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Endgültig: Völksen verlässt die SPD

Bad Münder. Sie hat es getan: Anja Völksen ist aus der SPD ausgetreten. Am Ostermontag habe sie eine entsprechende Erklärung per Fax an das Unterbezirksbüro der Partei in Hameln geschickt, bestätigte die Noch-Fraktionschefin gestern auf Anfrage.

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Damit hat die Brullsenerin endgültig die Konsequenzen aus einem monatelangen, beispiellosen Streit mit einer Gruppe von Genossen um Stadtverbandschef Heinrich Söfjer gezogen. Der Schritt sei ihr sehr schwer gefallen, machte Völksen spürbar bewegt deutlich. „Am 24. September hätte ich der Partei genau 30 Jahre angehört. Ich komme aus einem zutiefst sozialdemokratischen Elternhaus. Meine Mutter war als SPD-Mitglied viele Jahre Bürgermeisterin von Afferde. Da fällt einem eine solche Entscheidung nicht leicht.“ Sie habe deshalb bis zuletzt gehofft, „dass wir uns wieder zusammenraufen. Vergeblich – jetzt gibt es nur noch Verlierer.“

Völksen hatte bereits vor knapp drei Wochen in einer E-Mail ihren „Austritt mit sofortiger Wirkung“ bekannt gegeben, sich dann allerdings überreden lassen, ihre Entscheidung noch einmal bis Ostern zu überdenken. Ihr Vorgänger an der Fraktionsspitze, Rolf Wittich, hatte sich als Vermittler in dem Konflikt angeboten.

Doch auch ihm gelang es nicht, die Fehde zu befrieden. Nach zunächst einigen Telefonaten mit dem Stadtverbandsvorsitzenden habe Söfjer schließlich in schriftlicher Form den Vorschlag für ein klärendes Gespräch abgelehnt – mit der Begründung, es sei schon alles gesagt, so Wittich enttäuscht. Das aus seiner Sicht niederschmetternde Ergebnis seiner Bemühungen habe er kurz vor Ostern dann Völksen mitgeteilt.

„Ich warte jetzt noch auf ein Bestätigungsschreiben des Unterbezirks, dann werde ich auch meine Ämter in der Fraktion niederlegen“, kündigte die Politikerin an. Den Gefallen, auch gleich noch das Ratsmandat zurückzugeben, werde sie ihren Widersachern jedoch nicht tun. „Ich bin zwar von der SPD aufgestellt worden, aber von den Bürgerinnen und Bürgern gewählt. Das war eine Konstellation, von der beide Seiten profitiert haben. Die SPD kann mir sicherlich auch dankbar sein, dass ich für sie einige Stimmen geholt habe“, demonstriert sie Selbstbewusstsein. Als Parteilose wolle sie künftig bei Abstimmungen allein ihrem Gewissen folgen, kündigte sie an.

Ob ihre Abkehr von der SPD endgültig ist, lässt Völksen offen. „Jetzt ist die Tür erst einmal zugeschlagen. Es kann aber gut sein, dass ich irgendwann wieder in die Partei eintreten werde.“

„Konsterniert und traurig“ sei er angesichts des Scherbenhaufens, bekennt ein langjähriges Parteimitglied. Die mündersche SPD stecke in der tiefsten Krise ihrer Geschichte.

Öffentlich geworden war diese im vergangenen Sommer durch einen Brandbrief von Ratsherr Thomas Konior. Darin hatte er dem Stadtverbandsvorstand einen diktatorischen Führungsstil vorgeworfen. Mittlerweile haben sich zwei Lager herausgebildet, die sich in herzlicher Abneigung gegenüberstehen und auch vor persönlichen Anfeindungen nicht Halt machen.

Mit Völkens angekündigter Aufgabe des Fraktionsvorsitzes ist der nächste Schlagabtausch unterdessen vorprogrammiert. Die spannende Frage wird sein, ob jemand aus ihrem Umfeld die Nachfolge antreten wird oder ob sich die Gruppe um Söfjer durchsetzen kann. Dessen Gefolgsleute, zu denen Beobachter vor allem die Vorstandskollegen Axel Drömer (Bad Münder), Hans Müller (Egestorf) und Martina Hilger (Bakede) zählen, haben allerdings das Handicap, zumeist nicht dem Rat anzugehören.



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