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Das neue Elterngeld kann direkt im Rathaus beantragt werden / Nicht mehr als 1800 Euro im Monat

Elterngeld: Vorteile für berufstätige Eltern

Rinteln (cok). Etwa 30 Kinder sind in diesem Jahr bisher in Rinteln geboren worden. Wenn ihre Eltern das neu eingeführte "Elterngeld" beantragen wollen, dann müssen sie dafür nicht in die Kreisstadt Stadthagen fahren, sondern können sich im Rathaus vor Ort an Menhardis Weber wenden. "Bisher habe ich erst 20 Anträge bearbeitet", erläuterte sie jetzt in einem Gespräch. "Ich hoffe, dass die noch fehlenden Antragsteller sich rechtzeitig innerhalb der Dreimonatsfrist melden. Sonst gibt es nämlich keine rückwirkenden Auszahlungen!"

Das Elterngeld ersetzt seit Januar 2007 das "Erziehungsgeld". Es fördert nicht mehr, wie zuvor, Hausfrauen, die keinen Beruf ausüben, sondern richtet sich an berufstätige Mütter (und Väter), die eine Babypause machen und dabei zwölf Monate lang 67 Prozent ihres letzten Nettoeinkommens erhalten. "Das Elterngeld ist keine Sozialleistung", betont Menhardis Weber. "Man sollte es unbedingt in Anspruch nehmen. Es trägt dazu bei, dass sich Berufstätigkeit und Familienleben besser vereinbaren lassen." Dass Eltern ihre Ansprechpartnerin direkt in Rinteln finden können, liegt daran, dass die Stadt Rinteln, als einzige selbständige Gemeinde im Landkreis, einen entsprechenden Antrag gestellt hat und das mit einstimmiger Unterstützung des Stadtrates, der den Bürgern unbedingt diesen Service bieten wollte. Für Menhardis Weber, die zuvor für die Bearbeitung der "Erziehungsgeld"-Anträge verantwortlich war, ist die Sache mit dem Elterngeld noch längst keine Routine geworden. Eine spezielle Computersoftware sorgt dafür, dass jeder Einzelfall seinen richtigen Weg geht. Ganz unkompliziert ist die jeweilige Berechnung nämlich nicht, je nachdem, ob man Geringverdiener ist, vorher in Teilzeit gearbeitet hat, selbständig war oder zum Beispiel auch gleich nach der Geburt in Teilzeit weiterarbeiten will. Auch kleine Geschwisterkinder werden mitgerechnet. Für manche Antragsteller kann es auch eine herbe Enttäuschung geben. Während das Elterngeld für Familien mit zwei berufstätigen Eltern durch die einkommensabhängige Auszahlung eindeutig Vorteile bringt, stellt sich für nicht-erwerbstätige Eltern heraus, dass sie sogar weniger Geld bekommen als mit dem "Erziehungsgeld". Der Sockelbetrag ist zwar der gleiche, nämlich 300 Euro. Beim Erziehungsgeld aber wurde er 24 Monate lang gewährt und nicht nur ein Jahr, wie jetzt das Elterngeld. "Manche waren richtig geschockt", so Menhardis Wenzel. Andere aberüberlegen noch, ob nicht nur ein Elternteil, sondern beide eine Babypause machen sollten. Für zwei Monate wird zusätzlich gezahlt, wenn nicht nur die Mutter (was meistens der Fall ist) mit dem Beruf aussetzt, sondern auch der Vater zumindest zeitweise mitmacht. "Das muss man aber zum Glück nicht sofort entscheiden", erläuterte die Sachbearbeiterin. "Manchmal stellt sich erst im Laufe der Zeit der Wunsch heraus, wie man die dann insgesamt 14 Monate untereinander aufteilt." Zu Bedenken ist dabei, dass es eine Einkommensbemessungsgrenze gibt. Mehr als 1800 Euro pro Monat werden nicht ausbezahlt. Ob diese neuen Regelungen tatsächlich zu einer Geburtensteigerung beitragen, wie es vom Staat, der das Elterngeld finanziert, erhofft wird, das wagt Menhardis Wenzel zu bezweifeln. Der Förderungszeitraum von höchsten 14 Monaten sei dazu viel zu knapp bemessen: "Für diejenigen aber, die sowieso Kinder haben wollen, ist es eine tolle Sache."

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