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Bei der Weltmeisterschaft der Tierpräparatoren erreicht Carsten Grobek vier dritte Plätze

"Einen halben Millimeter zu weit auseinander"

Rolfshagen (rnk). Nicht auf den ersten, aber auf den zweiten Blick war Carsten Grobek eines ganz klar: "Weltmeister werde ich hier nicht." Hier, das war dasösterreichische Salzburg, wo vor kurzem die Weltmeisterschaften für Tierpräparatoren ausgetragen wurden - die Meister der ganzen Welt ermitteln ihre Besten, für Grobek wurde mit der Teilnahme ein lang gehegter Wunsch Wirklichkeit. Und, nein, Weltmeister ist er nicht geworden, aber er hat mit seinen vier präparierten Tieren jeweils einen dritten Platz belegt.

"Das bedeutet nun aber nicht, dass ich der drittbeste Tierpräparator der Welt bin", erklärte der Rolfshäger jetzt im Pressegespräch. Nicht? "Nein, denn es wird nach Punkten gewertet. Wer innerhalb einer bestimmten Punktzahl liegt, hat dann automatisch einen ersten, zweiten oder dritten Platz", sagt Grobek. Dass es dann nicht zu ei- nem zweiten oder ersten Platz gereicht hat, liegt nicht etwa an der fehlenden Handwerkskunst von Grobek, sondern an den ungleichen Rahmenbedingungen. Er erklärt dies am Beispiel des Berliner Naturkundemuseums, das bei der Weltmeisterschaft bei den Titeln richtig abgeräumt habe: "Dort gibt es ganz andere wissenschaftliche Möglichkeiten, es kann auf der Basis der neuesten Erkenntnisse gearbeitet werden, außerdem haben die Mitarbeiter Zeit ohne Ende." Das sieht bei Grobek naturgemäß anders aus. Er ist selbstständig, "ich bin in der freien Wirt- schaft", formuliert er es. Wenn er sich seinen WM-Präparaten widmet, ist das sein Hobby, Einnahmen gibt es in dieser Zeit nicht. Vier Tage hat er jeweils für jedes seiner Präparate benötigt, die Bild-Vorlagen hat er sich aus dem Internet beschafft. Bei der Begutachtung der Jury konnte Grobek dann feststellen, dass die Farbechtheit dort zuweilen etwas fragwürdig ist: Die Beine seines Haussperlings waren eine winzige Nuance zu dunkel. "Außerdem standen die Schwanzfedern wohl einen halben Millimeter zu weit auseinander". Grobek hat die Jury-Entscheidungen gelassen genommen, es ist wie beim Fußball: Den einmal gegebenen Elfmeter nimmt der Schiedsrichter nie zurück. 300 Präparatoren aus aller Welt haben über 500 Exponate der Jury zur Wertung vorgelegt, darunter auch sieben deutsche Kollegen - von geschätzten 150 Präparatoren, die es in Deutschland gibt. Warum waren nicht mehr von ihnen in Salzburg vertreten? Grobek meint die Antwort zu kennen: "Weil sich nicht jeder diesen Einnahmeausfall leisten kann und weil der eine oder andere auch Grund genug hat, sich besser nicht mit der Konkurrenz zu ver- gleichen." Carsten Grobek, für den die Weltmeisterschaften in Österreich zugleich Weiterbildung waren, weil viele Großmeister nebenbei interessante Seminare anboten, braucht den Vergleich nicht zu scheuen: Vier dritte WM-Plätze sind auf jeden Fall ein klarer Nachweis dafür, dass der Mann aus dem Auetal sein Handwerk erstklassig versteht.




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