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Hamburg Blues Band in der Bluesgarage / NDZ-Interview mit Gert Lange

Eine Band, die den Blues auf höchstem Niveau zelebriert

„Wir benutzen unsere Ideen als Basis für unseren eigenen Blues. Da wir immer wieder neue Facetten in unserer Musik entdecken, wird dadurch natürlich auch die Musik immer wieder aufs Neue belebt. Obwohl wir, insbesondere in der Erstbesetzung, einige Coverstücke im Programm hatten, waren wir immer bestrebt, den eigenen Stil beizubehalten“, erklärte uns Gert Lange, der die Hamburg Blues Band 1982 zusammen mit dem Saxofonisten Dick Heckstall-Smith aus der Taufe hob.

Gert: Begonnen hatte letztendlich alles im damaligen „Onkel Pö“ in Hamburg, wo nach den eigentlichen Auftritten bekannter Künstler noch so genannte „Midnight Sessions“ mit den unterschiedlichsten Musikern stattfanden. Komplettiert wurde die Band durch den Schlagzeuger „Stretch“(Ex-Meters), dem heutigen Rattles-Gitarristen Manne Kraski und Bassist Daryl van Raalte (Ex Eric Burdon-Band). Später stieß noch Keyboarder Dave Moore zu uns.

Obwohl die Band in den 80ern quer durch Germany tourte, erschien erst nach sieben Jahre das Blues-Album „Live – feat. Dick Heckstall-Smith“.

Gert: Aufgenommen wurde der Longplayer 1982 im Hamburger „Logo“ mit unserem damaligen Recording-Mobil-Studio, das während der Aufnahmen fast zwei Tage vor dem Szene-Club im Halteverbot stand. Da zu dieser Zeit Blues-Flaute herrschte, fanden wir kein geeignetes Label. Das Album konnten wir daher erst 1989 veröffentlichen. Es spiegelte auch in etwa den damaligen Zeitgeist wider: Blues, der mit Funk-Elementen verfeinert wurde – sicher auch ein Verdienst unserer farbigen Rhythmusgruppe.

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Hamburg Blues Band – von links: Adrian Askew, „Bexi“ Becker, Clem Clempson, Chris Farlowe, Hansi Wallbaum, stehend: Gert Lange.

In den folgenden Jahren wurden die Alben „Real Stuff“ (1996), „Rollin“ (1999) und „Touch-Mike Harrison Meets The HBB“ veröffentlicht, was zur Folge hatte, dass die Presse ein Lobeshymnen-Gewitter auf die Band herniederprasseln ließ. Kurz vor dem Erscheinen des Livealbums „On The Edge Of A Knife“, verstarb 2004 Dick Heckstall-Smith und hinterließ eine große musikalische Lücke in der Band.

Gert: Dick war nicht nur ein begnadeter Musiker, sondern auch ein guter Freund, der musikalisch und auch menschlich nicht zu ersetzen war. Sein Verdienst war es auch, dass wir heute Clem Clempson und Chris Farlowe in der Band haben. Ferner stellte er den Kontakt zu unserem derzeitigen Texter Pete Brown, er schrieb für Cream die Songs „White Room“ und „Sunshine Of Your Love“, her. Die Frage, einen anderen Saxofonisten in die Band zu holen, stellte sich für uns daher nicht.

Immer wieder gesellen sich hoch dekorierte Musiker zu der Hamburg Blues Band – so standen unter anderem die ausgezeichnete Saxofonistin Barbara Thompson, Woodstock-Legende Miller Anderson, Zoot Money, Pete York, Jack Bruce und Magie Bell in den Reihen der Band. Seine „Special Guest“-Liste würde Lange aber gerne noch um einen weiteren Namen ergänzen.

Gert schmunzelnd: Nun ja, mit Stones-Gitarist Keith Richards würde ich schon mal gerne zusammen auf der Bühne stehen.

Schon seit den Anfangstagen besteht der kreative Teil der HBB aus Gert Lange & Drummer Hansi Wallbaum. Ähnlich wie früher bei den Beatles (Lennon/McCartney) oder den Rolling Stones (Jagger/Richards) stammen daher die meisten Werke aus der Feder von Lange/Wallbaum.

Gert: Wenn ich zu Hause einen Song auf meiner Klampfe komponiere, ist das eigentlich schon der Song. Die Orchestrierung erfolgt dann durch die Band. Ich könnte mich nie hinsetzen und ein Drum-Arrangement schreiben. Wenn ich mal keine Bridge habe, hat Hansi sicher noch eine im Ärmel, denn bevor er sich hinter dem Schlagzeug verschanzte, war er Gitarrist. Er hat dann oft auch die zündende Idee zur Verfeinerung eines Titels.

Seit 28 Jahren gehört die Hamburg Blues Band europaweit zu den Vorzeige-Bluesern – Tendenz steigend. In der Besetzung Gert Lange (Gesang/Gitarre), Hansi Wallbaum (Schlagzeug), „Bexi“ Becker (Bass), Adrian Askew (Keyboard), Clem Clempson (Lead-Gitarre) und Chris Farlowe (Gesang) steht die Gruppe für handgemachten Blues & Rock der Güteklasse 1.

Auch auf ihrem aktuellen Album „Mad Dog Blues“ demonstrieren die Ausnahme-Musiker erneut die hohe Kunst des Blues und Rock. Dass die akzentuierende Stimme des waschechten Hanseaten Gert Lange dem Silberling einen gewissen Südstaatenakzent aufsetzt, gehört zu den Stärken der Band, die mit drei Engländern und drei deutschen Bandmitgliedern auf höchstem Blues-Niveau spielt.

Das erlebten auch die Konzertbesucher der Bluesgarage, die am letzten Wochenende erneut in den Genuss dieser ausgezeichneten Band kamen. Mit „Rockin’Chair“ wurde die schweißtreibende Show der Elite-Blueser eingeläutet, weiter ging es mit Songs wie „Make My Day“ und dem Titel „Bad To The Bone“, den sie ihrem verstorbenen Bandkumpel Dick Heckstall-Smith widmeten. Immer wieder würzte Lange die Show mit witzigen Anekdoten aus dem vielfältigen Mucker-Leben. Zu den Songperlen an diesem Abend: „Rattlesnake Shake“ von Peter Green.

„All Or Nothing“ versprach Blues-Röhre Chris Farlowe, hielt Wort und verpasste den Fans im zweiten Teil des Konzerts eine ordentliche Dröhnung Blues auf die Lauscher. „Crazy Bout My Baby“, „Don’t Wanna Sing The Blues“ und zum Schluss natürlich seinen Überhit „Out Of Time“ – der darf dann auch mal etwas poppiger rüberkommen.

„In der Besetzung kann das ruhig so weitergehen – die Arbeit macht uns allen noch immer sehr viel Spaß“, verriet uns Gert Lange. Euch zuzuhören auch, Gert – Blues on, Boys.




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