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Vom Aussterben bedroht - Experten rätseln, warum / Schwieriger Artenschutz: Landkreis belohnt hamstergerechten Ackerbau mit Fördergeld

Feldhamster zählt zu Sorgenkindern der Tierwelt in Schaumburg

Landkreis (mw). Der Feldhamster zählt zu den Sorgenkindern der Tierwelt im Landkreis Schaumburg. Insbesondere durch die moderne Landwirtschaft ist die Art mittlerweile an den Rand des Aussterbens gedrängt worden. In Kooperation mit einigen Landwirten versucht die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises, die Lebensbedingungen der kleinen Nager zu verbessern, um deren Überleben zu sichern.

Schlechte Zeiten für den Feldhamster. "Im Landkreis Schaumburg ist er akut vom Aussterben bedroht", zeigt sich Jochen Beug, Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde besorgt. Auf gerade mal ein Exemplar pro zehn Hektar Ackerfläche schätzt er den Bestand der einzelgängerisch lebenden Nager (ausgehend von in denJahren 2003/2004 kartierten Hamsterbauen). Eine vitale Hamsterpopulation bestünde dagegen aus mindestens 20 bis 30 Tieren je Hektar, weiß Beug. Warum es um die bundesweit als "stark gefährdet" eingestufte Art so schlecht bestellt ist, das ist laut Beug die unter Experten "am meisten diskutierte Frage". Der "Lehrmeinung" nach ist für den Bestandsrückgang in erster Linie die zu großflächig und industriell gewordene Landwirtschaft verantwortlich. So werden den Feldhamstern etwadurch die "effiziente Bearbeitung der Felder in kurzer Zeit" die Nahrungsgrundlage und Deckungsmöglichkeiten entzogen. Zudem fehlen in der ausgeräumten Kulturlandschaft naturbelassene Feldsäume. Weitere Aspekte sind aber auch der Straßenverkehr als Todesursache ("leider sehr häufig") und das Überbauen von Hamsterbiotopen. Das Tragische an dieser Entwicklung: "Es ist keine Tierart, die schwer zu schützen ist", erklärt Beug. Denn die kleinen Säuger weisen eine hohe Vermehrungsrate auf, wenn ein geeigneter Lebensraum vorhanden ist. Aber: "Wo Hamster sind, da sind auch die besten Ackererträge - das beißt sich etwas." So liegen denn auch die Vorkommen der letzten Schaumburger Feldhamster in Bereichen mit tiefgründigen, guten Böden, wie sie unter anderem bei Waltringshausen, Riehe und Kreuzriehe zu finden sind. Bereits 2004 hat der Landkreis Schaumburg nach Auskunft von Beug ein Förderprogramm mit einem jährlichen Budget von 3000 Euro aufgelegt, um für die Hamster quasi Boden wettzumachen. Hierzu hat die Verwaltung einige Landwirte unter Vertrag, die ihre Felder hamsterfreundlich bewirtschaften. Die Vorgaben: Auf den ausgewählten Flächen muss Getreide angebaut werden und dürfen keine Nagetiergifte ausgebracht werden. Ein Getreidestreifen (beispielsweise fünf bis zehn Meter Breite und rund 100 Meter Länge) wird erst Mitte Oktober abgemäht. Das Stoppelfeld auf dem abgeernteten Ackerteil bleibt mindestens 14 Tage stehen. Und gepflügt werden darf nur maximal 25 Zentimeter tief. "Das ist das schwierigste Programm, das wir hier laufen haben", berichtet Beug, und verweist exemplarisch auf die aus agrarökonomischen Gründen beim Ackerbau einzuhaltende Fruchtfolge. Die Bereitschaft der Landwirte, das Naturschutzprojekt zu unterstützen, sei indes gegeben, freut sich der Biologe. Was die Belange der Feldhamster anbelangt, geht der Landkreis Schaumburg offensichtlich mit gutem Beispiel voran. So wurde laut Beug bei den Planungen für den Ausbau der Bundesstraße 65 über das in diesem Zusammenhang tätige Ingenieurbüro ein externer Säugetierfachmann beauftragt, um "sehr akribisch" nach möglicherweise betroffenen Hamsterbauen zu suchen. Einen Bau habe man dabei zwar gefunden, dieser lag jedoch weit genug vom Ausbaubereichentfernt.




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