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Nach dem Zweiten Weltkrieg fand der Sühnestein an der Weser wieder einen würdigen Platz

Er rief: „Unter hundert nicht mal einen!“

Dieser aus hiesigem Sandstein gehauene Kreuzstein, mit den Maßen 135 x 72 Zentimeter, steht an dem früheren Verbindungsweg zwischen Haverbeck und Helpensen, 50 Meter vom Weserufer entfernt. Im rechten Unterteil herausgeschlagen, ist ein Hammer zu sehen, links ein an einem Stiel gekrümmter Haken, wobei es sich um ein Nageleisen handeln dürfte. Der Chronist der Haverbecker Chronik, Otto Koppe, weiß über den Stein Folgendes zu berichten:

Autor:

Friedr.-Wilh. Rekate-Plasser

Das ganze Geschehen spielte sich etwa vor 200 Jahren bei uns ab. Damals war es noch Brauch, als Handwerker für mehrere Jahre auf die Wanderschaft zu gehen. So kam auch ein Geselle aus Rinteln durch Haverbeck. Sein Ziel war die Stadt Hameln, wo er mehrere Monate bei einem Meister arbeiten wollte. Im Dorfkrug am Ortsausgang legte er eine kurze Rast ein. Er wollte noch vor Einbruch der Dunkelheit die Stadt erreichen. Also kehrte er zunächst in der Herberge ein. Der Mann selbst war von Beruf Nagelschmied oder wie man damals sagte, ein „Nagelpauscher“. Als er sich genügend mit Essen und Trinken gestärkt hatte, suchte der Geselle nach Geld und kramte in seinem Lederbeutel herum. Dabei klimperte er mit den Nägeln und rief auf einmal: „Unter hundert nicht mal einen!“ Die anwesenden Gäste aber glaubten, der Geselle meinte unter hundert Silberlingen, Pfennigen oder gar Talern wäre nicht einmal ein Groschen dabei. Endlich holte der Schmied ein Geldstück aus der Hosentasche und bezahlte seine Zeche. Dann verabschiedete er sich von dem Wirt und den anderen Leuten und zog seines Weges weiter durch die Masch zum Treidelpfad.

In der Mitte des Weges aber wurde der Nagelschmied von einem der Gäste aus der Herberge brutal überfallen und ermordet. Dieser glaubte nämlich auch, der Handwerksgeselle hätte hundert Goldstücke statt der Nägel in seinem Lederbeutel, und deshalb wollte er ihn berauben. Der Mörder aber wurde schnell gefasst, und seine Angehörigen mussten den Sühnestein an der Stelle der Untat aufstellen.

Im Laufe der Jahrzehnte geriet der Stein immer mehr in Vergessenheit, bis er nach dem Zweiten Weltkrieg an der heutigen Stelle wieder einen würdigen Platz fand.

Der Sühnestein zwischen Haverbeck und Helpensen.



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