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Carl Ribbach übergibt Museum im Wettberg‘schen Adelshof historische Waffe aus 19. Jahrhundert

Eine Flinte und das Privileg der freien Jagd

Bad Münder (oe). Eine besonders aufwendig gearbeitete Flinte hat das Museum im Wettberg’schen Adelshof jetzt von Carl Ribbach aus Bad Münder geschenkt bekommen. Es handelt sich um ein Gewehr, dessen Läufe aus kunstfertig gearbeitetem Damaszenerstahl hergestellt wurden. Das Stück wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von der Familie erworben und Jahrzehnte lang in Bad Münder zur Jagd eingesetzt.

Carl Ribbach und Michael Meier präsentieren die lange Flinte aus

„Die münderschen Bürger genossen von alters her ein besonderes Recht und die Erlaubnis, in den umliegenden Wäldern frei zu jagen. Das war etwas Besonderes, denn die Hochwildjagd war normalerweise dem Adel vorbehalten“, sagt Museumschef Michael Meier. Das hatte mehrere Gründe. Zum einen sei Münder privilegiert gewesen – „die Stadt vertrat die umliegenden kleineren Städte bei diversen Angelegenheiten“. Zum anderen habe Münder an der Grenze zum Schaumburger Fürstentum gelegen und dort hätten die Welfenherzöge einen „scharfen Wachhund“ gebraucht, erklärt Meier.

„Eingesetzt wurden dazu allerdings nicht nur die üblichen Flinten und Büchsen, sondern auch aufgesammelte oder mitgebrachte Waffen von Feldzügen oder Umbauten, sogenannte „Bauernflinten“, weiß der erfahrene Heimatkundler.

Die Münderaner haben dazu einmal im Jahr ein großes Jagdfest gefeiert. Diese Tradition wurde bis zum Ende des 19. Jahrhunderts aufrecht erhalten. „Erst mit Abschluss der Flurbereinigung trennte man sich von dem Privileg, die Jagd wird seit dieser Zeit verpachtet“, so Meier.

Die Jagdwaffen mussten laut dem Museumschef in den Häusern aufbewahrt werden. Manche Bürger hätten sie im Kasten der Standuhr stehen gehabt, andere im Schlafzimmer an einen Haken gehängt – oder sie seien in der Stube in eine Ecke gestellt worden. Neben den Bürgern waren damals auch die Bauern in der Region waffenpflichtig“, weiß Meier. Bis zur Auflösung der Landgerichte in den 1840er-Jahren seien sie gehalten gewesen, zu Verteidigungszwecken eine Waffe zu besitzen. Diese durfte allerdings nicht zur Jagd eingesetzt werden. „Das Gewehr musste zu den Pflichtbesuchen beim Landgericht vorgeführt werden“, erzählt der Meier. Manche solcher Stücke finden sich noch heute auf alten Dachböden. „Heute ist der Besitz von Waffen eher unpopulär geworden. In historischer Zeit gehörten sie jedoch zur Ausstattung der meisten Haushalte“, sagt der Museumschef.

In der Museumsausstellung werde das „Recht der freien Jagd“ künftig stärkere Beachtung finden, so Meier. Das Museum sei berechtigt, neben allgemeiner Ausrüstung zur Jagd – Jagdtaschen, spezielle Kleidung und Pulverhörner – auch einläufige Vorderlader und entschärfte historische doppelläufige Jagdwaffen anzunehmen.

Wer sich von historischer Jagdausstattung oder Bauernflinten trennen möchte, kann sich an das Museum Bad Münder wenden. Anrufe nimmt Meier unter 05042/3249 entgegen.



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