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Erneuter Ärger mit Vodafone

Nachdem sich erst vergangene Woche ein NDZ-Leser über die Verkaufstechniken eines Mitarbeiters von Vodafone Kabel Deutschland beklagt hatte, steht dem Netzbetreiber erneuter Ärger ins Haus. Diesmal hat es eine 95-jährige Münderanerin getroffen – dabei hatte sie alles richtig gemacht.

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Autor:

Mira Colic

Die Enkelin der Betroffenen, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hatte sich an die NDZ gewandt. Es geht um eine Postkarte, mit der ein selbstständiger Medienberater mit Sitz in Hameln Vodafone-Komplettpakete für Internet, Telefon, und Kabelanschluss bewirbt – zumindest auf der Vorderseite. Dreht man die Karte um, wird man „höflichst um Rückruf“ gebeten. Dann geht es mit dem Betreff weiter. Als Vordruck angekreuzt ist der Punkt „telefonische Terminabsprache“. Und dann ist es mit der Höflichkeit auch schon wieder vorbei. Bei allen Karten ist ebenfalls schon die Zeile „Ihr Kabel-Anschluss ist nicht angemeldet und wird nicht über Ihre Mietnebenkosten abgedeckt“ angekreuzt. In diesem Fall weist der Mitarbeiter die Empfängerin – die 95-Jährige – darauf hin, dass ihr die „Abschaltung Ihrer Wohneinheit (fehlende Anmeldung)“ droht. Damit die Betroffenen dies auch ja nicht überlesen, ist dieser Satz auf der Karte fett gedruckt.

Einen „wichtigen Hinweis“ hinterlässt das Unternehmen in Rot: „Die unberechtigte Anschaltung einer privaten Hausverteilungsanlage an das Breitbandverteilnetz ist strafbar. Gegebenenfalls liegt eine Straftat (…) vor.“ Dabei gehe es um Siegelbruch oder die Erschleichung von Leistungen.

„Das hat meine Oma natürlich in helle Aufregung versetzt“, erzählt die Frau aus Nordhorn. Es sei nicht nachvollziehbar, dass Kunden mit solchen Mitteln traktiert würden. „Die werfen den Leuten da vor, sich strafbar zu machen – dabei hat meine Großmutter einen regulären Vertrag, den sie monatlich bezahlt. Das ist abenteuerlich.“ Sie fordert Vodafone auf, diese Karten aus dem Verkehr zu ziehen. Und: Sie habe diese Informationen auch an die Verbraucherzentrale Niedersachsen weitergeleitet, weil sie solch ein Geschäftsgebaren nicht nachvollziehen könne.

Auch in diesem Fall bestätigt Vodafone, dass die Seniorin keinesfalls eine Schwarzseherin sei. „Der Mitarbeiter hätte ihr diese Karte so nicht hinterlassen dürfen“, sagt eine Unternehmenssprecherin. „Diese Ansprache ist so nicht von uns erwünscht.“ Das Unternehmen habe ein „scharfes Auge“ darauf, dass die Berater höflich im Umgang seien.

In dem vergangene Woche geschilderten Fall hatte sich ein Leser unter Druck gesetzt gefühlt. Der Mitarbeiter habe seiner Schwiegermutter mit der Abklemmung des Anschlusses gedroht – trotz eines bestehenden Vertrages. Vodafone hatte sich entschuldigt und eine Nachschulung des Vertreters angekündigt.

Dieser widerspricht jedoch den Vorwürfen. Er habe sich keinesfalls aggressiv gezeigt – im Gegenteil, er selbst sei massiv angegangen worden. „Als ich klingelte, kam er mir sofort aggressiv entgegen, ich fragte ihn, ob ich meinen Kollegen rufen solle, als Verstärkung.“ Zu Missverständnissen sei es gekommen, weil es in dem betroffenen Haus drei Wohneinheiten gebe. In dem Fall der 95-Jährigen habe er einfach übersehen, dass ein Vertrag bestehe: „Fehler passieren.“

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