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„Ruhr Tour“: Eine faszinierende Dewezet-Leserreise führte zu den Höhepunkten der deutschen Kulturhauptstadt

Es grünt so grün, wenn Ruhrpotts Bäume blühen

Sozusagen: Im Westen viel Neues – nach der spektakulären Monet-Ausstellung in Wuppertal führte eine Dewezet-Leserreise jetzt mitten in den Ruhrpott. Und Essen als Kulturhauptstadt im Mittelpunkt. Vor allem mit der Zeche Zollverein, die als Industriedenkmal in den Status eines Weltkulturerbes aufgestiegen ist. Drei Tage auf Ruhr-Tour und der „Pott“ im Zentrum – und einfach mal lapidar und ganz nebenbei festgestellt: Es grünt so grün, wie einst die Kohle blühte und ihr Staub rieselte. Unvorstellbar: die prächtig-üppigen Platanen-Alleen, dann die Parks, wo früher Hochöfen standen – und immer noch stehen, zu Kunstwerken und Lichtkunst stilisiert.

Autor:

Richard Peter

Apropos: Unna war eine der ersten Stationen. Lichtkunst in einem eigenen Museum, dessen rustikaler Charme Teil der Installationen ist. Von „Ich im Dialog“ – das Wort „Ich“, neon-verrohrt, in zehn verschiedenen Sprachen in eine Röhre gehängt, die tief hinunterreicht und kommunikativ auch von unten nach oben zu betrachten ist – über raffinierte Wahrnehmungsphänomene und Licht, das sich permanent verändert.

Ein Erlebnis der besonderen Art – und für viele der Besucher gewöhnungsbedürftig: das Projekt „2-3 Straßen“. leerstehende Wohnungen in normalen – und eher hässlichen – Straßen, weil es nicht mehr genug Arbeiter gibt, die sie mit ihren Familien bewohnen könnten. Grund für den Aktionskünstler Jochen Gerz zu einer Aktion, an deren Ende die Publikation eines Buches stehen soll. Vorzugsweise junge Leute dürfen ein Jahr lang hier kostenlos wohnen – und schreiben täglich an einem Buch, das sich aus spontanen Eintragungen speist. Worum es geht: Veränderungen durch soziale Kontakte und bewusste Wahrnehmung von Alltag. Was die Bewohner in jedem Fall erreichten: Über nichts wurde so intensiv und kontrovers diskutiert wie über dieses Projekt. Allein das ein, durchaus kalkulierter, Erfolg.

Geballte Highlights – früher einmal Höhepunkte genannt – am nächsten Tag mit einer ebenso charmanten wie kompetenten Führung vor allem über das riesige Areal des Zollvereins mit der faszinierenden Anlage der Kokerei, den Fördertürmen und dem berühmten Schacht XII mit dem Ruhr-Museum und zuvor noch das Architektur-Schmankerl, das von den Ruhrstädtern als „Design-Bunker“ bezeichnet wurde.

Eindrucksvolles Areal: die Villa Hügel, einstige Wohnung der Krupp-Dynastie. Fotos: Pe

Eine kleine, anheimelnde Welt für sich: die „Margaretenhöhe“, bezaubernde, individuell gestaltete Wohnhäuser für die Angestellten der Firma Krupp, die für ihre Zeit mit unüblichem Komfort wie zentraler Heizung, Strom, fließendem Wasser und Bädern ausgestattet waren. Sie verleiteten Kaiser Wilhelm bei einem Besuch zu dem Satz, man würde hier angenehmer wohnen als er in seinem Berliner Schloss. Majestät musste nämlich zum Baden immer ins Hotel Adlon gefahren werden.

Mehr als eindrucksvoll: das als „Einfamilienhaus mit Garten“ eingetragene Areal mit dem pompösen Prachtbau der „Villa Hügel“. Der Krupp-Dynastie diente sie als Repräsentationsrahmen, aber auch als Wohnung. Am Abend ein Besuch im traditionsreichen Brauhaus Hibernia mit Schmalzbrot, das liebevoll wie für Kumpels eingepackt war. Auch wenn es schon längst heißt, man könne im Ruhrpott so ziemlich alles machen, außer vielleicht Hochsee-Angeln – eine Fahrt auf dem Rhein-Herne-Kanal ist allemal etwas Besonderes. Vor allem, wenn sich ein Besuch an den größten Gasometer und das Wahrzeichen von Oberhausen anschließt. Das hat für Ruhr 2010 die Installation „Sternstunden – Wunder des Sonnensystems“ eingerichtet – mit gigantischem Mond-Ballon, der über allem schwebt und sich peu à peu in alle seine Phasen verwandelt. Großformatige Aufnahmen von der Sonnenoberfläche mit Protuberanzen und anderen Planeten, ein Panorama unserer Galaxie mit der Milchstraße – und last, but not least: ein faszinierender Rundblick von ganz oben über den „Pott“.




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