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Blick hinter die Kulissen des Staatsarchives / Dr. Stefan Brüdermann gibt kleine Einführung in die Ahnsenforschung

Einmalige historische Schätze auf Papier und Pergament

Bückeburg (mig). Von der Abdankungsurkunde des Landesherrn bis zur Propagandapostille der Alliierten - für die Teilnehmer der Sommer-Aktion unserer Zeitung erschlossen sich spannende Lokal-Geschichte(n) auf Papier und Pergament. Geleitet wurde die Führung durch das Niedersächsische Staatsarchiv von Dr. Stefan Brüdermann, der die Teilnehmer mit den umfassenden Recherchemöglichkeiten im Archiv vertraut machte und sie später auch in die Ahnenforschung einführte.

Besuch im Staatsarchiv: Viele Fragen gab es am Dokumententisch.

Der Archivar begrüßte die Besucher zwischen Bergen von Akten, Flurbüchern und Katasterplänen: "Ich möchte Sie hinter die Kulissen des Staatsarchivs führen, wo sie sonst nicht hinkommen", versprach er seinen Gästen. Anschließend erläuterte er die Arbeitsweise des "historischen Zentrums der Region" und gab einen kurzen Einblick in die Funktion der sieben niedersächsischen Staatsarchive (Konservierung von Behördenakten). Ganz nebenbei bestätigte Brüdermann auch ein hartnäckiges Vorurteil: "Oft produzieren Behörden so viel Papier, dass eine gute Auswahl besonders wichtig ist". Ein Freund grenzenloser Digitalisierung ist Brüdermann trotz geringer Kosten aber nicht: "CD-Roms halten nur etwa 20 Jahre, das ist keine Größenordnung". Papier sei deutlich haltbarer. "Es war eben doch nicht alles so schlecht, was früher gut war", freute sich ein Besucher. Um einige derältesten und wertvollsten Urkunden des Archivs - eine Privilegierung Möllenbecks aus dem Jahr 894, ein päpstliches Dokument und eine Kaiserurkunde - vorzuführen, streifte sich der Archivar anschließend die obligatorischen Handschuhe über. Vorsichtig zeigte er Hilfslinien und erläuterte den Unterschied zwischen Papst- und Kaiserdokument. Ebenfalls besonderes Interesse weckte die U-Boot-Zeichnung von Praetorius aus dem Jahr 1762. "Angeblich gab es auch einen Tauchversuch, darüber haben wir aber keine Unterlagen", bedauerte Brüdermann. Neben den historisch bedeutsamen Unterlagen, hat das Archiv aber auch einige Kuriositäten zu bieten. "Ich soll dem Herrn Katasterdirektor keinen Ärger machen", stand 500 mal auf einem undatierten Dokument zu lesen, ein anderes Papier zeigte gefälschte Essensmarken (zweiter Weltkrieg). Zum Abschluss der Führung ging Brüdermann dann zu dem Thema über, das viele schon sehnsüchtig erwartet hatten: die Ahnenforschung. "Für Familienforscher haben wir beispielsweise die Kirchenbücher aus ganz Schaumburg auf Mikrofilm", erläuterte er den Gästen. Sein Tipp: "Mit Steuerlisten kommt man oft noch bis vor den 30-jährigen Krieg zurück". Für neun Euro kann man sich im Bestand des Staatsarchivs umsehen, ein Teil der Findebücher ist aber auch von zu Hause aus im Internet einsehbar (www.aidaonline.niedersachsen.de). Sonja Hansen hat der Besuch im Niedersächsischen Staatsarchiv so gut gefallen, dass sie sicher wiederkommen wird. "Es war wirklich sehr interessant hier", sagt sie. Die Bückeburgerin sieht die spannende Führung als ersten Ansatzpunkt in der Erforschung der eigenen Familie. "Wir haben Verwandte sogar in Amerika".

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