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Referent Gebauer: "Das Ding wird immer komplizierter" / Mense: "Mir schwirrt der Kopf"

FDP ergründet das Wesen sozialer Gerechtigkeit

Bückeburg (bus). Die Schaumburger FDP hat im Rahmen einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung im Hotel/Restaurant "Ambiente" versucht, dem Wesen der "sozialen Gerechtigkeit" auf die Spur zu kommen. Als Spürhund fungierte Carlos A. Gebauer (Düsseldorf), der zahlreichen Zuschauern als Strafverteidiger in der RTL-Sendung "Das Strafgericht" bekannt ist. "Das Ding wird immer komplizierter", stellte der praktizierende Jurist im letzten Drittel seiner Ausführungen fest. Was nicht wunder nahm, da er zu Beginn des Abends den tief greifenden philosophischen Charakter der Thematik be tont hatte.

Carlos A. Gebauer, zu Gast bei der FDP.

"Mir schwirrt der Kopf", gab denn auch Gastgeber und FDP-Kreischef Paul Egon Mense, der dem Referent einen "teilweise illustren Vortrag mit Einschlag ins Kaba- rettistische" attestierte, gleich zweimal zu verstehen. Gebauer hatte die Fährte der sozialen Gerechtigkeit bis zu den "alten Griechen" zurückverfolgt. Sein historischer Exkurs führte von Platon über Friedrich Nietzsche und Wladimir Iljitsch Lenin, über ungarische Orangenpflanzer am Balaton und die Zeugen Jehovas bis zu Blutgrätschen im aktuellen deutschen Sozialgesetzbuch. Den wichtigsten geschichtlichen Einschnitt habe, klärte der Lehrbeauftragter für Sozialrecht auf, die Französische Revolution dargestellt, in deren Anschluss "das Paradies vom Jenseits ins Diesseits gezogen" wurde. Wichtigster Akteur sei "Kollege" Lenin gewesen, der "als Ersatz für das Paradies im Jenseits das irdische Heilsversprechen" einführte. Gebauer erregte die Aufmerksamkeit der etwa zwei Dutzend zählenden Zuhörerschaft nicht zuletzt durch die Manier seiner Erkenntnisvermittlung. Der stellvertretende NRW- Landesvorsitzende der Vereinigung Liberaler Juristen dozierte nicht etwa vom Vorstandstisch aus sondern gesellte sich - aufrecht umherwandelnd - zum Publikum. Zumeist eine Hand in der Tasche, mitunter mit weit ausholender Gestik, bisweilen flüsternd, mal mit gespanntem Buckel ein anderes Mal mit aufstapfendem Fuß brachte er seine Auffassungen unters liberale Volk. Dass ihm zunächst heftiges Geschirr- und Besteckklappern offensichtlich Hungers darbender Teilnehmer entgegen klang, brachte ihn augenscheinlich nicht besonders aus der Fassung. Darüber hinaus weckte er das Interesse des Auditoriums mittels zahlreicher Thesen und Behauptungen. Kleine Auswahl: "Staatliche Preiskontrollen führen immer in den Wahnsinn; der Staat schenkt dir nichts, er versorgt dich mit Raubgut von anderen; Paradies funktioniert nur, wenn man mich nach meinem Willen fragt". Die Gastgeber kamen nicht ungeschoren davon. Die FDP - Gebauer: "Die elenden Typen von der Fünf-Prozent-Hürde" - sei "völlig unfähig, die eigenen Philosophien richtig zu erklären und zu verkaufen", schrieb der Referent den Liberalen ins Stammbuch. Der Rechtsanwalt und Autor diverser Veröffentlichungen hatte indes auch Tipps parat. "Uns treibt in erster Linie die Bequemlichkeit", führte Gebauer aus. Politiker, die den bequemen Weg versprächen, hätten immer die Nase vorn. Die Austarierung des Diskussionsgegenstandes gelang schließlich an einem Beispiel aus dem Sport: Falls beieinem Wettrennen dem vermeintlich Langsamsten 20 Meter Vorsprung gewährt wird, sodass (theoretisch) am Ende alle Läufer das Ziel gleichzeitig erreichen, sei das zwar im eigentlichen Sinne nicht gerecht, aber eben "sozial gerecht".Bildunterschrift:



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