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Dachdecker mit künstlerischer Ader

"Es war wirklich ein Traum..."

Escher. Steven Mutius (32), ein Bär von einem Mann, ist Dachdecker, einer, der seine Arbeit ganz nüchtern erledigen kann, alte Dächer runter, neue Dächer aufgebaut. Wenn er aber die Chance dazu bekommt, dann wird er zu einem Gestaltungskünstler, der Mosaikbilder auf Schieferdächer zaubert und davon träumt, aus Alltagsgegenständen seltsame kleine Kunstwerke zu machen.

Steven Mutius. Foto: cok

Autor:

Cornelia Kurth

"Ja, vor elf Jahren entdeckte ich meine kreative Seite", meint er. "Und es war wirklich ein Traum." Eines Morgens wachte er auf und hatte in der Traumnacht eine neue Art von Milchkännchen erfunden, klein, rund, mit einem Hebelchen am Griff, das man drücken muss, um die Milch aus einer Öffnung am Boden in den Kaffe fließen zu lassen. Das Wichtigste für ihn dabei: Dieses Kännchen kann nur stehen, wenn man es in ein zugehöriges Gestell platziert. "Diese Idee, dass die Dinge nicht für sich allein existieren, sondern immer einen Gegenpol brauchen, um ein Ganzes zu sein, die hat mich sehr fasziniert", meint er. "Mir fielen immer mehr und mehr solcher dualistischer Gegenstände ein." So zeichnete er fein säuberlich das Milchkännchen, dazu auch Teller, Tassen, Sektgläser, alle so gedacht, dass sie nur dann einen Halt finden, wenn sie von einem hübsch geschwungenen Metallgestell getragen werden. "Wenn man aus solchen Gläsern trinkt, von solchen Teller isst, dann geht es nicht nur ums Essen und Trinken, es ist jedes Mal auch eine Zeremonie." Schade nur, dass Steven Mutius die Traumdinge (noch) nicht in die Wirklichkeit holen kann. "Tja - hätte ich mit 15 gewusst, dass mich Produktdesign so interessieren würde, dann hätte ich in der Schule besser aufgepasst...!" Da er ja nicht selbst Glas blasen, Metall schmieden oder Porzellankeramiken herstellen kann, würde er seine Entwürfe eigentlich gern an eine große Firma senden, damit man sie dort umsetzen würde. "Doch ich habe Angst, dass man mir meine Ideen klauen könnte, wenn ich sie auf diese Weise aus der Hand gebe." Entmutigen lässt er sich deswegen allerdings nicht, im Gegenteil. Neben seiner Arbeit als Dachdecker (seit dem Jahr 2000 ist Steven Mutius selbständig) entwirft er ständig sehr schöne Gebrauchsgegenstände aus Holz und Schiefer, den Materialien, die ihm so vertraut sind. Küchenmöbel sind dabei, die sich raffiniert und einfach zugleich in der Höhe verstellen und beliebig ergänzen lassen, vor allem aber solide Holz-Arbeitsbretter, gradlinig, absolut einsatzfähig und doch, durch eingesetzte Schieferplatten, im Design seiner dualistischen Grundidee folgend. Für den Auetaler Musiker Timo Maas baute er eine chinesische Garten-Pagode mit Kupferdach, und überhaupt kann man auf seine Homepage im Internet unter www.esa-ote.de einen guten Eindruck gewinnen von seiner handwerklichen Kreativität, für die sich nach und nach immer mehr Kunden finden. "Natürlich gibt es auch Zeiten, in denen das Produktdesign in den Hintergrund rückt.", sagt er. "Ich bin Dachdecker - schließlich muss ja irgendwoher das Geld für den Alltag verdient werden." Und doch hofft er darauf, dass er sich mit anderen Kunsthandwerkern zusammentun kann, um eine "Art-Design-Schmiede" aufzumachen. "Wenn es einmal soweit ist, dass ich ernten kann, was ich gesät habe, dann werde ich noch ganz andere Sachen entwickeln!"



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