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Die NDZ trifft Karat: „Vorbereitungen für unsere Jubiläumstour 2020 laufen“

Ein Teil deutscher Musikgeschichte

Autor:

Lars Andersen

Hannover. Zusammen mit den Puhdys und City zählte Karat in der ehemaligen DDR zur Speerspitze des Deutschrock. Doch nicht nur in Ostdeutschland dominierte das Quintett die Hitparaden – fast zeitgleich erreichten die Produktionen der Ostberliner auch in der BRD Spitzenplätze in den Charts. In Hannover sprachen wir mit Sänger Claudius Dreilich und Gitarrist Bernd Römer unter anderem über ihre aktuelle Akustik-Tour.

Ein nachträgliches Album zur Tournee ist nicht in Planung. „Wir haben tatsächlich über ein Akustikalbum nachgedacht, aber uns letztendlich dagegen entschieden. Da wir jetzt schon in den Vorbereitungen für unsere Jubiläumstour ‚45 Jahre Karat‘ stehen, passt es einfach zeitlich nicht. Die Konzertbesucher können sich im nächsten Jahr auf ein abwechslungsreiches Programm freuen. Es werden Songs dabei sein, die wir live noch nie performt haben – zudem Stücke, die vor 30 Jahren das erste Mal auf der Setlist standen“,erklärt Claudius.

Seit fünf Jahren geben Karat Akustik-Konzerte. In der Regel sind es aber nicht mehr als zehn Auftritte pro Jahr – eine willkommene Abwechslung für die Band, aus der täglichen Routine herauszukommen.

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Bernd Römer (rechts) und Claudius Dreilich standen der NDZ 30 Minuten Rede und Antwort. Foto: Ulrich Stamm

Bernd: „Auch für uns ist es eine musikalische Herausforderung, dem Publikum die Songs akustisch zu präsentieren – dazu kommt, dass wir uns für die Auftritte überwiegend handverlesene Theater und sogar Kirchen ausgesucht haben. Ich erinnere mich noch gern an die Zeit, als wir Anfang der 80er Jahre, übrigens auch in Hannover, in zahlreichen Klubs die unmittelbare Nähe zu den Fans genießen konnten. Das war schon ein geiles Gefühl und das möchte ich auch heute nicht vermissen.“

Claudius: „Es ist auch immer wieder ein spannender Prozess, altbewährte Titel neu zu arrangieren und zu singen.“

Nach einer Erfolgsserie von fast 30 Jahren und Hits wie „König der Welt“, „Schwanenkönig“, „Der blaue Planet“, „Jede Stunde“ sowie dem Überhit „Über sieben Brücken musst du gehn“, musste die Gruppe einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen: Sänger und Gründungsmitglied Herbert Dreilich verstarb am 12. Dezember 2004 an einem Krebsleiden. Bereits am 10. Januar 2005 wurde vonseiten der Band offiziell bestätigt, dass Dreilichs Sohn, Claudius, die Nachfolge als Sänger übernimmt.

Claudius: „Viele haben sich seinerzeit über meine schnelle Entscheidung gewundert. Diese enge Zeitspanne lässt sich so erklären, dass die Band bereits im Mai 2004 bei mir angefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, meinen Vater ab und an bei Auftritten gesanglich zu unterstützen. Zu diesem Zeitpunkt war bei ihm bereits Krebs diagnostiziert worden. Er wäre physisch in den kommenden Jahren nicht in der Lage gewesen, ein komplettes Konzert zu bestreiten.

Wenn alles gut verlaufen wäre, so war es geplant, hätte er nach den Behandlungen wieder schrittweise in die Band integriert werden können. Leider ist es letztendlich anders gekommen und ich habe mich nach einigen schlaflosen Nächten dazu entschieden, meinen damals gut dotierten Job bei IKEA aufzugeben, um bei Karat mitzumachen. Ich muss sagen, dass ich diesen Entschluss bis heute nicht bereut habe.

Bernd: „Als Claudius zu uns kam, waren wir schon seit rund drei Jahrzehnten europaweit unterwegs. Wer so lange zusammen auf der Bühne steht, gerät in Gefahr, im eigenen Saft zu schmoren. Ohne Zweifel hat Claudius mit neuen Ideen frischen Wind in die Band gebracht.“

Claudius: „2005 war natürlich eine gewisse Neugierde bei den Leuten vorhanden. Wie singt er die Songs – kann er das überhaupt? Das hat sich aber schnell gelegt, da die Fans auch bemerkt haben, dass ich mit Herzblut dabei bin.“

Ein Jahr später hatte die Formation das Problem, dass sie sich nicht mehr Karat nennen durfte.

Claudius: „Wäre diese Situation nicht eingetreten – hätten wir diesen Hype um meine Person sicher besser für uns nutzen können. Ab 2006 waren wir, aufgrund eines angestrebten Markenlöschungsverfahrens, durch die Frau meines verstorbenen Vaters, unter dem Bandnamen „K....“ unterwegs. Durch ein Gerichtsurteil durften wir uns erst wieder ab 19. Juli 2007 Karat nennen.“

1979 erschien mit „Über sieben Brücken“ das zweite Studioalbum von Karat – der Titelsong „Über sieben Brücken musst du gehn“ wurde zum erfolgreichsten und bekanntesten Titel des Quintetts. Neben Peter Maffay, coverten zahlreiche Künstler und Gruppen diesen Hit – darunter Scooter, Oli P., Heino, Chris de Burgh, Helene Fischer und Xavier Naidoo.

Claudius: „Ich muss ehrlich sagen, dass wir unsere Version am besten finden, da wir eine ganz andere Auffassung von diesem Titel haben.“

Bernd: „Mitte der 70er-Jahre hat man uns gebeten, die Musik für einen Liebesfilm mit dem Titel „Über sieben Brücken musst Du geh´n“ zu schreiben. Als der Film später dann ausgestrahlt wurde, wollte jeder wissen, wo man diesen Song kaufen kann – alles andere ist Geschichte. Für uns ist das einfach ein romantischer Liebessong.“

Stillstand bedeutet Rückschritt – wie schon beim Album-Vorgänger „Seelenschiffe“ arbeitete Karat auch für ihren aktuellen Longplayer wieder mit jüngeren Musikern der Deutsch-Pop-Szene zusammen. Man wollte so einem Verstaubungsprozess entgehen – sich aber dadurch auch weiterentwickeln.

Claudius: „Es hat uns sehr viel Spaß gemacht, immer wieder uns bekannte, junge Musiker mit in die Produktionen einzubinden. Die Jungs waren wertvolle Ideengeber – bei den Studioaufnahmen haben wir die Anregungen dann aber mehr oder weniger selbst umgesetzt.“

Auf die Frage, mit wem Karat einmal zusammenarbeiten möchte, bekamen wir letztendlich keine überraschende Antwort.

Claudius: „Natürlich würden das die Rolling Stones sein. Aber ich weiß gar nicht, ob ich unbedingt mit ihnen auf der Bühne stehen möchte – ich glaube, ein Besuch im Proberaum wäre da sicher interessanter und witziger.“

Bernd: „Im Rahmen eines Open Air sind wir im Sommer mit Barcley James Harvest (feat. Les Holroyd aufgetreten. Später sind wir mit der Gruppe ins Gespräch gekommen und haben uns ausgetauscht. Durchaus möglich, dass wir mit den Musikern einmal ins Studio gehen.“

Ab 20. März wird die Band bei einer großen Tournee 45 Jahre deutsche Musikgeschichte Revue passieren lassen. Geplant ist, dass die Formation 2021 ein Konzert in Hannover gibt.




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