weather-image
Raucher weichen auf günstigere Alternative aus / Gesundheitliche Auswirkungen noch nicht bekannt

Elektrische Zigaretten sind in aller Munde

Bad Münder (lil). Zigaretten werden immer teurer – die nächste Erhöhung der Tabaksteuer kommt zum 1. Januar 2012. Wer nicht aufhören will, steigt auf die elektrische Zigarette – oder E-Zigarette – um. „50 Prozent meiner Kunden wollen mithilfe der E-Zigarette aufhören, die andere Hälfte sieht es als Möglichkeit, günstiger zu rauchen“, weiß Herbert Linke, Filialleiter des Tabakwarengeschäfts M. Niemeyer in Bad Münder.

270_008_5072670_lkbm_0101_1512_E_zigarette.jpg

Seit August hat er die Neuentwicklung im Sortiment. „Da ist ein enormer Run drauf“, sagt er. „Wir können gar nicht so viel ranziehen, wie die Leute nachfragen.“ Rund 60 bis 80 „Maschinen“, wie Linke die E-Zigarette nennt, gehen pro Monat über seine Ladentheke.

Der „echten“ Zigarette abgeschworen hat auch der 36-jährige Alpaslan Celik. „Ich habe 18 Jahre lange eine Schachtel am Tag geraucht“, sagt er. „Es ist weniger schädlich, man spart viel und kann überall rauchen“, findet er. 60 Euro habe er für die E-Zigarette bezahlt. Diese besteht aus einer Stromquelle, einem elektrischen Vernebler, einer auswechselbaren Kartusche mit einer Flüssigkeit und einer Steuerungselektronik. Wird am Mundstück gesogen, aktiviert ein Sensor automatisch die Zigarette, und die Flüssigkeit wird unter Wärmeeinwirkung von Temperaturen bis zu 65 Grad vernebelt. Das dabei entstehende, als feiner Nebel sichtbare, Aerosol wird vom Raucher eingeatmet. Zieht er nicht mehr am Mundstück, schaltet sich der Glimmstängel aus. Je nach Konsum muss der Akku der E-Zigarette schneller oder weniger schnell über ein Netzteil oder einen USB-Anschluss aufgeladen werden.

Die Flüssigkeit, mit der die E-Zigarette, befüllt wird, heißt „Liquid“. Diese gibt es in vier Nikotinstärken und mit verschiedenen Aromen – von Käsekuchen über Waldmeister bis hin zu Weinbrand-Cola. „Kaffee ist mein Favorit“, sagt Celik. „So eine kleine Flasche hält eine Woche und kostet fünf bis sechs Euro.“ Ihre Nikotinsucht mit der E-Zigarette besiegen will Celiks Kollegin Nuray Dince. „Demnächst werde ich den Nikotingehalt nicht mehr brauchen“, so die 44-Jährige.

„Die meisten meiner Kunden, die die E-Zigarette getestet haben, sind begeistert“, sagt Eberhard Arlt, der einen Tabakwarenladen in Bad Münder betreibt. „Das Handicap ist, dass es keine abschließenden gesundheitlichen Untersuchungen gibt.“

„Die Flüssigkeit in den Kartuschen, die als Aerosol inhaliert wird, besteht bis zu 90 Prozent aus Propylenglykol. Dies ist als Zusatzstoff für Nahrungsmittel und Kosmetikprodukte zugelassen und gilt in dieser Verwendung als ungefährlich“, so Dr. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg. „Unklar ist aber, ob Substanzen wie Propylenglykol, die für die orale Aufnahme als unbedenklich gelten, auch bei wiederholter, langfristiger Inhalation ungefährlich sind.“ Als gesunde Alternative gilt die E-Zigarette somit keinesfalls. „Die kurz- und langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen sind nicht ausreichend erforscht. Insbesondere aufgrund des hohen Abhängigkeitspotenzials des in E-Zigaretten enthaltenen Nikotins sind sie als gesundheitlich bedenklich zu bewerten“, so Pötschke-Langer

„Wer aufhören will, dem rate ich von E-Zigaretten ab“, sagt Dr. Egbert Schaefer, Chefarzt im Klinikum Springe. „Zur psychischen Abhängigkeit kommt die physiologische Abhängigkeit: Diese wird durch das in der Hand halten und die orale Befriedigung aufrecht erhalten.“



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt