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Gestaltung Kreisel Scheier Straße: Die einen für eine Eg-Witt-Skulptur, die anderen für Säulen

"Es spricht einiges dafür, Kunst zu wagen"

Bückeburg (rc). Wie wird der Kreisel an der Scheier Straße gestaltet? Über diese Frage gibt es derzeit erregte Diskussionen in der Politik und in Jetenburg. Die einen bevorzugen das Modell, das bereits in den Kreiseln auf der Georgstraße und der Mindener Straße verwirklicht worden ist, nämlich Sandsteinsäulen, die die Eingangssituation in die Stadt hervorheben. Die anderen favorisieren dagegen eine Stahlskulptur des Rintelner Künstlers Eg Witt, deren drei geschwungene Stahlplatten die fliegenden Röcke von Trachtentänzerinnen darstellen - Kunst eben.

Wie wird der Kreisel Scheier Straße gestaltet: Mit Sandsteinsäul

Sicher ist, dass die Formensprache Eg Witts viele Kritiker, insbesondere alteingesessene Jetenburger, auf den Plan gerufen hat. Von "So ein Ding darf da nicht hin"über "Was ist das überhaupt?" oder aber "Ich habe noch keinen getroffen, der erkannt hat, dass das Trachtentänzer sein sollen", reichen die internen Kritiken. Besser wäre doch - neben den obligatorischen Säulen, ein Wappen etwa der Stadt oder aber der Ortsteile, so die Gegenvorschläge. Und wenn es schon Trachtentänzer sein sollen, dann doch bitte aus Sandstein. Doch dabei haben noch nicht allzu viele den Entwurf gesehen, dessen Skizzen und ein 15 Zentimeter großer Vorentwurf derzeit im Büro des Bauamtsleiters schlummern und der bisher nur intern im Verwaltungsausschuss vorgestellt worden ist. Anfragen der Presse, den Entwurf fotografieren zu dürfen, wurden seitens der Stadtverwaltung mit dem Hinweis abgelehnt, dass die Rechte bei Eg Witt liegen und zunächst der Künstler gefragt werden müsse. Der stimmte zunächst im persönlichen Gespräch zu, später wurde die Zusage gegenüber der Stadtverwaltung zurückgezogen. Es wäre ohnehin schwierig geworden mit dem Foto, im Bauamt ist der Entwurf derzeit unauffindbar. Baufachbereichsleiter Karlheinz Soppe, der die Gestaltung unter seinen Fittichen hat, ist derzeit erkrankt. Nur er weiß, wo das Ding steckt. Soppe ist es auch, der das Witt-Kunstwerk in den vergangenen Wochen vorangetrieben hat, der vor einigen Monaten in einer Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am Rande durchblicken ließ, was dort an der Scheier Straße entstehen soll. Auch die Vorgabe der Politik - gestalten ja, aber kosten darf es nichts - hatte Soppe bereits größtenteils umgesetzt. 80 Prozent der auf maximal 10 000 Euro geschätzten Kosten hat er bereits bei Sponsoren eingesammelt. Wenn das man nicht für die Katz war. Denn angesichts der Diskussionen hat jedenfalls der Verwaltungsausschuss in seiner vorletzten Sitzung die Reißleine gezogen und einen Ideen-Wettbewerb ausgelobt. Jeder könne Vorschläge einreichen. "Nichts dilettantisches, sondern durchaus mit Anspruch", gab Bürgermeister Reiner Brombach auf Anfrage unserer Zeitung die Marschrichtung vor. Nicht eine Jury solle dann die Entscheidung fällen, was umgesetzt wird, sondern der Verwaltungsausschuss - nach der Anhörung von Experten wie etwa des Baufachbereichsleiters, aber auch des "Kultursenators" Karl-Heinz Rosenfeld. Brombach gefällt im Übrigen der Witt-Entwurf "gut": "Aber deswegen einen Kreiselstreit vom Zaune brechen? Das lohnt nicht." Es spreche einiges für die Gleichartigkeit der Kreiselgestaltung in Bückeburg, aber: "Es spricht einiges dafür, Kunst zu wagen". Die Meinung der Politik: Bloß keine "Riesendiskussion", ein Ideenwettbewerb ist okay, heißt es bei der SPD-Ratsmehrheit. Der Juniorpartner FDP in Gestalt des Jetenburgers Rüdiger Homeier ist gegen "so ein Metallgebilde; das passt nicht zum alten Jetenburg". Er favorisiert die Gestaltung mit Säulen: "Was bei den anderen beiden funktioniert, funktioniert auch bei einem dritten Kreisel". Die CDU-Fraktion befürwortet ebenfalls den Ideenwettbewerb, um mit einer attraktiven Ausgestaltung des Kreisels ein wichtiges Aushängeschild für die Stadt zu schaffen, so Fraktionschef Christopher Wuttke. Ob der Witt-Entwurf mit im Wettbewerb ist, ist indes mehr als fraglich. "Dafür stehe ich nicht zur Verfügung", sagte Witt im Gespräch mit unserer Zeitung: "Kunst ist nicht abstimmungsfähig". Sein Entwurf sei ein schlüssiger Entwurf, beschrieb er gegenüber unserer Zeitung seine Intention. Die drei geschwungenen Stahlplatten würden die schwingenden Röcke tanzender Trachtentänzerinnen symbolisieren und die Bewegung der Röcke aufnehmen: "Der Akt, in dem eine Frau wieder zur Eva wird und die Röcke fliegen lässt." Starke Emotionen, starke Farben, denn die drei Stahlplatten sollen nach dem Entwurf Witts in den Farben der Bückeburger Tracht lackiert werden, also rot, schwarz und blau. Die Skulptur - Arbeitstitel "Rocki" - soll etwa 3,50 Meter hoch werden. "Eine Form, die das verträgt, sie muss von weitem gesehen werden und ein schönes Farberlebnis sein." Im übrigen sei Bückeburg, wie die gesamte Region, vom Sandstein beherrscht. "Heute fehlt ein Kontrapunkt in Form von Polyester oder Stahl." Witt erinnerte an die Diskussion in Hannover um die Nanas: "Heute liebt sie jeder." Ein Vorschlag gingübrigens schon ein: Eine echte Tanne pflanzen, die dann in der Vorweihnachtszeit mit Lichterketten und Sternen geschmückt werden kann.

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