaltung beschloss ein ebenfalls in der Urschrift vorliegendes Gebet Herders. Zu Füßen des Denkmals erinnerte Schönbeck an die Verdienste von Bückeburgs wohl berühmtestem Gastarbeiter um das volkstümliche Liedgut. "Vergessen wir nicht, dass Herders Charakter von Volksverbundenheit und Volksnähe geprägt war", betonte die Professorin. Im Gemeindesaal kamen Details aus der Vita des späteren Weimarers zur Sprache. Gansäuer steuerte, wegen der zuvor bereits gebotenen Informationsvielfalt auf sein Manuskript verzichtend, einige Aspekte der Zeitgeschichte bei. "Man kann Herder nur gerecht werden, wenn man ihn in seine Zeit stellt", unterstrich der frühere Präsident des Niedersächsischen Landtags, der zudem die Rolle des Denkers als Freimaurer (Loge "Zum Schwert") beleuchtete. Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts hatte die Loge "Hermine zu Treue" erheblichen Anteil an der Umsetzung der Standbild-Idee; am Sonnabend besuchten Mitglieder mehrerer Logen das Denkmalsjubiläum. Fiebig schilderte in einem "sehr lebendigen Festvortrag" (Johannesdotter) den "sprachlich nicht zimperlichen" Prediger aus gleich zehn unterschiedlichen Blickrichtungen. Die Facettenpalette reichte vom regen Liebesbriefverkehr zwischen Johann Gottfried und seiner großen Liebe Karoline Flachsland, die er am 2. Mai 1773 heiratete - 115 Schreiben er an sie, 83 Antworten retour -über finanzielle Unwuchten im gemeinsamen Haushalt - er konnte mit Geld nicht fertig werden, Karoline hielt es zusammen - bis zur vorletzten Amtshandlung, der Beerdigung von Landesmutter Gräfin Marie Barbara. Vonscheidt verzichtete mit Bedacht auf die bis dato erlebte Aufklärungswucht auf die Vermittlung zusätzlicher Erkenntnisse und überreichte Johannesdotter ein Fotodokument der Einweihungsfeier. "Er war und ist unser", hatte der Festredner seinerzeit ausgerufen. "Wir können stolz darauf sein, dass Herder fünf Jahre hier gelebt und ein Werk hinterlassen hat, das uns auch heute noch erfreut", fasste Gansäuer die einhundert Jahre später allgemein akzeptierte Einschätzung zusammen. Herder selbst, dem rund um die Stadtkirche, anders als den Teilnehmern des aktuellen Festaktes, nicht nur eitel Sonnenschein begegnet war, bezeichnete seine Bückeburger Jahremit einigem zeitlichen Abstand als "recht köstlich an Arbeit und Freude".




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