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Vortrag von Dr. Johannes Schwarte lässt Weggefährten Friedrich Muckermanns zu Wort kommen

Fernab von Engherzigkeit im Strom des Lebens

Bückeburg (bus). Der Bückeburger Widerständler Friedrich Muckermann ist Gegenstand eines Vortrags gewesen, den der Münsteraner Experte Dr. Johannes Schwarte auf Einladung der Katholischen Kirchengemeinde Bückeburg und der Herderschule gehalten hat. Schwarte fügte dem durchgängig bekannten Muckermann-Bild einige interessante Details hinzu, indem er Freunde und Weggefährten des katholischen Geistlichen zu Wort kommen ließ.

"Ich setze voraus, dass der große Sohn Ihrer Stadt für Sie kein Unbekannter ist", erläuterte der Referent seiner Vorgehensweise. Als ersten Weggefährten zitierte Schwarte den österreichischen Professor Otto Forst de Battaglia, der dem Ordenspriester "unvergleichliche Rednergabe, vollendete Diktion und Ideenreichtum" bescheinigte, womit er "Gläubige und Ungläubige, Schwankende und Gleichgültige ins Gotteshaus gelockt" habe. Forst de Battaglia weiter: "Hoch und aufrecht stand er da, an Gestalt ein herrliches Bild der Kraft, im Geiste ein Führer seiner Zeit und seiner Zeitgenossen." Gott habe ihm außerordentliche Gaben geschenkt, die nicht häufig in einem Menschen vereint sind. Und: "Der schönen Hülle entsprach der schönere Kern." "Über ihn sprachen in Liebe und Verehrung Protestanten, die keinem Jesuiten trauten, Freimauer, die vollgestopft mit antiklerikalem Gedankenballast waren, zionistische Juden sowie Polen, denen kaum ein Deutscher, und Kommunisten, denen kein Bourgeois und vor allem kein Pfaffe anders denn hassenswert schien", schrieb der Österreicher. Den Schweizer Journalisten Karl Wiek zitierte Schwarte mit der Bemerkung: "Fernab von jeder geistigen Engherzigkeit, die immer ein Zeichen geistiger Schwäche und geistiger Unsicherheit ist, stellte sich Muckermann mitten in den Strom des Lebens, reagierte auf jede geistige Strömung der Zeit, die er in großartigen Analysen und Kritiken subspecie aeternitatis (unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit) beurteilte." Weitere Perspektiven in Schwartes Vortrag lenkten den Blick auf die Aspekte unverbrüchliche Glaubensgewissheit, Weltengagement, geistige Weite und politischer Kampf. Muckermann stufte die Ideologien Bolschewismus und Nationalsozialismus wegen ihrer Menschenfeindlichkeit als gleich gefährlich ein. "Man braucht kein scharfer Beobachter zu sein, um zu sehen, was diese Revolution eigentlich will. Das Wider Gott ist ihre innerste Seele, ihr eigentliches Ziel", ließ Schwarte den Widerständler zum Thema Bolschewismus selbst zu Wort kommen. Über den Nationalsozialismus, deren Vorläufer in der so genannten völkischen Bewegung er anfänglich als "Wotansleute" bezeichnete, notierte Muckermann, dass sie eine Bild- und Gedankenwelt in die Jugend hineintrügen, "die jegliches Christentum im Keime ersticken" müsse. Im Abschnitt "geistige Weite" stellte Schwarte die Toleranz des Bückeburgers im Umgang mit Andersdenkenden und dessen Aufgeschlossenheit für neue Fragen und Problemstellungen heraus. "Muckermann kannte keine Berührungsängste im Umgang mit Menschen anderer Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen." Er habe im Ruf eines überaus offenen, toleranten und menschenfreundlichen Gesprächspartners gestanden, den viele kennenlernen und hören wollten. Schwarte: "Dass etliche seiner Gesprächspartner später Christen wurden, sei nur beiläufig erwähnt."




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