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Fledermäuse: Nächtliche Flieger auf Suche nach Winterquartieren /Alle Arten vom Aussterben bedroht

"Erst sind es nur drei - und danach mehr"

Auetal (mj). Den Hausbesitzern treibt es tiefe Sorgenfalten auf die Stirn, wenn mit dem Hereinbrechen der Dunkelheit für kurze Zeit ein Zirpen, Kratzen, Wispern und Zetern auf ihrem Dachboden beginnt. "Keine Panik. Oft sind das nur Fledermäuse, die sich als heimliche Mitbewohner einquartiert haben", sagt Marc Jameson vom Naturschutzbund Auetal. Zu Beginn der Dämmerung werden die eng beieinander lebenden Tiere unruhig, sie streben dem Ausflugloch zu und schimpfen mit schrillen Rufen auf drängelnde Mitbewohner. Diese Soziallaute sind, anders als die Ultraschall-Ortungsrufe, auch für Menschen hörbar.

Dachböden oder andere Unterschlupfmöglichkeiten in Häusern bieten den Tieren als Ersatzhöhlen optimale Bedingungen. Einige Arten hängen frei an den Dachbalken, andere nutzen engste Spalten zwischen den Pfannen oder hinter der Fassadenbekleidung als Quartier. So auch bei der Familie Steding aus Rolfshagen: Beim Umbau eines Fensters entdeckte die Familie hinter dem Fensterrahmen drei kleine Fledermäuse, die sich in einer Lücke, die durch das Fehlen eines Mauersteines verursacht wurde, befanden. Da die Tiere dort nicht bleiben konnten, wurden sie, mit Handschuhen bewaffnet, herausgeholt und fürs erste in einem Schuhkarton aufbewahrt. Noch am selben Tag wurde der Kontakt zu Marc Jameson vom Naturschutzbund Auetal aufgenommen, um mit ihm eine Lösung zur Auswilderung zu finden. So erklärte er, dass es sich hierbei um Zwergfledermäuse ("Pipistrellus pipistrellus") handelt und das "Auftreten" in kleinen Gruppen deutet auf Erkundungsflüge hin, die für das Kennenlernen von Winterquartiermöglichkeiten vor allem bei jungen Zwergfledermäusen wichtig sind. Mit Tjark Steding (7) und seinem Freund Jonas Freiberger (7) konnten die Tiere auf einem Dachboden erfolgreich wieder ausgewildert werden. Mit ihrer 20 Zentimetern Flügelspannweite suchten sie sich, in einen hektischen Bogen- und Schleifenflug, einen Weg in die Nacht. "Ich hätte bei den kleinen Tieren nicht mit so einer großen Flügelspannweite gerechnet", so Jörg Steding, der Vater von Tjark. Der Nabu Auetal bot jetzt zur "Europäischen Fledermausnacht" eine Fledermauswanderung in Schoholtensen an, um die geschützten Tiere in Aktion zu erleben. Unter der Leitung von Jugendwart Marc Jameson begaben sich acht Kinder mit ihren Eltern auf die Suche nach den fliegenden Säugern. Um 21 Uhr konnten dann auch die ersten Tiere auf ihren Jagdflügen in Schoholtensen beobachtet werden. Die Zwergfledermaus, die kleinste europäische Art, konnte an mehreren Stellen im Dorf, mit dem Bat- Detektor, der die Ultraschallrufe für das menschliche Gehör hörbar macht, festgestellt werden. Die Suche nach neuen Auswilderungsorten ist nicht immer ganz einfach: "Erst sind es drei - und danach mehr", erwiderte dieser Tage ein Landwirt auf eine entsprechende Anfrage von Jameson und bezog sich damit auf die Folgen: Die Tiere vermehren sich recht schnell. Mittlerweile sind alle 22 in Deutschland heimischen Fledermausarten vom Aussterben bedroht.




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