weather-image

Eschentriebsterben: Im Süntel brechen die Bäume weg

BAD MÜNDER. Das Laub ist schon gefallen, deswegen fällt der Schaden an den Eschen im Süntel zunächst nicht auf. Doch die jetzt gefällten Bäume würden auch im Sommer kaum noch Blätter tragen. Die Triebe werden seit einigen Jahren von einem Pilz befallen, der Baum hat keine Chance zu überleben.

Aktuell wird gefällt: Praktikant Jan-Niklas Schmidt (von links), Hund Brano und Förster Siegfried Gonschorek kontrollieren den Escheneinschlag im Süntel. Bereits im August deutlich zu sehen: Das Triebsterben beginnt in den Kronen, diese Eschen sind b
dittrich

Autor

Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Förster Siegfried Gonschorek betrachtet die absterbenden Zweige schon seit Jahren. Seit 2006 bereitet der Pilz den Waldarbeitern Probleme, eingeschleppt in die heimischen Wälder wurde er aus Osteuropa. In den vergangenen Jahren musste Gonschorek jede Menge Eschen markieren und fällen lassen. Egal ob junge oder alte Bäume, der Pilz macht sich überall breit. „Der Pilz ist in der Luft und setzt sich auf die Triebe“, erklärt Gonschorek. Als Abwehrreaktion stoppt der Baum das Wachstum an dem Ast und bildet woanders neue Triebe – nur um dort wieder von dem Pilz befallen zu werden. Das Ergebnis: Ast für Ast stirbt ab, wird morsch und fällt zu Boden.

Irgendwann kommt dann der Moment: Gonschorek muss den Stamm mit Farbe markieren – das Zeichen für seine Kollegen, den Baum zu fällen. „Wir wollen das Holz ja nutzen, solange es noch geht“, erklärt der Förster. Deswegen werden auch wenige Jahre alte Bäume gefällt, genauso wie Bäume, die schon seit Jahrzehnten im Süntel stehen. Eschen, die noch lange gewachsen wären und gutes Holz geliefert hätten. „500 bis 600 Meter Eschenholz haben wir pro Jahr seit 2011 zwangsgeschlagen.“ Harvester und Motorsäge kommen auch zum Einsatz, um die Bäume zu fällen, bevor sie umfallen und womöglich Spaziergänger im Wald verletzen.

Außerdem ist nach dem Pilzbefall das Holz schnell nicht mehr verwertbar, erklärt Horst Ebeling. „Ist ein Baum bereits stark verfallen, dient er wenn überhaupt, nur noch als Brennholz“, sagt der Förster, der für den anderen Teil des Süntelwaldes verantwortlich ist.

270_0900_18298_lkbm2110eschentriebkronesommer.jpg

Das Glück der beiden Förster: Der Wald im Süntel ist gemischt und besteht hauptsächlich aus Buchen. Eschen und Ahorn-Bäume machen nur einen Teil des Bestands aus. Wenn also der Pilz Esche für Esche dahinrafft, bleiben keine großen Lichtungen zurück.

Trotzdem blicken beide Förster sorgenvoll in die Zukunft: „An einigen Stellen stehen auch bis zu 40 Prozent Eschen“, sagt Gonschorek. In Ebelings Bereich sind bereits bis zu 90 Prozent der Bäume abgestorben. Außerdem wächst die Esche auf feuchten, staunassen Böden, wo die Buche sich weniger wohl fühlt.

Vor allem die jungen Bäume, die gefällt werden, schaden der Forstwirtschaft: Sie hinterlassen im Wald nur kleine Löcher, dafür aber größere in der Kasse der Forstwirtschaft: Denn eigentlich hätten die Eschen noch Jahrzehnte wachsen können, bevor die dann dicken Stämme verkauft worden wären. Nach Ansicht von Gonschorek wird sich das in den Folgejahren bemerkbar machen.

Immerhin: Das Eschenholz, das die Förster derzeit zwangsweise aus dem Süntel holen, kann gut verkauft werden. Gonschorek: „Der Markt kann das derzeit gut verkraften, Esche ist ein beliebtes Holz und derzeit in Mode.“ Ganz aktuell würde die Nachfrage ein wenig abflachen, sei aber nach wie vor hoch.

Was in den kommenden Jahren sein wird, kann Gonschorek aber nicht voraussagen: „Wir laufen ja als Förster immer hinterher.“ Bäume brauchen viele Jahre zum wachsen, resistente Eschen gibt es nur vereinzelt. Studien zufolge überleben weniger als zehn Prozent der Bäume den aggressiven Pilz. Bis diese Arten angepflanzt werden können, werden laut Gonschorek noch viele Jahre vergehen.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt