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Er weht, wo er will

Letzte Woche: Konfirmation in Möllenbeck und wohl auch anderswo. In diesem Jahr waren es in unserem Dorf nur fünf Konfirmandinne n und Konfirmanden. Vermutlich hätte da die kleine Kirche gereicht. Doch in Möllenbeck ist klar: Konfirmation wird in der großen Kirche gefeiert. Auch bei kleinen Gruppen. Auch bei Kälte. Notfalls zittern wir uns eben warm. Das machen wir ja an Weihnachten auch. Die große Kirche ist eben besonders schön und festlich. Keine Frage. Wohl auch deshalb bekommen wir laufend Anfragen von Paaren außerhalb Möllenbecks, ob sie in der Klosterkirche heiraten könnten.

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Autor:

Pastorin Ute Schulz

Ich kann das verstehen, schließlich habe ich das Glück, in einer so schönen Kirche meinen Dienst tun zu dürfen, und hatte das Glück, in einer solch schönen Kirche heiraten zu dürfen. Und doch, ich dachte immer - denke es bis heute: Der Geist Gottes weht, wann und wo er will. Nicht nur in alten, erhabenen Gemäuern. Nicht nur in Prachtbauten. Nicht nur in besonders schönen und feierlichen Kirchen - und das seit Jahrtausenden. Waren es nicht die kleinen und unscheinbaren, die zu Königen des Volkes Israel gemacht wurden - wie David, von dem gesagt wurde: Es ist noch übrig der Jüngste; siehe, er hütet Schafe!? War es nicht der kleinste Stamm, Benjamin, aus dem der Retter, der Messias, der Christus kommen sollte - geboren in einem Stall, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge!? Und waren es nicht auch die armen und erbärmlichen Häuser, in die Jesus ging!? Und dann, nach Tod und Auferstehung? Da wurden zuerst die Frauen vom Glauben an den Auferstandenen ergriffen; die, deren Aussage vor Gericht nicht zählte. Da erfuhren auch Sklavinnen und Sklaven Befreiung. Da goss sich der Geist Gottes aus über Parther und Meder und Elamiter und wie sie alle hießen. Heute würde man vielleicht sagen: über Hinz und Kunz; eben nicht nur über die in den Palästen, reich geschmückten Synagogen und Tempeln. Wie gesagt: Ich kann ihn verstehen, den Wunsch nach einer schönen feierlichen Kirche. Aber es lohnt sich doch, einmal darüber nachzudenken, an welchen Orten Gottes Geist mindestens genauso belebend wirkt wie bei unseren Feiern - und: wo unser Glaube sonst zum Tragen kommen kann. Ute Schulz ist Pastorin in der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Möllenbeck.



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