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Auf den Spuren der Skulpturen: Moritz Bormanns „Grohnde“ steht seit 1986 im Bürgergarten

Ein Riss in Moritz Bohrmanns Kraftwerk symbolisiert Schwäche

Hameln. Der 26. April 1986  ist der Tag, an dem sich in der Ukraine die Katastrophe von Tschernobyl ereignet. Radioaktive Niederschläge erreichen weite Teile Europas, darunter auch Deutschland. Noch keine zwei Jahre lang wird zu diesem Zeitpunkt das Kernkraftwerk in Grohnde betrieben. Und im Hamelner Bürgergarten arbeitet ein Hildesheimer Künstler an einer Skulptur, die wertet und offen Kritik äußert an der Atomenergie und den damit verbundenen Risiken. „Grohnde“ heißt das Werk, an dem Moritz Bormann zu dem Zeitpunkt arbeitet.

Autor:

Julia Marre

Von Julia Marre

Hameln. Der 26. April 1986  ist der Tag, an dem sich in der Ukraine die Katastrophe von Tschernobyl ereignet. Radioaktive Niederschläge erreichen weite Teile Europas, darunter auch Deutschland. Noch keine zwei Jahre lang wird zu diesem Zeitpunkt das Kernkraftwerk in Grohnde betrieben. Und im Hamelner Bürgergarten arbeitet ein Hildesheimer Künstler an einer Skulptur, die wertet und offen Kritik äußert an der Atomenergie und den damit verbundenen Risiken. Wie die Reaktionen der Passanten damals auf sein Werk waren? Daran erinnert sich Bormann heute noch. „Ich habe mich sehr gewundert über die Akzeptanz, die meine Arbeit erfahren hat. Denn ich war davon ausgegangen, dass sie viel mehr Widersprüche auslösen würde“, sagt der Künstler. So habe er sich auch sehr darüber gefreut, dass die Skulptur mit dem kritischen Anspruch an einer derart exponierten Stelle aufgestellt wurde. „Der Standort im Bürgergarten wurde von der Stadt vorgeschlagen und er kam mir sehr entgegen“, erinnert sich Bormann.

„Grohnde“ heißt die Skulptur, über die leider kein Schild informiert. „Das hat wohl jemand geklaut“, vermutet der Künstler, der sein Werk oft besucht, wenn er in Hameln ist. Zufrieden ist er immer noch mit der Skulptur aus Obernkirchner Sandstein – „auch wenn ich heute bestimmte Sachen natürlich anders machen würde“.

Bormann, der in Hildesheim den Kunstcontainer an der Bischofsmühle betreibt und Mitglied der Hamelner Künstlergruppe arche ist, hat über eine seiner Ausstellungen in der Galerie am Haspelmathturm von dem ersten Bildhauer-Symposium erfahren. Es wurde 1986 zum in Hameln ausgerichteten Tag der Niedersachsen ins Leben gerufen. Um die moderne Skulptur in der Stadt zu etablieren. Bormann, damals 48 Jahre alt, bewarb sich und wurde prompt ausgewählt.

Vier Wochen lang hat der in Hameln geborene Künstler das Material im Bürgergarten bearbeitet – unter den Augen von Passanten und Interessenten. „Für viele war es sehr interessant zu sehen, wie so etwas entsteht. Viele Passanten haben auch das Gespräch gesucht“, schildert Moritz Bormann. Ein Gipsmodell der Skulptur im Maßstab 1:5 hatte er stets dabei.

Gerüchte, dass ein Riss im Stein die Fertigstellung beeinträchtigt hätte, stimmen nicht, sagt der Hildesheimer. „Der Stein ist gesund. Ich habe bewusst Risse hineingeschlagen, das ist Teil meiner Konstruktion.“ Sie sollen die Schwächen aufzeigen – wie der Riss, der durch das Kraftwerk verläuft.

Die Kontaktkunst, also die Arbeit des Künstlers vor Publikum, hält Bormann für enorm wichtig. „Es ist eine Form der Kunstrealisierung, die viel mehr praktiziert werden müsste“, sagt er. Dass die Hamelner bei „Grohnde“ von Anfang an den Kontakt zum Künstler und zu der Arbeit pflegen konnten, dass sie in den Entstehungsprozess einbezogen wurden, habe ihm die Arbeit erleichtert.

Unfreiwillig tätowiert: Der Frauenkörper schält sich aus der Steinschale. Fotos: are




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