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Pittoresker Ort: Schwalenberg ist einen Besuch wert

Ein Sonntagsausflug ins Lippische Rothenburg

Wie ein Schwalbennest schmiegt sich das Städtchen Schwalenberg an den hoch aufsteigenden Burgberg, und die Schwalbe stand sozusagen Pate bei der Namensgebung des Ortes. Sie hat sich eine idyllische Ortschaft ausgesucht, die den Vergleich mit den berühmten Städten an der Romantischen Straße nicht zu scheuen braucht und mit einem gewissen Recht als „Lippisches Rothenburg“ bezeichnet wird. Zumindest gehört Schwalenberg mit seiner Vielfalt an zum Teil reich geschnitztem Fachwerk, mit seinen Brunnen, dem holprigen Kopfsteinpflaster und dem üppigen Blumenschmuck zu den buntesten und malerischsten Städtchen Norddeutschlands.

Autor:

Ingeborg Müller

Schon bei der Anfahrt von Schieder her bezaubert die mittelalterliche Stadt den Betrachter, liegt sie doch pittoresk auf der schmalen Terrasse des Burgberges, einem Bergsporn des Schwalenberger Waldes. Und auf der Bergspitze thront, abgehoben vom Ort, die Burg Schwalenberg. Im Jahre 1231 wurden Burg und Stadt von Volkwin III. gegründet, einem der einflussreichen Grafen von Schwalenberg, der seinen Hauptsitz von der oberhalb von Marienmünster gelegenen Oldenburg in die neu erbaute Burg verlegte. Von ihr blieb allerdings nichts erhalten; das heutige Schloss ist der verbliebene Flügel einer im 17. Jahrhundert erbauten Renaissance-Anlage.

Hauptanziehungspunkt in den zum Teil steil ansteigenden und verwinkelten Straßen und Gässchen des historischen Stadtkerns von Schwalenberg ist das farbenfrohe Fachwerk-Rathaus von 1597, ein viel fotografiertes Paradebeispiel der Weserrenaissance. Die Anbauten von 1603 und 1906 passen sich hervorragend an. Es bedarf keiner großen Fantasie, sich vorzustellen, wie hinter den damals offenen Rundbögen Markt und Gericht abgehalten wurden.

Malerische Stadt und Stadt der Maler

Doch Schwalenberg ist nicht nur eine malerische Stadt, sondern auch eine Stadt der Maler. Die entdeckten die Reize des Ortes schon um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und machten ihn zu einer beliebten Künstlerkolonie ähnlich wie Worpswede. Eine ganze Reihe von Galerien und für den Besucher zugänglichen Ateliers zeigt, dass der kreative Geist noch heute lebendig ist. Das beweist auch die bereits seit 1912 bestehende „Trachtengilde Schwalenberg“, die nicht nur die Tradition der vornehmen Trachten und die der alten Tänze der Brauergilde pflegt, sondern viel beachtete internationale Trachtenfeste veranstaltet.

2 Bilder
Bei unserer Wanderung folgen wir dem Stadtwasser in zwei Etappen von der Quelle bis in die Stadt Schwalenberg.

Schwalenberg ist der Ausgangspunkt für eine Rundwanderung, die hinaufführen soll in den Schwalenberger Wald, ein großes, geschlossenes Waldgebiet, das auf stolze 446 Meter ansteigt. Mörth heißt das wie ein Hochplateau wirkende Herzstück des lang gestreckten Gebirgszuges; der Name leitet sich von Moor oder Hochmoor ab. Und durch mooriges Gelände kann durchaus derjenige wandern, der dort oben die gut befestigten Hauptwege verlässt.

Die Gebirgswanderung wollen wir einrahmen in den beliebten, mit A 2 markierten Rundweg am Stadtwasser entlang. Wir begegnen dem Gewässer am Volkwinbrunnen jenseits des Rathauses. Dort ist zu lesen, dass zwei Gefangene „in grauer Vorzeit Tagen“ sich ihre Freiheit mit der Erschließung der Quelle erkauften. Wir werden die Quelle aufsuchen und den sehr romantischen Weg des noch heute in die städtische Wasserversorgung eingespeisten Stadtwassers verfolgen.

Der große Parkplatz an der von Schieder kommenden Bundesstraße 239 (mit dem Kurort Schieder und weiteren besuchenswerten Ortschaften bildet Schwalenberg seit 1970 die Stadt Schieder-Schwalenberg) bietet ausreichend Abstellmöglichkeiten für das Auto. Für Busbenutzer gibt es hier eine Haltestelle der Linie 760 Blomberg–Bad Pyrmont oder der Linie 770 des Ortsverkehrs Schieder-Schwalenberg der Busverkehr Ostwestfalen GmbH (BVO), Geschäftsstelle Detmold.

Sowohl Bad Pyrmont als auch Schieder liegen an der S-Bahnstrecke zwischen Hannover und Paderborn. Am Parkplatz kann sich der Wanderer sowohl auf dem Stadtplan als auf der Wanderkarte orientieren. Wir planen den auf der Karte mit einer 6 markierten Rundweg. Zunächst überqueren wir die Fahrstraße und steigen auf der Alten Torstraße im Ort an bis zum Rathaus und zum Volkwinbrunnen. Dann geht es weiter zum „Schwalenberger Malkasten“ mit seiner liebenswerten Bildgeschichte vom Tageslauf eines Künstlers.

Die Magdalenenquelle sieht düster aus…

Vor dem Gebäude biegen wir nach rechts in die Neue Torstraße ab, die uns aus dem Ort hinaus führt. Vor der Grillanlage mit der „Quellhütte“ weist uns die Markierung A 2 nach links zur Magdalenenquelle. Wir überqueren die vom Forsthaus kommende Straße und steigen zum Waldrand hin an. Dort folgen wir einem erneuten Wegweiser in das Naturschutzgebiet und in den Wald. Ehe unser Weg nach einem knappen Kilometer kräftiger ansteigt, werden wir nach rechts auf einen Querweg und zur Magdalenenquelle gewiesen. Sie ist als Grotte gefasst und wirkt recht düster und würde kaum den zusätzlichen Weg lohnen, wenn nicht hier das munter dahin fließende Stadtwasser und an ihm entlang ein idyllischer Wanderweg beginnen würde, der uns zum Forsthaus und wieder zum Waldrand bringt.

Auf der mit A 6 und dem Fernwanderzeichen X 2 markierten Forststraße steigen wir dann endgültig an. Bei einer Gabelung halten wir uns links – von rechts werden wir später zurückkommen. Nachdem wir drei Wege überquert haben, biegt bei der vierten Kreuzung unser markierter Hauptweg nach links ab. Jenseits liegt hinter Birken ein idyllischer kleiner Teich. Hier haben wir den höchsten Punkt unserer Wanderung und zugleich die oberste Region des Schwalenberger Waldes erreicht. Durch den für diese Höhe typischen Fichtenwald wandern wir jetzt leicht bergab und stoßen auf eine breite Forststraße. Hier verabschieden wir uns von dem Fernwanderzeichen und folgen der A 6 nach rechts. So erreichen wir bald die aus Bruchsteinen erbaute Schutzhütte „Waidmannsheil“, die 430 Meter hoch liegt und bei Wandergruppen sehr beliebt ist.

Auf unserer Forststraße wandern wir weiter, vorbei an dem links von uns aufsteigenden Großen Pulskopf und halten uns bei der Gabelung rechts. Jetzt geht es leicht bergab. Links von uns fällt das Hohe Mörth ziemlich steil nach Osten ab, und wir schauen hinunter auf Elbrinxen. Rechts vom Weg steht ein hoher Umsetzer. Dann stoßen wir auf eine breite Asphaltstraße, der wir nach links folgen, um nach einem kurzen Stück nach rechts auf einem bequemen Wanderweg weiter zu gehen und gemütlich bis zum Forsthaus abzusteigen. Von hier aus könnten wir auf der Fahrstraße direkt nach Schwalenberg zurückkehren, doch wir wollen das Stadtwasser noch bis zum Ort begleiten. Deshalb überqueren wir das kanalisierte Gewässer noch vor dem Forsthaus und wandern schräg nach links an dem Graben entlang durch eine besonders reizvolle Wald- und Wiesenlandschaft.

In Höhe des jetzt unter uns liegenden Forstgrundstücks mit den rot gedeckten Häusern sagt uns ein nach links bergan zeigender Wegweiser, dass wir hier zur Burg ansteigen könnten. Dann wird unser Wander- zum Wiesenweg, und unser Bach verschwindet, um seinen Weg bis kurz vor dem Brunnen unterirdisch zu beenden. Über Treppenstufen

steigen wir schließlich ab zur Straße Klingenberg, auf der wir nach links zum Rathaus, nach rechts zum Volkwinbrunnen gelangen. Von ihm aus lohnt sich ein Abstecher zur nahen, am Hang gelegenen Kirche. Von ihrem Garten aus hat man einen großartigen Weitblick. Überhaupt sollte man sich Zeit nehmen für eine Besichtigung des historischen Stadtkerns.




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