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Kostenüberschreitungen in Bückeburg und Bevern zwingen Landkreise zu schnellen Entscheidungen

EWR entgeht erneut ganz knapp der Insolvenz

Bückeburg/Bevern (rc/rei). Mit einem Fuß stand EWR-Geschäftsführer Dr. Holger Rabe Mittwochmorgen schon in der Tür des Insolvenzgerichts: Neuerliche Kostenüberschreitungen auf den Baustellen in Bevern und Bückeb urg - insgesamt rund 240 000 Euro - lassen der Erlebniswelt Renaissance, deren Abwicklung zum 30. Juni beschlossene Sache ist, quasi auf den letzten Metern doch noch die Puste ausgehen. Es sei denn, die drei Gesellschafter-Landkreise genehmigen der EWR schnellstens noch einmal einen "Nachschlag" und können sich auf ihre jeweiligen Anteile an dieser Summe einigen. Und wenn nicht? "Dann können die E-Guider oder die Möbel aus dem Schloss Bevern demnächst bei ebay ersteigert werden", prophezeit Dr. Rabe.

Es ist das alte Lied mit der EWR: Kaum gibt es mal eine positive Meldung, kommt meist eine negative hinterher. Am Pfingstsonnabend zeigte sich der Geschäftsführer noch optimistisch bezüglich der Testphase der Technik und der Einrichtung des kombinierten EWR- und Tourismus-Büros im Schloss Bevern. Im Hintergrund aber brodelte es schon: Die EWR-Baukosten in Bückeburg (Landkreis Schaumburg) liegen rund 130 000 Euroüber dem Budget, die in Bevern um 110 000 Euro. Budgetüberschreitungen, die bei der Fürstlichen Hofkammer in Bückeburg nicht bekannt sind. Strittig sei eine Rechnung über 45 000 Euro, sagte Hofkammer-Chef Christian Fischer auf Anfrage. Woher der andere Teil der Summe komme, könne er nicht sagen. "Da fragen Sie die EWR." Es sei schon immer schwierig, mit EWR-Zahlen zu rechnen. Was eventuell auch an der Vertragslage zwischen EWR und Hofkammer liegt, wie Fischer einräumte. Denn einen Teil der Bückeburger EWR-Arbeiten bezahlen Hofkammer und EWR anteilig, einen anderen Teil die Hofkammer alleine. Als Beispiel nannte Fischer die Umgestaltung des Eingangsbereiches des Schlosses, wo EWR und Hofkammer je zur Hälfte Kasse und Shop bezahlen. Das neue Café-Restaurant "Alte Schlossküche" bezahlt dagegen komplett die Hofkammer. Es sei jedenfalls gesichert, dass mit dem Geld, das aus Bückeburg zur EWR fließe, nur die Arbeiten bezahlt werden, die auch in Bückeburg geleistet werden. Ansonsten wartet die Hofkammer bereits seit geraummer Zeit auf die E-Guider, um wenigstens die abgespeckte Multimedia-Führung anbieten zu können. Sie würden bereits seit drei Monaten in Hameln liegen. "Warum sie nicht geliefert werden, weiß ich nicht." Eventuell gebe es Software-Probleme, spekulierte Fischer. Bückeburg und die EWR sollte bereits mit Start der neuen Tourismussaison an den Start gehen. Hier ist es ebenfalls zu Verzögerungen gekommen. E-Guider, abgespeckte Multimedia im Gartensaal - Fürst Ernst spricht nicht mehr aus dem Bilderrahmen - Schloss-Shop, neuer Eingangsbereich und das Café sollen und müssen bis zum 30. Juni fertig sein, weil sonst kein Geld mehr zur Verfügung steht. Nach Aussage von Fischer kann zur Landpartie, die am 23. Mai beginnt, gerade einmal das neue Schlosscafé der Öffentlichkeit präsentiert werden - in Funktion ist es noch nicht. Dem EWR-Aufsichtsrat habe er in der vergangenen Woche mit Rücktritt gedroht, wenn keine klare Aussage zur Übernahme der Mehrkosten komme, berichtete EWR-Geschäftsführer Rabe weiter. Er habe daraufhin zwar positive Signale erhalten, aber konkrete Entscheidungen seien nicht gefallen. Und so habe er ein "Druckszenario" aufgebaut: Wenn sich bis Mittwochmorgen nichts tue, werde er Insolvenz anmelden. Ohne Geld bleibe ihm nichts anderes übrig, fügt er hinzu. Bis zur letzten Minute habe man verhandelt, erzählt er Mittwochnachmittag. Was bedeutet: Der Landkreis Schaumburg gibt 47 000 Euro als "Soforthilfe", der Kreis Hameln-Pyrmont 10 000 Euro. Dr. Rabe deutet die Signale aus Schaumburg positiv, rechnet dort mit einer Zahlungs-Zusage. In Holzminden dagegen - der Kreisausschuss tagt am Montag - könne es problematischer werden. Das deckt sich mit den Aussagen von Holzmindens Landrat Walter Waske. Zwar wird der Kreis eventuell die 60 000 Euro für den zusätzlichen Brandschutz in Bevern komplett aus eigener Tasche bezahlen (so sieht es die Vorlage für den Kreisausschuss vor), doch von den übrigen 50 000 Euro wolle der Kreis nur seinen prozentualen Anteil in Höhe von 15 Prozent übernehmen. Die beiden anderen Gesellschafter-Kreise Hameln und Schaumburg wollen sich daran jedoch nicht beteiligen. Für Waske ein Unding: "Die Mehrkosten von über einer Million Euro beim Hochzeitshaus haben wir ohne zu murren mitgetragen, sogar für die große Einweihungsfeier in Hameln mussten wir anteilig zahlen", erinnert Waske und fordert von den Partnern nun Solidarität. Die vermisst auch Rabe. Zwar könne er die unterschiedliche Sicht aller drei Kreise verstehen, aber hier müssten sie als Gesellschafter mit einer Stimme sprechen und sich nicht in ihren politischen Wagenburgen verkriechen. "Die glauben immer noch, dass sie bestimmen können, der Himmel sei rosa, und dann streicht Rabe den Himmel rosa an", schimpft der Geschäftsführer. Er brauche in den nächsten Tagen nicht nur positive Beschlüsse, sondern auch das Geld. Sonst steht er Montag womöglich mit beiden Füßen in der Tür des Insolvenzgerichts. Darüber hinaus sei jetzt auch wichtig, grundsätzliche Entscheidungen zu fällen. Zum Beispiel darüber, wie es nach der "Ära Rabe" weitergeht - denn der Vertrag des Geschäftsführers läuft zum 30. Juni aus, und "danach bin ich froh, wenn andere die Sache in die Hand nehmen".




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