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Vor Gericht: Kasse gemacht durch provozierten Unfall?

Erst gewunken - dann Vollgas

Stadthagen (menz). Als Schnäppchenjäger der kriminellen Sorte stuft die Staatsanwaltschaft Bückeburg einen Autofahrer aus Stadthagen ein. Die Ankläger gehen davon aus, dass der Mann mit einem provozierten Unfall Kasse machen wollte. Dieser Vorwurf zog gleich einen ganzen Rattenschwanz von Anklagepunkten nach sich. Der Mann muss sich zusätzlich wegen falscher Verdächtigung und zweifachen versuchten Betruges vor dem Schöffengericht in Stadthagen verantworten.

Der Unfall im Dezember 2003 war zunächst nur eine Kollision nach Missachtung der Vorfahrtsregel, wie sie alle Tage passiert. "Die Polizei hat mich gleich als Schuldigen aufgeschrieben", erklärte der Unfallgegner des Angeklagten in der Verhandlung. Ihm sei damals zwar "alles komisch vorgekommen", aber er habe "erst mal nichts gesagt". Erst als der 22-Jährige wegen Missachtung der Vorfahrt ein Bußgeld bezahlen sollte und als es um Schadenersatzansprüche ging, wehrte er sich mit einer eigenen Darstellung des Unfallhergangs. Vor dem Schöffengericht wiederholte er, dass der Angeklagte an der Kreuzung den Anschein erweckt habe, dass er freiwillig auf die Vorfahrt verzichten wolle, aber anschließend "aus dem Stand Gas gegeben" habe. Diese Unfallbeschreibung liegt der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft zu Grunde. Die geht davon aus, dass der Stadthäger durch einen früheren, ähnlich gelagerten Vorfall an gleicher Stelle auf den Geschmack gekommen war und versuchte, "sein Schnäppchen zu machen". Bei besagten früheren Unfall war ein Autofahrer aus Hannover dort über die Missachtung der Vorfahrtsregel gestolpert - Unfallbeteiligter war der jetzige Angeklagte gewesen. Vor Gericht begann der ältere Herr jetzt als engagierter Zeuge und vertrat die Überzeugung, der Angeklagte sei damals zwar vorfahrtberechtigt gewesen, hätte den Unfall aber ohne weiteres und unbedingt verhindern können, ja müssen. Das hatte der Hannoveraner damals auch gegenüber seiner Versicherung genau so dargestellt - allerdings in einem Schreiben, gespicktmit mehr als unschönen Äußerungen über die Person des türkischstämmigen Angeklagten. Letzterer Aspekt wiederrum stellte nun eine Vorlage dar, die sich der Verteidiger nicht entgehen ließ. Unter Winden und Sträuben musste der Zeuge vorlesen, was er früher formuliert hatte, wohl wissend, dass er damit als "Rassist" dastehen würde, "was ich aber nicht bin." Nach anfänglich vollmundigen Tönen verließ ein recht kleinlauter Mann mit einer Entschuldigung den Saal. Der Wert seiner Zeugenaussage blieb offen. Der Angeklagte schweigt im aktuellen Strafprozess. Im vorangegangenen Zivilprozess zum Vorfall vom Dezember 2003 hatte er bereits den Kürzeren gezogen. Er war auf seinem Schaden von gut 3500 Euro sitzen geblieben, während dem Unfallgegner 600 Euro Schadenersatz zugesprochen wurden. Ausschlaggebend gewesen war das Gutachten eines Sachverständigen, der den Unfall rekonstruiert hatte. Der Fachmann ist auch im Strafverfahren ein gefragter Mann. Aus dem Schadensbild zog er den Rückschluss, dass die Version des Angeklagten nie und nimmer stimmen könne. Der Prozess geht im Februar weiter.



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