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Vor Gericht: 24-Jähriger soll einsitzen

Elf Monate Haft nach zwei Kopfnüssen

Stadthagen (menz). Mit der Justiz hat ein junger Stadthäger in den letzten Jahren einige Erfahrungen sammeln können, an einem Warnschuss hat es nicht gefehlt. Zwei Jahre Jugendstrafe wegen Drogengeschichten waren zuletzt auf Bewährung ausgesetzt worden. Ein umfassendes Geständnis hat den heute 24-Jährigen damals vor dem Gefängnis gerettet. Darum soll er jetzt nach dem Urteil des Strafrichters am Amtsgericht nicht mehr herumkommen.

Wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen verhängte Kai-Oliver Stumpe eine Gesamtstrafe in Höhe von elf Monaten, und die soll der Stadthäger auch absitzen. Angesichts einer "ungünstigen Sozialprognose" stand für den Richter eine Strafaussetzung nicht zur Debatte. Es gelte die Gesellschaft vor Intensivtätern zu schützen, formulierte er in der Urteilsbegründung. Eingehandelt hat sich der 24-Jährige die Haftstrafe mit einer Kopfnuss gegen einen jungen Mann am Rande der Abifete in der Festhalle und einer ebensolchen Attacke gegen einen Jugendlichen auf dem vorjährigen Erntefest in Meerbeck (wir berichteten). Vor diesem Hintergrund setzte der Amtsrichter auch auf die abschreckende Wirkung seines Urteils und bezog sich dabei auf zunehmende Gewaltexzesse im Umfeld öffentlicher Feiern, in aller Regel in Verbindung mit Alkohol. Zwei Verhandlungstage, ein Dutzend Zeugen, die Justiz hat weder Kosten noch Mühen gescheut, die Anklagevorwürfe aufzuklären. Die Aussagen der zwei Geschädigten, im Zusammenhang mit "schwer belastenden Indizien", überzeugten den Richter am Ende von der Schuld des Stadthägers. Dessen Alkoholisierung mochte Stumpe dabei nicht strafmildernd berücksichtigen; der Angeklagte habe nicht zum ersten Mal getrunken und habe wissen müssen, dass er dann zu Aggressionen neigt. Zugunsten des 24-Jährigen wurde lediglich berücksichtigt, dass die Opfer glimpflich davongekommen waren, bei der Verurteilung wurden deshalb minderschwere Fälle der gefährlichen Körperverletzung angenommen. Der Stadthäger hatte die Vorwürfe stets bestritten und sein Verteidiger sah in dem Strafverfahren "ein Lehrstück des Grundsatzes, im Zweifel für den Angeklagten." Mit Hinweis auf Ungereimtheiten, Widersprüche und Lügen, begründete Rechtsanwalt Volkmar Wissgott die Forderung nach einem Freispruch. Hilfsweise, für den Fall eines Schuldspruches, hatte der Verteidiger "gute Gründe" für eine Strafaussetzung gesehen, und sich "ausdrücklich" auf das Plädoyer des Staatsanwaltes berufen. Dieser wäre vor allem wegen der Berufsausbildung, in der sich der Stadthäger befindet, mit einer Bewährungsstrafe zufrieden gewesen. Wegen Wiederholungsgefahr wollte Stumpe die "moralische Verantwortung" für eine Bewährung nicht tragen, die müssten gegebenenfalls die Kollegen am Landgericht übernehmen. Dass der Angeklagte in Berufung gehen wird, stand für den Amtsrichter auch schon fest, "ich bin da realistisch", sagte er.




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