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Kammweg beschert viele verschiedene Ziele / Schöner Blick aus der Betonröhre

Eine großartige Rundwanderung durch den Deister bei Springe

Der mächtige Gebirgszug des Deisters erstreckt sich von Bad Nenndorf aus in südöstliche Richtung und teilt sich nördlich von Springe. Auf der Wanderkarte sieht es aus, als umklammerten die beiden Flanken des Gebirges die Stadt wie eine geöffnete Hand – der Daumen mit der Deisterpforte im Westen, die übrigen Finger, durch Wanderwege unterteilt, im Osten. Dort aber, wo die beiden Ausläufer nördlich von Springe zusammen stoßen, liegt ein besonders reizvolles Wandergebiet in einer bewegten Landschaft. Hier verläuft der Deisterkamm fast genau von West nach Ost mit einer Reihe von Zielen, die hier aneinandergereiht erscheinen wie Perlen auf der Schnur.

Am Taternpfahl wird gern Rast gemacht.  Fotos: i-r

Autor:

Ingeborg Müller

Für den Wanderer ist es zusätzlich günstig, dass durch direkte Abstiegsmöglichkeiten von fast jedem der Einzelziele die Gesamtlänge der Wanderung je nach Wetter, Sichtverhältnissen und Kondition der Beteiligten individuell gestaltet werden kann. Wir wollen diesen Kammabschnitt von Springe aus erwandern. Startpunkt dafür ist der geräumige Wanderparkplatz beim Lutherheim am Ende der Jägerallee. Auf diese gelangt der Autofahrer auf direktem Wege, nachdem er die Stadt von der Bundesstraße 217 aus durchfahren hat. Vom Bahnhof Springe an der S-Bahn-Linie Hannover–Paderborn liegt der Parkplatz etwa zwei Kilometer entfernt. Dort finden wir eine der recht brauchbaren Wanderkarten für die „Erholungslandschaft Großer Deister“.

Wir wandern zunächst auf dem Wanderweg, der links von der Straße in Verlängerung der Jägerallee verläuft, bergan und können uns schon nach wenigen Metern bei einem der häufig im Deister anzutreffenden Hügelgräber über die Lebens- und Bestattungsweise unserer Vorfahren aus der Bronze- und Eisenzeit informieren. Bei der ersten Kreuzung verlassen wir die Fahrstraße nach links und wählen dabei nicht den rechtwinklig abzweigenden, sondern den schräg bergan führenden Weg.

Dieser Weg steigt bis zum ersten Querweg noch allmählich, dann aber recht steil an, vorbei an dem rechts von uns liegenden Samkekopf. Wir überqueren eine Forststraße und erreichen in Höhe dieses Berges einen breiteren Querweg, auf dem wir nach rechts zur nächsten Forststraße gelangen. Jenseits dieser Straße steigen wir nach links weiter bergan und kommen zu einem Parkplatz, der – nach den Autokennzeichen zu urteilen – fest in hannoverscher Hand ist. Dort biegen wir in den rechtwinklig nach rechts abzweigenden, zur Laube und zum Annaturm ausgeschilderten Weg, den wir allerdings sehr bald wieder nach links in Richtung Köllnischfeld verlassen.

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Nachdem eine von dort kommende Forststraße auf die unsere gestoßen ist, erreichen wir eine markante Kreuzung mit einer Sitzgruppe. Nach rechts führt uns jetzt ein schmaler, zum Annaturm beschilderter Wanderweg hinauf. Er ist zu einem modernen Waldinformationspfad gestaltet und endet auf dem Kammweg. Hier empfiehlt es sich, nach links, vorbei an Sendemasten, einen Abstecher von einem halben Kilometer zum Annaturm zu unternehmen. Die Aussicht von der Plattform der Betonröhre auf der höchsten Stelle des gesamten Deisters, dem 405 Meter hohen Bröhn, belohnt das Erklimmen der 117 Stufen der Wendeltreppe.

Im Süden liegt das Weserbergland vor uns, im Norden beginnt die norddeutsche Tiefebene, und im Westen und Osten schauen wir auf den Deisterkamm. Unter uns herrscht zu nahezu jeder Jahreszeit reges Leben vor dem viel besuchten Kiosk. Dann geht es auf dem Kammweg zurück und weiter bis zur sogenannten Laube, an die allerdings nur noch das alte Fundament erinnert. Doch es gibt an diesem Platz eine Schutzhütte, eine Wandertafel und einen Gedenkstein der Wennigsen-Argestorfer Forstgenossenschaft, deren Grenzsteinen von 1754 mit dem „WA“ unter der Wolfsangel wir am Kammweg begegnen.

Auf dem mit einem Doppelstrich markierten Weg wandern wir nun geradeaus zur Wöltjebuche, die ihren Namen einem langjährigen Vorsitzenden der Forstgenossenschaft verdankte. Inzwischen erinnert nur noch ein Stein an sie. Wir können von hier aus direkt zur Jägerallee absteigen oder auf kürzestem Weg zum Taternpfahl weitergehen. Dorthin empfiehlt sich jedoch der Umweg über den Bielstein. Dazu benutzen wir den nach rechts ansteigenden Wanderweg, der weiter mit dem Doppelstrich markiert ist. Die steinerne Bielsteinhütte und der Aussichtspunkt oberhalb des Steilhangs sind beliebte Rastplätze.

Auf einem schmalen Weg werden wir dann nach links im Bogen zu unserem letzten Ziel auf dem Kamm, dem Taternpfahl geführt, vorbei an Grenzsteinen von 1757 an der ehemaligen Grenze zwischen Gut Bredenbeck und der Stadt Springe. Dann verläuft der Weg in Windungen hinunter zum Pass, der von der Hannoverschen Heerstraße überquert wird. An ihr liegt etwas unterhalb der einladend gestaltete Platz mit jenem Taternpfahl, dessen erster Vorläufer bereits um 1635 unter Herzog Georg-Wilhelm von Celle-Lüneburg hier aufgestellt worden sein soll. Ein Schild klärt uns darüber auf, dass einst wandernde Zigeuner, die „Tatern“, von Wennigsen her über diesen Pass geführt wurden. Drei Tage mussten sie hier bleiben, ehe sie unter Bewachung nach Springe weiterziehen durften, wo sie sich mit Kesselflicken und Wahrsagen etwas Geld verdienten. Dann wurden sie an die „Hämelschen“ weitergereicht.

Auch wir wandern jetzt auf diesem heute recht bequemen Weg bergab. Nach etwa 1300 Metern biegen wir – bereits in Sichtweite der noch weiter südlich liegenden Waldgaststätte Sophienhöhe – rechtwinklig in den insgesamt vierten nach rechts abzweigenden Wanderweg ab und gelangen auf ihm zum Waldrand. Dort erwartet uns als letzte Besonderheit die auf einer Tafel beschriebene „Altackerflur bei Springe“ mit sogenannten Wölbäckern, einer bis 1850 gebräuchlichen Ackerform. Die Wölbungen haben sich hier erhalten, weil die frühere Feldflur aufgeforstet wurde. – Vorbei am Landheim eines hannoverschen Gymnasiums und einer Gewerkschaftsschule wandern wir nach rechts am südlichen Waldrand zurück zu unserem Parkplatz, während die Bahnfahrer nach links abbiegen, um, an der Sophienhöhe vorbei, auf dem Hannoverschen Weg direkt den Bahnhof zu erreichen.

Die Betonröhre auf dem Bröhn ermöglicht einen großartigen Weitblick in die wundervolle Waldwelt des Deisters. 117 Stufen führen hinauf auf den Turm, der auf dem 405 Meter hohen Bröhn steht. Von der Plattform aus ist zu erkennen, dass das Weserbergland südlich liegt und die norddeutsche Tiefebene im Norden nicht mehr weit entfernt ist.

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