×
Deep Purple rocken vor 3500 Fans die AWD-Hall / Es ist nicht alles Rock, was glänzt

Eine Altherrenriege, die noch immer die Massen begeistert

Ehre, wem Ehre gebührt – im Oktober dieses Jahres wurde Deep Purple für die Aufnahme in die „Rock and Roll Hall of Fame“ für das Jahr 2013 nominiert. Eine weise Entscheidung, denn die Pioniere des Hardrock setzten insbesondere mit Alben wie „Deep Purple In Rock“, „Fireball“ und „Machine Head“ Anfang der 70er Jahre Meilensteine in der Rockmusik.

Dass man bei der Nominierung sicher an die Mark-II-Besetzung dachte, ist verständlich, denn die Formation mit Jon Lord, Ritchie Blackmore, Ian Gillan, Roger Glover und Ian Paice gilt bis dato als die erfolgreichste Deep- Purple-Formation.

Zwar sind Jon Lord (verstarb am 16. Juli 2012) und Richie Blackmore (widmet sich jetzt mittelalterlicher Musik) nicht mehr dabei, doch mit den Purple-Urgesteinen Gillan, Glover und Paice sowie den beiden neuen Muckern Steve Morse und Don Airey muss die Band den Vergleich zur legendären Mark-II-Besetzung nicht scheuen.

Mit Rod Evans, David Coverdale, Glenn Hughes und Joe Lynn Turner holte sich die Band im Laufe der Zeit zwar respektable Shouter in ihre Reihen, doch die markante Stimme von Ian Gillan gilt noch heute als unverzichtbar.

Aber gerade diese so exzellente Stimme scheint in den letzten Jahren mehr als gelitten zu haben, denn die Akzente bei den Livekonzerten setzen jetzt andere Bandmitglieder, die dem 67-Jährigen durch grandiose Solopassagen einen Teil seiner Arbeit abnehmen.

Auch in Hannover wirkte Gillan müde und kurzatmig, war teilweise mehr hinter, als auf der Bühne. Während er beim Opener „Fireball“ und dem Folgesong „Into The Fire“ noch tapfer durchhielt, wurden seine Ausflüge hinter die Bühne mit jedem Song länger.

Mit Bassist Roger Glover und Drummer Ian Paice kann die Band aber auch weiter auf einen soliden, treibenden Unterbau des Deep-Purple-Sounds zurückgreifen – dazu beweisen Keyboarder Don Airey und Gitarrist Steve Morse, dass sie sich nahtlos, nach dem Ausscheiden von Lord und Blackmore, in die Gruppe eingefügt haben.

Die Fans müssen wohl in Zukunft damit leben, dass sie auf Hymnen wie „Speed King“, „Child In Time“ oder „Highway Star“ verzichten müssen – schade, aber Gillan ist da im rauen Rockgeschäft keine Ausnahme. Viele Rocksänger müssen sich in der heutigen Zeit mit Stimmbandproblemen herumschlagen, denn durch jahrzehntelange Bühnenpräsenz stößt die eine oder andere Rockröhre dann doch früher oder später an ihre Grenzen.

So füllen die Sanges-Lücken mitreißende Solo-Improvisationen der übrigen Bandmitglieder – allen voran das beeindruckende Gitarrensolo bei „Wasted Sunsets“ von Steve Morse. Drummer Ian Paice brilliert bei „The Mule“, während der wieselflinke Keyboarder Don Airey bei seinem Solo von Rock, Soul bis hin zu einem Klassikpotpourri seine große Klasse demonstriert.

Nach so vielen instrumentalen Highlights setzt Gillan mit „Perfect Strangers“ zum Schlussspurt an – auf der Zielgeraden noch schnell die Luftgitarrennummer „Smoke On The Water“, bevor es mit „Hush“ und „Black Night“ in die Verlängerung geht.

Viele sprechen von einer „Farewell-Tour“ der Rock-Dinos – zu früh, finden wir.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt