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Große Alarmübung mit Diskonebel, Chinaböllern - und echtem Rauch

Erst die Menschen, dann das Haus

Rehren (rnk). Es soll ja realistisch wirken, daher weht eine wirklich weithin sichtbare Rauchwolkeüber dem Industriegebiet. Schuld ist ein Klassiker: ein paar Holzlatten und darauf dann einen alten Reifen. Weil der aber so schnell Feuer fängt, muss die Übung 20 Minuten vorgezogen werden - bevor sich die Auetaler wundern, warum es im Industriegebiet brennt und keine Feuerwehr kommt.

Sicher geht vor: Der Druck der Atemschutzträger wird überprüft.

Sie kommen dann alle. Erst der 1. Zug mit den Wehren Rehren/Westerwald, Escher und Rannenberg, denn bei dieser großen Alarmübung stehen die Atemschutzträger im Vordergrund. Rehrens stellvertretender Ortsbrandmeister Jürgen Menke, der das Einsatzszenario ausgearbeitet hat, erklärt den Hintergrund: Immer häufiger müsse bei einem Brand Plastik und ähnliches bekämpft werden, die Atemschutzträger seien dabei das A und O. Dieses Mal hat Menke angenommen, dass bei Renovierungsarbeiten im Bürotrakt eines Gebäudes in der Sandstraße Farb- und Lösungsmittel bei Maler und Teppichbodenverlegungsarbeiten benutzt werden. Durch unsachgemäßen Umgang mit den Mitteln entsteht eine Verpuffung im Obergeschoss. Im ersten und zweiten Obergeschoss werden rund zehn Personen vermisst. Es besteht außerdem die Gefahr, dass das Feuer auf die angrenzende Lagerhalle übergreift. Menke ist später zufrieden: Der 1. Zug hat gut gearbeitet, die Menschenrettung hat geklappt. Mit kleinen Einschränkungen: "Habt ihr mich vergessen?", ruft ein Freiwilliger nach einer halben Stunde aus dem Obergeschoss. "Ja, da fehlt die genaue Aufzeichnung. Jeder Gerettete muss dokumentiert werden, jeder Raum muss abgesucht werden", sagt Menke. Realismus pur auch hier: Diskonebel im Flur und in den Räumen, ein explodierender Chinaböller simuliert verpuffende Lacke und Kleber. Den außergewöhnlichsten Auftrag hatte die Rannenberger Wehr: Weil es keine Drehleiter gab, mussten die Menschen in einer Trage über eine Leiter abgeseilt werden. Die Feuerwehrmitglieder beließen es bei einer Simulation, Menke fand die Leistung in Ordnung, aber: "Es fehlte ein bisschen die Zeit." Okaywar der Einsatz der Wehr Escher, die die Menschen vom Balkon holten. Nicht zufrieden war Menke mit den vier Wehren, die sich um die Wasserversorgung kümmerten: Das hätte ihm im Ernstfall viel zu lange gedauert. Vor zwei Monaten hat Gemeindebrandmeister Karl-Heinz Nothold dieÜbung angesetzt, Wochen später hat die Wehr Klein Holtensen/Wiersen selbst eine Übung geschlossen: Beide legten sie auf den gleichen Tag - vorgestern. Nothold, der vorher nichts verraten durfte, konnte sich einigen Ärger anhören: Die Jungs waren sauer. Ach ja: Natürlich hat sich Menke vorher eine Erlaubnis eingeholt, um einen Reifen anstecken zu dürfen.

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