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Pädagogin Beate von Eisenhart Rothe referierte über Ursachen und Lösungen

"Es geht immer um Macht": Mobbing ist grausam, doch es gibt Auswege

Rinteln (mld). Mobbing - jeder hat schon von grausamen Beispielen des Psychoterrors gehört, viele leiden darunter, doch wo seine Ursachen liegen und welche Auswege es gibt, wissen die wenigsten. Genau an dieser Stelle will Diplom-Pädagogin Beate von Eisenhart Rothe ansetzen und aufklären. Eingeladen von der Rintelner Gleichstellungsbeauftragten Kirstin Büthe, hat sie am Mittwochabend aus ihrer 14-jährigen Erfahrung als Mobbing-Beraterin in Göttingen, Frankfurt, Berlin und Hannover berichtet und ist dabei auf großes Interesse gestoßen: Der kleine Sitzungssaal des Rintelner Rathauses war bis auf den letzten Platz besetzt.

Gleich zu Anfang klärte von Eisenhart Rothe: Sie wolle Mobbing als Begriff für Probleme im Arbeitsleben verstanden wissen, nicht jedoch für Probleme in der Ehe oder unter Schulkindern. Gleich danach sollte jeder der Anwesenden selbst Stichworte aufschreiben, die für ihn unter den inzwischen so oft benutzten Begriff "Mobbing" fallen. Das Ergebnis war eine lange Liste mit Schlagworten wie "Sabotage, Isolation,üble Nachrede, bewusste Über- oder Unterforderung". Alles richtig, stimmte von Eisenhart Rothe zu, doch eine Erkenntnis hob sie besonders hervor: Bei Mobbing ginge es immer um Macht, es fände niemals auf sachlicher Ebene statt. "Man muss sich die Frage stellen: Welchen Sinn hat es für das Team, dass es ein Opfer gibt?", fragte die Pädagogin. Beim bewussten wie unbewussten Mobbing ginge es um Neid, Missgunst und die Stärkung einer Gruppe. Dabei sollte man allerdings auch nicht übersehen: "Mobber" handeln oft selbst aus Angst heraus - Angst vor Macht- oder Statusverlust, Angst vor Veränderung im Unternehmen und damit der eigenen Position. "Ich spreche nicht gern von Mobbern und Gemobbten", hält die Beraterin fest. "Es gibt mehrere Täter, aber eigentlich keine Opfer, denn für die gibt es ja Handlungsmöglichkeiten!" Kommen die Betroffenen zu ihr, lässt von Eisenhart Rothe sie erst einmal ausführlich von ihrer Situation erzählen und fordert sie auf, Abstand zu gewinnen und sich mit einem Anwalt zusammenzusetzen. Erst wenn die Betroffenen sich stark genug fühlen, erfolgt eine Einladung zum "Runden Tisch", an dem Kontrahenten, der Betriebsrat, der Gleichstellungsbeauftragte wie auch Betriebsarzt oder Therapeut gemeinsam nach Lösungen suchen. Exemplarisch brachte von Eisenhart Rothe das Beispiel eines Mobbingfalles, in dem eine neue Angestellte derart schikaniert wurde, dass sie innerhalb von zwei Monaten blutende Magengeschwüre bekam. Als gemeinsam mit allen Beteiligten nach den Ursachen geforscht wurde, stellte sich heraus, dass die Spannungen nicht erst unter den Mitarbeitern, sondern bereits in der Führungsebene entstanden waren. "Man muss sich immer fragen: Wie kommt es dazu, dass Mitarbeiter sich so fertig machen?" Die Aussprache sei für die meisten ein Weg der Genesung, erklärt von Eisenhart Rothe. Es sei es ihr Ziel, den Arbeitsplatz für die Betroffenen zu erhalten - auch wenn das nicht immer die beste Lösung sein muss. Doch sie hat die Feststellung gemacht, dass die meisten Gemobbten ihre Arbeitsstelle trotz allem nicht aufgeben wollen. Gleichzeitig versucht die Pädagogin, die Schuldfrage nicht zu stellen: "Alle müssen ihr Gesicht wahren können."

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