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Der Nachimpressionist Hans Müller-Strelar hat viele Jahre in Hameln gelebt und gearbeitet

Eine vergessene Malerpersönlichkeit

Die Weserstadt Hameln als Künstlerort und Malerwirkungsstätte ist noch nicht einmal im Ansatz erfasst, geschweige denn wissenschaftlich aufgearbeitet. Zwar hat es hier in Hameln in den 1930er Jahren Anfänge gegeben, auch Malerausstellungen, doch es unterblieb hier, alle lebenden Maler mit einzubeziehen oder gar ältere Künstler zu registrieren. Eine vergessene Malerpersönlichkeit dieser Zeit ist Professor Hans Müller-Strelar.

Autor:

Teja Hohensee

Die Weserstadt Hameln als Künstlerort und Malerwirkungsstätte ist noch nicht einmal im Ansatz erfasst, geschweige denn wissenschaftlich aufgearbeitet. Zwar hat es hier in Hameln in den 1930er Jahren Anfänge gegeben, auch Malerausstellungen, doch es unterblieb hier, alle lebenden Maler mit einzubeziehen oder gar ältere Künstler zu registrieren. Eine vergessene Malerpersönlichkeit dieser Zeit ist Professor Hans Müller-Strelar. Der hauptsächlich in Berlin arbeitende Künstler gehört zu den Reisemalern, welche die Weserstadt zumeist nur in den Sommermonaten besuchen und nicht in Hameln anzutreffen sind; hier in Hameln jedoch ein ganz beachtliches Werk hinterlassen.

Es muss um das Jahr 1897 herum gewesen sein, als der Maler das Wesergebiet bereist und malerisch für sich entdeckt und spätestens um 1900 ein Gemälde des Hohensteins malt. Zuvor und zwischendurch ist der Künstler aber auch in der Schweiz, in Süddeutschland, Italien, Norwegen, Schlesien, Pommern, Brandenburg und Mitteldeutschland tätig. Vor allem als Stadtmaler in Berlin nachweisbar. Aber auch als Zeichner und Buchillustrator, Karikaturist und Bildhauer hat sich Hans Müller-Strelar betätigt. Hier in Berlin und auf Wanderfahrten benutzt der Maler oftmals seine eigene Familie als Modell. Das singuläre Zeichnungsblatt „Stehendes Mädchen“ von 1898 mag dafür als Beispiel herhalten; eine der Töchter des Malers; Hilde oder Herta, sind hier wohl porträtiert worden. In Hameln tätig, malt er nicht etwa die Stadtsilhouette oder ihre Straßen, sondern bevorzugt die Randgebiete der Weserstadt. Ohrberg, Klüt, Düt und Hohenstein sind bevorzugte Mal- und Zeichenobjekte, die er anfänglich mit seiner Familie erwandert, in späteren Jahren mit seinen Schülern aufsucht.

Um das Jahr 1930 wählt Hans Müller-Strelar die Weserstadt als Altersruhesitz und ist hier auch in Hameln 1940 verstorben. Im Haus der Baronesse Johanna von Mairhofen, Felsenkellerweg 63, hat er gemalt und gewohnt. Die schönen Gemälde „Haus des Malers“ (Werknummer 119), „Garten des Malers“ (117) oder „Der Hühnerhof“ (118) sind hier entstanden. Zuvor aber ist er im Hause von Rechtsberater August Kater, Bäckerstraße 31, tätig oder beim Lebensmittelkaufmann Neumann, Bäckerstraße 21, wohnhaft. Auch einige Fotos dieser Zeit blieben erhalten, die ihn in späteren Jahren (um 1930) wandernd mit seinem Enkelsohn Ernst Hallerka zeigen. Seine der Licht und Farbführung angenäherte Malkultur macht dabei zeitweilig Anleihen am Jugendstil, obwohl der Maler eigentlich als Nachimpressionist einzustufen ist. Die Wanderungen, die von Hameln aus unternommen werden, führen die Oberweser hinauf, bis nach Hannoversch Münden, wobei Solling und Vogler durchstreift werden. Aber auch das Lipperland und der Harz werden malend festgehalten und sind durch manche schöne Harzansicht belegt. Das Unterwesergebiet wird bis Minden erwandert, aber auch das Steinhuder Meer aufgesucht. Das Gesamtwerk des 1867 in Stralsund geborenen Hans Müller-Strelar ist leider seit Jahrzehnten in alle Winde zerstreut, nur die Bleistiftskizzen des 13-Jährigen um 1880 und die Aquarellblätter und Gemälde des 73-jährigen Künstlers lassen etwas von der Vielseitigkeit erahnen. Entstanden sind in Stralsund und in Berlin noch solche Gemälde wie „Mädchen am Meer“, „Mädchen am Meeresufer“ oder „Frau im Stuhl“, „Frau im Atelier“, wobei er seine Frau oder auch seine Töchter gern zum Bildmittelpunkt erhebt.

2 Bilder
Am See 1900/1910. Als Modell dürfte dem Maler wohl seine Frau gedient haben.

Die kleinen Dinge des Lebens beachten, sie zeichnerisch und malerisch erhöhen – es ist ihm oft glückhaft gegeben, diese Ideen gestalterisch umzusetzen. Obwohl in Berlin Jahrzehnte lang wohnhaft, gelingt es ihm als Maler nicht nur, die „Altberliner Stadtsilhouette“ festzuhalten, wie es zum Beispiel das Bild „Abendliche Baumallee in Berlin“ belegt, sondern auch in Hameln den Garten der Friederike Ziesenis zu porträtieren. Keine Begebenheit scheint da ausgefallen genug, um nicht malenshalber festgehalten zu sein. „Frau Ziesenis und das Kartoffelfeuer“ im Herbst ist auch ein Grund, dokumentiert zu werden.

Diese Hamelner Jahre im Werk des Hans Müller-Strelar bedeuten aber auch nicht nur scheinbar unwichtige Alltagsbegebenheiten festzuhalten, sondern auch seine Schüler zu empfangen. Ja, mit ihnen auf Entdeckungsreise zu gehen. Der Finkenborn und die Wehrberger Warte sind als Künstlertreffpunkte in dieser Zeit beliebt und überliefert ebenso das „Forsthaus Heisenküche“ gemalt. Als Reisemaler über vier Jahrzehnte im Hamelner Raum nachweisbar, hat er in den ersten Jahrzehnten immer nur in den Sommermonaten wohl in der Ferienzeit hier gearbeitet.

Erst in den 1930er Jahren wird auch das Herbstbild des Hamelner Waldes von ihm entdeckt, als er in der Weserstadt seinen Altersruhesitz ausbaut. Der Klütwald, mit manchen vertrauten Ecken, wird da festgehalten. Es sind jene Jahre, in denen er versucht, auch mittels Fotos seine Bildideen festzuhalten. Winteraufnahmen werden so gefertigt, obwohl sie sehr selten im Gesamtwerk sind. Die Hamelner Jahre sind aber auch von Reisen unterbrochen, die ihn zum Beispiel nach Malcesine/Gardasee führen, wie die Arbeiten „Torbogen eines alten Katells“ (Werknummer 90/201) belegen.




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