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Veränderungen auf Nordhalbkugel haben Entwicklung in der Antarktis möglicherweise weniger beeinflusst als gedacht

Eisbohrkerne liefern neue Einblicke in Klimageschichte

Bremerhaven. Klimaveränderungen auf der Nordhalbkugel haben die Eisentwicklung in der Antarktis möglicherweise weniger beeinflusst, als jahrzehntelang von Forschern angenommen wurde. Das zeigen neue Analysen von Eisbohrkernen am Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI).

Autor:

Wolfgang Heumer

Langfristige Temperaturschwankungen in der Antarktis könnten auch durch lokale Klimaveränderungen auf der Südhalbkugel ausgelöst worden sein, schreiben drei Physiker des Alfred-Wegener-Institutes im britischen Fachjournal „Nature“.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gilt die Theorie eines Zusammenhangs zwischen Norden und Süden. Bei ihrer neuen Beurteilung betrachteten die drei Wissenschaftler erstmals den besonders starken Einfluss der Wintertemperaturen auf das Klimageschehen in der Antarktis. Dieser ist deutlich größer als der Einfluss der Sommertemperaturen in der Region. „Im Ergebnis ist zu sehen, dass dieser Einfluss genauso als Ursache angesehen werden kann wie der bis jetzt vermutete Zusammenhang zwischen Norden und Süden“, sagte der Physiker Martin Werner weiter.

Auf der Basis von Berechnungen des serbischen Mathematikers Milutin Mlankovitch hatten die meisten Wissenschaftler bislang vermutet, dass Veränderungen in der Sonneneinstrahlung im Norden nahezu parallel Klimaveränderungen im Süden auslösten. Dem Norden wurde der erdkugelumspannende Einfluss wegen seiner größeren Landmassen zugeschrieben. Zahlreiche Klimarekonstruktionen auf der Basis von Eisbohrkernen, Meeressedimenten und anderen „Klimaarchiven“ schienen diese Theorie zu stützen.

Allerdings gab es bislang keine physikalische Erklärung, wie der Zusammenhang funktionieren könnte. Die neuen Erkenntnisse stellten die alten Ansichten zwar nicht völlig infrage. „Wir haben aber ein kräftiges Indiz gefunden, dass man früher einfach falsch gedacht hat“, sagte Werner. Die Klimaveränderungen, mit denen sich die Wissenschaftler beschäftigten, vollzogen sich in einem Zyklus von Zehntausenden oder sogar Hunderttausenden Jahren. Mit dem aktuellen, wahrscheinlich vom Menschen verursachten Klimawandel hätten diese Veränderungen nichts zu tun, sagte Ralf Röchert, Sprecher des Bremerhavener Alfred-Wegener-Institutes.




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