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Nach Witte-Rücktritt: Vorsitzender des Arbeitskreises Einzelhandel beklagt Trittbrettfahrer-Mentalität

Engel liest seinen Händlerkollegen die Leviten

Bad Münder (mf). Innerhalb der Wirtschaftsvereinigung (WV) wird weiter lebhaft über den angekündigten Rücktritt von Petra Witte diskutiert (wir berichteten). Einzelhandelssprecher Michael Engel hat sich gestern demonstrativ hinter die scheidende Vorsitzende gestellt. Gleichzeitig übte er scharfe Kritik an den eigenen Kollegen. Viele aus der Kaufmannschaft lehnten sich bequem zurück und überließen anderen die Arbeit. Mit dieser „Trittbrettfahrerei“ müsse endlich Schluss sein, fordert Engel.


Er widerspricht der Einschätzung des ehemaligen WV-Chefs Peter Nehmann, wonach es Witte offenbar nicht gelungen sei, die Kaufleute in der Innenstadt zum Mitmachen zu motivieren. Das Gegenteil sei der Fall, so Engel – zumindest anfangs. „Nach ihrem Amtsantritt vor zwei Jahren ging ein positiver Ruck durch den Einzelhandel“, erinnert sich Engel. Witte habe festgefahrene Strukturen aufgebrochen und sich in dem von ihm selbst geleiteten Arbeitskreis Einzelhandel engagiert. „Das gab es vorher noch nie. Obwohl wir die größte Gruppe innerhalb der Wirtschaftsvereinigung sind, hat sich vorher noch nie ein Vorstand so für uns interessiert“, so Engel.

Binnen weniger Wochen habe die Vorsitzende es geschafft, mehr als 20 Händler an einen Tisch zu holen und neue Aktionen, wie das Moonlight-Shopping, zu initiieren. Allmählich sei die Beteiligung dann aber wieder schwächer geworden. Immer mehr Kaufleute hätten sich zurückgezogen, sodass die Arbeit schließlich an einem harten Kern von etwa sechs Geschäftsleuten hängen geblieben sei – nur noch unterstützt von der Wirtschaftsförderung.

„Hier liegt das Hauptproblem: Viele Geschäftsleute haben keine Lust, ihre Freizeit zu opfern und sich für ihre eigene Existenz und die Stärkung des Standortes stark zu machen“, schimpft Engel und unterstellt fehlenden Weitblick. Es könne nicht angehen, dass die Mehrheit der Ladeninhaber „sich nicht einbringt und nur als Trittbrettfahrer zu den Events ihre Türen öffnet und sich daran bereichert“. Wenigstens ein Dankeschön oder ein paar aufmunternde Worte hätten Witte und ihre Mitstreiter verdient gehabt. Stattdessen werde gemeckert oder die Vorsitzende sogar noch beschimpft.

Viele Händler hätten nicht begriffen, dass jeder einen Teil zum Überleben der Innenstadt beitragen müsse, so Engel. Angesichts der anhaltenden Demotivation könne er Wittes Rücktrittsentschluss gut nachvollziehen. Er fürchte allerdings, dass nun auch die letzten aktiven Mitglieder den Mut verlieren, sich zu engagieren. In der jüngsten Zusammenkunft hätten einige von ihnen bereits angekündigt, sich ebenfalls zurückziehen zu wollen. Bei Engel schrillen nun alle Alarmglocken – schließlich sei die Wirtschaftsvereinigung kein Verein wie jeder andere. „Es geht um Arbeitsplätze, Existenzen und die dauerhafte Sicherung der Innenstadt.“



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