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Herder-Werkstatt unterwegs nach Hannover / 60 Fußkilometer / Erinnerung an "Todesmarsch"

Erinnern, aussöhnen und die Zukunft bedenken

Lahde/Bückeburg (bus). Die Geschichtswerkstatt der Herderschule hat gestern die erste Etappe ihres von Lahde nach Hannover-Ahlem führenden Gedenkmarsches bewältigt. Mit der Aktion soll an den so genannten Todesmarsch erinnert werden, der im April 1945 etwa 800 Insassen aus dem "Arbeitserziehungslager" Lahde in die Landeshauptstadt führte und mehr als 100 von ihnen das Leben kostete. "Wir wollen gleichzeitig erinnern, aussöhnen und die Zukunft bedenken", sagte Werkstattleiter Klaus Maiwald am Starpunkt im Lahder Industriegebiet.

Erinnern an den "Todesmarsch": die Geschichtswerkstatt auf ihrem

Maiwald hob vor allen Dingen den Punkt "Zukunft" hervor. Das unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsident a. D. Professor Rolf Wernstedt stehende Unternehmen solle auch als deutliches Zeichen gegen Neonazitum verstanden werden. "Wir setzen diesen Umtrieben ein klares Nein entgegen", unterstrich der Pädagoge. Am Startpunkt, wo ein Gedenkstein an das Schicksal der Lagerinsassen erinnert, schilderte Zeitzeuge Jürgen Borggrefe mit intensiven privaten Eindrücken einige der damaligen Geschehnisse. Weitere Zeitzeugen informierten die knapp 50 Menschen - außer der Herder-Schule war die Realschule Lahde mit einer großen Delegation vertreten - während des Marsches in persönlichen Gesprächen über die Vergangenheit. Der erste Tag führte, mit Zwischenstationen auf dem evangelischen Friedhof Lahde und dem Ehrenfriedhof Bierde, über Raderhorst, Wiedensahl, Stadthagen (Gut Remeringhausen, Begegnung mit dem ehemaligen Gutsverwalter Wolfgang Walter) und Heuerßen nach Beckedorf. Für heute, Freitag, lauten die Wegmarken Bad Nenndorf, Stemmen, Kirchwehren, Harenberg und Ahlem, wo gegen 17 Uhr in der Mahn- und Gedenkstätte eine Abschlussveranstaltung der Region Hannover auf dem Programm steht. Wegen der hochsommerlichen Temperaturen hatten die Organisatoren Vorsorge getroffen und ein (vom Hausmeister der Herder-Schule, Ulrich Maiwald, gesteuertes) Begleitfahrzeug des DRK engagiert. Dass die Bewältigung der durchaus strapaziösen 60 Fußkilometer trotz der Hitze beinahe einem Vergnügen gleich komme, verdeutlichte die Betreuerin der Lahder Teilnehmer, Hilde Wiegand. Seinerzeit seien die Insassen "vorsorglich" auf Marschtauglichkeit untersucht worden. "Und wer nicht laufen konnte, wurde in die Jauchegrube geschmissen." Das Projekt, mit dessenÜberschuss deutsch-polnische Jugendaktivitäten gefördert und ehemaligen Zwangsarbeitern aus Osteuropa geholfen wird, kann durch Spenden auf das Konto 322 239 369 (Verein der Herderaner) bei der Sparkasse Schaumburg (Bankleitzahl: 255 514 80, Stichwort: "Lahde-Ahlem") unterstützt werden.

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