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„Falsche Polizisten“: Gerichtssaal gleicht Festung

BAD MÜNDER /HANNOVER. Das Landgericht Hannover glich am Freitag einer Festung. Polizei-Transporter vor dem Gebäude, Personen- und Taschenkontrollen, Metalldetektoren, Schutzhunde in Bereitschaft – die Sicherheitsvorkehrungen waren streng.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen - Justizbeamte bewachen die beiden Angeklagten. Foto: Behmann
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Britta Schlingmann, Vorsitzende Richterin der 12. Großen Strafkammer, hatte sogar das Einsatzteam Niedersachsen der Justiz angefordert, um während der Verhandlung um sieben mutmaßliche Mitglieder einer Bande, die sich zusammengeschlossen haben soll, um auch in Bad Münder Einbrüche, Raubüberfälle und Trickbetrügereien als falsche Polizisten zu begehen, keine unliebsamen Überraschungen zu erleben.

Zwei Staatsanwälte waren gekommen, um die 17 Seiten umfassende Anklageschrift zu verlesen. Es gehe um ein Verfahren aus der OK-Abteilung, sagte Staatsanwältin Dr. Fröhlich. OK – das steht für organisierte Kriminalität. Banden- und gewerbsmäßig sollen sechs Männer und eine Frau vorgegangen sein, um vornehmlich ältere Menschen zu täuschen und um ihre Ersparnisse zu bringen. Die Anrufer, die sich als Polizisten aus Hameln oder als BKA-Beamte ausgaben, sollen viel Fantasie bewiesen haben, wenn es darum ging, an das Geld von gutgläubigen Senioren zu kommen. Eine 79 Jahre alte Frau verlor auf einen Schlag 172 000 Euro, ein Senior deponierte Geld und Gold im Wert von 130 000 Euro in einem Mülleimer. Der Schaden, den die Bande bei den 22 Taten, die angeklagt worden sind, angerichtet hat, soll sich auf mehr als 700 000 Euro belaufen. Der Gesamtschaden dürfte aber weitaus höher sein. Davon sind sogar die Verteidiger der Beschuldigten überzeugt. Der Prozess wird sich vermutlich über mehrere Monate hinziehen. Mit Farhad B. (34), Ibrahim S. (30), Ahmad K. (23), Basim K. (33), Mesut A. (28), Mehmet A. (30) und Mirwet S. (29) sitzen sogenannte „Logistiker“ – die die Betrügereien vor Ort vorbereiten und steuern – und „Abholer“ auf der Anklagebank. Nach Erkenntnissen der Ermittler gibt es weitere Bandenmitglieder, vor allem aber auch Hintermänner, die in Bremen und in der Türkei leben und von dort aus operieren. Einige sind namentlich bekannt und würden „gesondert verfolgt“. Manche werden womöglich nie gefasst.

Staatsanwältin Dr. Fröhlich und Staatsanwalt Laurin machten schon während der Verlesung der Anklage deutlich, dass der Staat im Falle einer rechtskräftigen Verurteilung das Vermögen der Angeklagten einziehen möchte – und zwar in der Höhe „des Wertes des Taterlangten“, wie es heißt. Allein Ahmad K. soll nach Meinung der Strafverfolgungsbehörde 458 764 Euro „einkassiert“ haben. Von dem mutmaßlichen Logistiker Farhad B. würde man gern 182 000 Euro einziehen, sagte die Staatsanwältin.



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