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Einspruch gegen Baugenehmigung wird geprüft

Bad Münder. „Maststallgegner formieren sich“ könnte seit Monaten die Überschrift jeder Berichterstattung über den geplanten Bau in Nettelrede heißen – dieser auch. Wie berichtet, hat der Landkreis Hameln-Pyrmont Landwirt Alfred Wente mit einem Schreiben vom 15. Oktober die Baugenehmigung zur Errichtung einer Schweinemastanlage für 1200 Tiere am Ortsrand von Nettelrede erteilt. Die Reaktion der Gegner erfolgte prompt. Wie jetzt bekannt wurde, hat sich eine „breite Allianz zur gemeinsamen weiteren Vorgehensweise verabredet“, wie es in einer Mitteilung heißt.

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Alle Betreiber der nahe am geplanten Maststall gelegenen Kliniken, der Bildungsstätten und Schulungseinrichtungen aus Bad Münder, die neu gegründete Bürgerinitiative „Deister-Sünteltal gegen Massentierhaltung“, die unmittelbar in der Nachbarschaft betroffenen Einwohner aus Nettelrede, proMut (Verein für Menschen, Umwelt, Tiere) aus Springe sowie der LBU Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen haben sich bei einem Treffen auf eine gemeinsame Vorgehensweise geeinigt.

„Wir werden die Genehmigung jetzt dahingehend prüfen, ob eine juristische Auseinandersetzung Erfolg versprechend ist“, erklärt Michael Hettwer vom Landesnetzwerk Niedersachsen, das als Sprachrohr für 130 Bürgerinitiativen fungiert. Erklärtes Ziel sei es, alle Möglichkeiten auszuloten, um die Maststallanlage mit einem fundierten Widerspruch doch noch zu verhindern.

Dr. Jürgen Borghardt von der Deister-Süntel-Klinik hält die Verbindung zwischen den betroffenen Anrainern an der

Deisterallee. Er setze sich zwar gegen den Bau des Maststalls ein, macht aber ganz deutlich: „Hier ist kein Kleinkrieg im Gange. Uns geht es um die Gesundheit der Patienten und die Wissenschaft muss klären, ob diese durch solch eine Anlage in Gefahr wäre.“ Die Lage sei kompliziert, weil es in Deutschland keinen vergleichbaren Fall gebe.

„Ich kann nicht nachvollziehen, dass der Landkreis diese spezielle Situation nicht beachtet hat“, sagt auch Hettwer, der das Landesnetzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ im vergangenen Jahr gegründet hat. Er könne sich das nur so erklären, dass der Tod von Landrat Rüdiger Butte eine große Lücke hinterlassen habe, „und die Verwaltung kopflos zurückgeblieben ist“.

Besonders die von der Behörde vertretene Auffassung, dass die Errichtung der Schweinemastanlage unbedenklich sei und zu keinen nachhaltigen Veränderungen zulasten der betroffenen Nachbarn führe, wird von allen Beteiligten angezweifelt.

Hettwer wirft dem Landkreis vor, „unsensibel“ vorgegangen zu sein und fürchtet um die Existenz der Kliniken. „Durch die Power der großen Allianz und unserer Erfahrung können wir mehr bewegen, als ein Einzelner das könne“, sagt Hettwer, der mit seinem Netzwerk in diesem Jahr bereits den Bau von 20 Mastställen verhindert habe – die Situation in Bad Münder sei jedoch einzigartig und von bundesweiter Bedeutung.

Gegen die Genehmigung besteht die Einspruchsfrist von einem Monat. „Bis dahin wissen wir mehr“, sagt Borghardt.col

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