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Namhafte Reformpädagogen berichten aus ihrer Erfahrung

Experimente mit "Entschulung"

Stadthagen (lmh). Mit zwei großen Namen der Pädagogik hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zur Feier ihres 60-jährigen Bestehens am Montag in Stadthagen aufwarten können: Hartmut von Hentig, Gründer der Laborschule in Bielefeld, und der Tübinger Pädagogikprofessor Ulrich Herrmann nahmen in der "Alten Polizei" auf dem Podium Platz.

"Wir haben bewusst den Dialog gewählt", erklärte der Schaumburger GEW-Vorsitzende Friedrich Lenz. Die beiden Erziehungswissenschaftler berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen mit verschiedenen Ansätzen der Reformpädagogik. "Der Mensch darf nicht nur Lehrer sein, sondern in erster Linie auch Pädagoge", formulierte von Hentig seine Grundforderung. Nicht die Sachkenntnis sei entscheidend, sondern der Schüler müsse als ganzer Mensch gesehen und gefördert werden. Seit Jahrzehnten setzt sich der 83-jährige Reformpädagoge für die "Entschulung der Schule" ein. Besonders während der Pubertät, wenn reine Belehrung im Frontalunterricht ohnehin wenig bewirke, fordert von Hentig Alternativen zur herkömmlichen Schule. Leider scheiterten erfolgversprechende Ansätze oft an zu engen Richtlinien von Bürokratie und Rahmenplänen. Herrmann erzählte von einem Versuch, bei dem Elftklässler im Mathematikunterricht ein Thema selbstständig erarbeiten sollten. Dies sei ihnen innerhalb viel kürzerer Zeit gelungen als vom ursprünglichen Lehrplan vorgesehen. Solcherlei innovative Ansätze würden aber meist aus Angst vor Problemen mit den Richtlinien nicht an die große Glocke gehängt, und ihr Erfolg bliebe daher unbekannt. Von Hentig schlussfolgerte: "Den Stoff zu verringern, ist die gesunde Lösung. Alles andere ist falsch. Aber die Eltern werden so lange das Falsche fordern, wie sie Angst haben, dass ihr Kind sonst nichts lernt." Es sei notwendig, zu experimentieren, damit sich alternative Ansätze in der Praxis bewähren könnten.




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