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Vor Gericht: Schwester des Opfers belastet den Angeklagten

"Er hat es gerne etwas härter"

Bückeburg (ly). Im Würger-Prozess um den Tod am Bornbrink hat die Schwester des Opfers gestern den Angeklagten belastet. Vor dem Schwurgericht tritt die Bückeburgerin als Nebenklägerin auf. Als Zeugin berichtete sie, von dem Handwerker (43), den sie seit einigen Jahren kennt, während einer privaten Feier körperlich angegriffen worden zu sein.

"Ganz unvermittelt packte er mich am Hals und schmiss michüber ein Sofa", so die 43-Jährige. Zwei andere Männer seien dazwischen gegangen, "weil er wieder auf mich los wollte". Auf eine entsprechende Frage der Vorsitzenden Richterin Dr. Birgit Brüninghaus bestätigte die Schwester: "Ja, ich hatte Angst vor ihm." Bei der Lebensgefährtin des Angeklagten will die Zeugin außer Verletzungen, die offenbar von Fahrradstürzen im Suff stammen, auch blaue Flecken an beiden Oberarmen gesehen haben. "Er hat es gerne etwas härter", soll die Verlobte daraufhin einmal erklärt haben. Am dritten Verhandlungstag hat das Opfer gestern durch die Aussage der Schwester zum ersten Mal so etwas wie ein Gesicht bekommen. Rund 25 Jahre war die Frau verheiratet. Die Ehe, aus der zwei Kinder hervorgegangen sind, ist gescheitert. Ebenfalls 25 Jahre war die frühere Kleinenbremerin Krankenschwester. "Eine sehr gute", wie ihre Schwester betonte, die denselben Beruf hat. Nicht leugnen lässt sich, dass die Bückeburgerin in den letzten Jahren ihres Lebens ein großes Problem hatte: "Sie war dem Alkohol verfallen." Vorgeworfen wird dem angeklagten Handwerker, in der Nacht zum 10. Oktober 2006 seine damalige Geliebte (49) in deren Wohnung am Bornbrink beim Geschlechtsverkehr erwürgt zu haben. Am Nachmittag des 12. Oktober war die Leiche auf dem Bett gefunden worden, nachdem eine aufmerksame Nachbarin die Polizei alarmiert hatte. Angeklagt ist der Mann wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Im Fall eines Schuldspruchs erscheint aus Sicht der Staatsanwaltschaft zwischenzeitlich auch Totschlag denkbar, was wohl härter bestraft würde. Nach seiner Festnahme im Oktober 2006 hatte der Angeklagte einige Monate in Untersuchungshaft gesessen. Zurzeit ist er auf freiem Fuß. Der 43-Jährige, vorbestraft wegen Vergewaltigung, bestreitet die Vorwürfe. Fortgesetzt wird der Indizienprozess am Donnerstag, 24. Januar, um 9 Uhr. Die Verhandlung ist öffentlich. Ein Urteil wird nicht vor Februar erwartet.

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