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7500 Fans erleben grandioses Konzert von Joe Cocker in der TUI Arena / Hat es sich ausgecockert?

Ein Urschrei, der noch immer das Publikum in Schockstarre versetzt

Seine Stimme gilt noch immer als unantastbar –, ob sie auch in Zukunft noch in Trauer versinken, in Zärtlichkeit zerfließen und im gleichen Moment den Schmerz herausbrüllen wird, steht in den Sternen, denn die Gerüchte verdichten sich, dass Joe Cocker nach mehr als 50 Jahren den Bühnen der Welt good-bye sagen wird.

In Hannover präsentiert sich das Blues-Denkmal jedoch einmal mehr in Höchstform – bietet eine zweistündige Show vom Feinsten. Im Vorprogramm: Der 30-jährige Sänger/Songwriter Johannes Oerding, der die Menge selbstbewusst und locker mit seinen Songs begeistert – sicher ein weiterer musikalischer Ritterschlag für den 31-jährigen Hoffnungsträger in Sachen „Deutscher Pop/Soul“. Auch für das Publikum ist der gebürtige Münsteraner wieder „Erste Wahl“.

Noch heute wird kaum ein Künstler so eng mit Woodstock in Verbindung gebracht wie Joe Cocker, der mit seinen grandiosen Coverversionen, eigenwilligen Armbewegungen und unzähligen „Ups and Downs“ die Musiklandschaft geprägt hat – dass er nach der Welttournee zurückgezogen, mit seiner Frau nur noch die Berge Colorados genießen will, scheint undenkbar.

Daran wollte an diesem Abend in der TUI Arena jedoch keiner denken, denn das Sheffielder Urgestein setzt mit „I Come In Peace“, der zweiten Single-Auskopplung vom gefeierten, mit Gold ausgezeichneten neuen Album „Fire It Up“, einen markanten Opener.

Joe Cocker beim Opener „I Come In Peace“. Texte und Konzertfotos: Lars Andersen

„Feelin‘ Alright – Not Feelin‘ Too Good Myself – ob Dave Mason von Traffic oder Grand Funk Railroad – kein anderer Künstler singt diesen Song so hingebungsvoll wie der 68-jährige Brite, der mit „The Letter“ und „When The Night Comes“ zwei weitere Klassiker in die Arena röhrt. Immer wieder tosender Beifall, wenn Cocker mit seinem legendären Urschrei jedem Song seinen unverkennbaren Stempel aufsetzt.

Waren es vor drei Jahren noch 3700 Konzertbesucher in der damaligen AWD-Hall, kann der von Königin Elisabeth II. zum „Officer of the Order of the British Empire“ ernannte Sänger diesmal durch die Komplett-Bestuhlung ein fast ausverkauftes Haus vorweisen. Es hat den Anschein, dass alle noch einmal den „Woodstock-Veteran“ live erleben wollen.

Schon die ersten Tastentöne des Pianisten Nick Milo verraten, dass einer der erfolgreichsten Cocker-Hits folgt – „Up Where We Belong“, den der gelernte Gasinstallateur 1982 im Duett mit Jennifer Warnes sang. Als Belohnung für diese ausgezeichnete Performance wurden sie 1983 mit dem Grammy Award für die „beste Darbietung eines Duos oder einer Gruppe mit Gesang“ in der „Kategorie Pop“ ausgezeichnet.

Nach dem Motto „Gut gecovert, ist halb gewonnen“, stöbert Cocker weiter munter in den musikalischen Schatztruhen seiner Kollegen – haucht zunächst „You Are So Beautiful“ ins Publikum, das sich kurze Zeit später bei „You Can Leave Your Hat On“ und „Unchain My Heart“ tänzelnd und singend von den Plätzen erhebt – der Cocker’sche Wahnsinn nimmt seinen Lauf.

Kurz vor der Ziellinie röhrt Joe den Übersong „With A Little Help From My Friends“ und bringt dabei seine ohnehin schon arg strapazierten Stimmbänder noch einmal ordentlich in Schwingung. Dann der Schrei, der 1969 halb Woodstock lähmte und in die Analen der Musikgeschichte eingehen sollte – die Arena steht Kopf. Was wäre dieses Beatles-Cover ohne den legendären Joe-Cocker-Befreiungsschrei? – sicher ein Vier-Gänge-Menü, bei dem aber der Hauptgang fehlt.

Bleibt zu hoffen, dass wir einen der wohl bekanntesten Woodstock-Songs noch oft live zu hören bekommen – schön wär’s allemal. Dass Joe Cocker schon in nächster Zeit seinen „Hut“ nehmen soll, das will nach diesem grandiosen Konzert keiner so richtig glauben.




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