weather-image
13°
Sinfonieorchester mit romantischen Fjord-Klängen und einem Hauch von Pferdeoper

Erhebendes Konzert im Rausch der Sinne

Rinteln. Zu einem bewegenden und zugleich begeisternden Erlebnis ist am Sonntag das Konzert des Sinfonieorchesters der Schaumburger Landschaft geworden, das der Kulturring unter Schirmherrschaft von Bürgermeister Karl Heinz Buchholz im Brückentorsaal präsentierte.

Ein Heimspiel hat der Rintelner Pianist Eric Salvesen im Brücken

Autor:

Ulrich Reineking

Mit dem Dirigenten Siegfried Westphal hatte der rund 60-köpfige Klangkörper ein Programm erarbeitet, das anspruchsvoll und zugleich eingängig genug war, um von diesem Kulturorchester an der Schnittstelle zwischen Professionalität und ambitionierter Liebhaberei souverän bewältigt zu werden. Dazu trugen auch die Sängerinnen und Sänger des Schaumburger Kammerchores und der Martini-Kantorei aus Stadthagen bei, die zum Auftakt des Programms in der Pavane op. 50 von Gabriel Fauré die Anrufung von Göttern, Halbgöttern und irdischen Helden als hymnische Beschwörung intonierten. Das Orchester wurde in einemüberraschend treibenden Tempo durch die fast schon gravitätische Schreittanz-Rhythmik geführt, wobei sich die tiefen Streicher mit den Choristen zu einem harmonischen Klangteppich verbanden, auf dem Holzbläser und Streicher die leicht pathetische Melancholie des Themas eindringlich zum Vortrag brachten - bei den Einsätzen vermisste man zunächst allerdings die Explosivität der tonalen Gleichzeitigkeit, was sich aber mit zunehmender Sicherheit verlor. Ein Heimspiel hatte der Rintelner Pianist Eric Salvesen, der das berühmte Klavierkonzert a-moll von Edvard Grieg mit intensiver Leidenschaft gestaltete und im sensibel korrespondierenden Orchester sein kongeniales Gegenüber fand. In dieser Interpretation wurde weniger die folkloristische Eingängigkeit betont als vielmehr die komplexe Dramatik und naturmalende Sinnlichkeit, wie sie Grieg angelegt hat - gelingen kann das wohl nur jemanden, der sich seiner technischen Virtuosität so sicher sein kann wie Salvesen. Scheinbar mühelos bewältigt er die Herausforderungen dieses Werks und bringt damit die Farbigkeit der Komposition für das Publikum zur vollen Wirkung. Nach der Pause gehörte alle Aufmerksamkeit der "Amerikanischen Suite" von Antonin Dvorak. Der "böhmische Musikant" war nach ersten europäischen Erfolgen in die jungen Vereinigten Staaten verpflichtet worden, um dort eine amerikanische National-Musik zu entwickeln. Wie sehr ihm das unter romantischen und exotischen Anleihen bei indianischer Musik, den Gospeln des schwarzen Amerika und lyrischen Naturklängen gelungen ist, wird in den Sätzen dieser Suite überdeutlich: Man ist immer wieder versucht, sich Hollywood-Szenen aus den großen Pferdeopern des Westens vorzustellen, wenn man diese schwelgerische Musik auf sich wirken lässt und spürt aus diesem Humus schon das Aufkommen eines Gershwin oder Bernstein. Die Wärme der Streicher, die Fröhlichkeit der Bläser, dann wieder die rhythmische Bestimmtheit und der punktgenaue Einsatz von Percussion - Elemente, die ganze Geschichten erzählen und vom Orchester mit enthusiastischer Opulenz getragen werden. Durch das Programm führte der Paukist und Musikjournalist Lutz Müller mit informativen und kenntnisreichen Anmerkungen zu Komponisten und Werk, wobei allerdings die Ausführungen gerade bei Dvorak etwas zu ausufernd gerieten, um ganz und gar ungeteiltes Interesse beim Konzertpublikum zu finden. Mächtig freudiger Beifall zum Finale, ein rundum glückliches Orchester - und da mochte auch Katharina Rundfeldt als Gründerin und aktives Mitglied des Ensembles ihre Begeisterung über das gelungene Konzertereignis nicht verbergen und bekannte: "Es war doch sehr, sehr schön." Womit die Maßstäbe für nächste Konzerte mit den "Schaumburgern" gesetzt sind. Aber das schaffen die schon...

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare