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Staatsanwalt fordert 15 Jahre Haft für Hohenroder, der Nebenkläger lebenslänglich / Urteil am Montag

"Er hat seine Kinder dabei zusehen lassen"

Hohenrode/Bückeburg (ly). Im Prozess gegen Karl Heinz B. aus Hohenrode hat Oberstaatsanwalt Bodo Becker gestern 15 Jahre Haft und damit die Höchststrafe für Totschlag gefordert. Von der ursprünglichen Anklage, Totschlag im besonders schweren Fall, war Becker zuvor abgerückt. Darauf hätte lebenslange Haft gestanden.

Lebenslänglich beantragte dafür Dietmar Weyland. Als Anwalt der Nebenklage vertritt er die Mutter der mit mindestens 21 Axthieben getöteten Frau sowie deren fünf Kinder. Verteidiger Dr. Norman Inoue sah "nicht den denkbar schlimmsten Fall des Totschlags" und befürwortete eine Sanktion "im mittleren Bereich", ohne einen konkreten Antrag zu stellen. Der Strafrahmen liegt zwischen fünf und 15 Jahren. Das Urteil des Bückeburger Schwurgerichts wird am Montag, 30. Juli, um 9 Uhr verkündet. Im Schlusswort hatte sich B. erneut dazu bekannt, eine Woche nach der Silberhochzeit seine Frau (45) erschlagen zu haben. "Ich habe hemmungslos und hoffnungslos versagt", erklärte der Angeklagte. Zugleich wälzte er aber wiederum einen Teil seiner Schuld auf die Gesellschaft ab, sprach von "Mobbing im Dorf" und einer "Rufmord-Kampagne ohnegleichen". Zum Prozessauftakt hatte der 54-jährige "Künstler" den deutschen Lyriker Hölderlin rezitiert, gestern wählte er den russischen Schriftsteller Dostojewski ("Die Brüder Karamasow"). Vermutlich wünschten sich viele Zuhörer eine Verurteilung wegen Mordes. Aber so einfach ist das nicht. Sogar für Totschlag im besonders schweren Fall, der ebenfalls mit lebenslanger Haft bestraft werden kann, müssen zwei der insgesamt acht so genannten Mordmerkmale zumindest fast erreicht sein. Infrage kämen im Fall von Karl Heinz B. Heimtücke, Grausamkeit und niedrige Beweggründe wie Hass. Gegen Heimtücke scheint nach dem Gesetz zu sprechen, dass das Opfer von vorn erschlagen wurde, gegen Grausamkeit im juristischen Sinne, dass der 45-Jährigen vor dem Tod keine "schweren Leiden" zugefügt worden sind. Einem Rechtsmediziner zufolge war die Frau nach dem ersten Hieb benommen, nach dem zweiten bewusstlos. Der niedrige Beweggrund Hass schließlich müsste auf einer niedrigen Gesinnung beruhen, zum Beispiel Neid oder Rassenhass. Unterm Strich sieht Oberstaatsanwalt Becker dennoch "eine Tatschuld am oberen Ende des Strafrahmens". Sehr zu Lasten des Angeklagten falle, "dass er seine sieben und elf Jahre alten Kinder bei den ersten Hieben hat zusehen lassen". Im Gegensatz zu Becker erkennt Verteidiger Inoue "gewichtige Gründe" für eine Milderung, vor allem die Alkoholisierung seines Mandanten zur Tatzeit, laut Gutachter bis zu drei Promille. Von einer "brutalen Tat, getragen vom unbedingten Vernichtungswillen" sprach Opferanwalt Weyland. Fehlende Mordmerkmale würden durch extreme Verwerflichkeit ausgeglichen. "Die Kinder", sagte Weyland, "haben ihre Mutter verloren, den Vater und das Zuhause."

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